Ukraine-Hilfe: Merz sagt Kiew Tausende Abfangdrohnen und Milliarden zu
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 06:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu einem Solidaritätsbesuch in Kiew eingetroffen und will der Ukraine weitere konkrete Unterstützung im Abwehrkampf gegen Russland zusagen.
Tausende Abfangdrohnen geplant
Nach Angaben aus Regierungskreisen soll Merz den ukrainischen Streitkräften die baldige Auslieferung Tausender Abfangdrohnen zusichern. Sie sollen gegen russische Kampfdrohnen mit Strahltriebwerken eingesetzt werden, die besonders schnell und schwer abzufangen sind.
Außerdem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden. Damit könnten Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden. Dafür sollen insgesamt eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden.
Zusätzliche Mittel für Kraftwerke
Weitere 350 Millionen Euro sind für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke vorgesehen. Merz wird von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie begleitet.
Bei seiner Ankunft mit einem Sonderzug sagte Merz, Deutschland müsse der Ukraine weiter helfen. Wenn Russland nicht gestoppt werde, richte sich die russische Kriegsmaschinerie früher oder später gegen Deutschland. Die Ukraine brauche in den kommenden Wochen Unterstützung, sagte der Kanzler.
Moskau warnt Ausländer vor Aufenthalt in Kiew
Die Reise gilt als besonders riskant. Die Sicherheitslage in der Ukraine hat sich nach Angaben aus dem Umfeld des Besuchs in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Drohnenangriffe nehmen zu und treffen auch Kiew sowie Personenzüge.
Wenige Stunden vor der Ankunft des Kanzler-Zuges forderte das russische Außenministerium ausländische Besucher und Diplomaten auf, Kiew zu verlassen. Sie sollten sich insbesondere nicht in der Nähe militärischer Objekte und von Regierungsgebäuden aufhalten. Als Begründung verwies Moskau auf geplante russische Angriffe auf militärische Ziele.
Vierter Kanzlerbesuch seit der Invasion
Merz ließ sich von der Warnung nicht von seiner Reise abbringen. Er wolle dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj versichern, dass die Ukraine weiter auf deutsche Hilfe zählen könne.
Es ist der vierte Besuch eines deutschen Bundeskanzlers in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022. Merz war bereits wenige Tage nach seiner Vereidigung im Mai des vergangenen Jahres gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Donald Tusk und dem polnischen Regierungschef nach Kiew gereist.
Diplomatische Bemühungen ohne Durchbruch
Merz hatte der Ukraine bereits am Donnerstag bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die Nato in Münster anhaltende Solidarität zugesichert. Deutschland ist finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine. Zugleich gibt es im Inland wachsenden Widerstand gegen weitere Milliardenhilfen.
Außenminister Johann Wadephul hatte sich wenige Tage zuvor in New York mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow getroffen. Lawrow bezeichnete das Gespräch anschließend als ergebnislos. Merz wertete dies als Hinweis darauf, dass Russland derzeit nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sei, und setzt weiter auf militärischen Druck.
Abfangdrohnen als Antwort auf neue Angriffswelle
Die angekündigte Lieferung von Tausenden Abfangdrohnen reagiert auf eine veränderte Bedrohungslage. Russland setzt neben langsameren Angriffsdrohnen zunehmend Modelle mit Strahltriebwerken ein, die schneller fliegen und damit höhere Anforderungen an die ukrainische Luftverteidigung stellen. Die Ukraine entwickelt deshalb eigene Abfangsysteme und versucht, deren Produktion vor dem Winter auszuweiten.
Für Deutschland verbindet sich die Unterstützung der Ukraine mit einer sicherheitspolitischen und industriellen Dimension. Die geplante Freigabe von einer Milliarde Euro für weitreichende Waffen soll nicht nur die ukrainische Verteidigung stärken, sondern auch die gemeinsame Produktion voranbringen. Zugleich zeigt die geplante Lieferung von 350 Millionen Euro für Kraftwerksreparaturen, dass der kommende Kriegswinter erneut von Angriffen auf Energieinfrastruktur geprägt sein könnte.
Militärhilfe und Schutz kritischer Infrastruktur
Die jüngsten Angriffe auf Kiew haben zudem die Verwundbarkeit zentraler Verkehrswege sichtbar gemacht. Mehrere Brücken über den Dnipro wurden getroffen oder vorübergehend geschlossen; die Stadt bereitet deshalb zusätzliche Übergänge vor. Für die Bevölkerung geht es damit neben dem Schutz vor Luftangriffen um funktionierende Verkehrs-, Energie- und Versorgungssysteme.
Politisch erhöht der Besuch den Druck auf Deutschland, seine Unterstützung trotz innenpolitischer Auseinandersetzungen verlässlich fortzusetzen. Merz verbindet die Militärhilfe mit dem Ziel, Russlands Verhandlungsbereitschaft durch militärischen Druck zu erhöhen. Ob diese Strategie diplomatische Fortschritte bringt, bleibt von Moskaus Reaktion und der weiteren Entwicklung an der Front abhängig.
