UEFA-Wahl: Ceferin will Wiederwahl und tritt nicht gegen Infantino an
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 16:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Aleksander Ceferin strebt eine weitere Amtszeit als Präsident der Europäischen Fußball-Union UEFA an und will sich im kommenden April zur Wiederwahl stellen.
Wahl in Astana
Der Slowene kündigte seine Bewerbung nach dpa-Informationen bei einem Treffen in Berlin an. Damit scheidet Ceferin auch offiziell als möglicher Gegenkandidat von Gianni Infantino für das Amt des FIFA-Präsidenten aus; Ambitionen auf eine Kandidatur gegen den Weltverbandschef hatte er zuletzt mehrfach zurückgewiesen.
Die Wahl für vier weitere Jahre soll beim UEFA-Kongress am 22. April im kasachischen Astana stattfinden. Einen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht. Ein Bewerber wäre nach Einschätzung aus dem Umfeld der UEFA derzeit chancenlos gegen den angesehenen Ceferin, der seit September 2016 im Amt ist.
Europas Widerstand gegen Infantino
Eine der wichtigsten Aufgaben des UEFA-Präsidenten bleibt, die Opposition gegen Infantino im Machtkampf um die Zukunft des Weltverbands zu koordinieren. Vor allem aus Europa haben Verbände dem FIFA-Chef das Vertrauen entzogen.
Infantino steht nach einem im Sommer letztlich gescheiterten Vorstoß zur Vermarktung von WM-Rechten durch externe Investoren unter Druck. Daraufhin bot er seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen in der FIFA an.
Der europäische Fußball hat bislang noch keinen Gegenkandidaten für die FIFA-Präsidentenwahl im März 2027 im marokkanischen Rabat präsentiert. Die Opposition kann bis zum Ende des 18. November einen Bewerber offiziell benennen.
Statutenänderung ermöglicht Kandidatur
Ceferins erneute Bewerbung wird durch eine Änderung der UEFA-Statuten aus dem Jahr 2024 ermöglicht. Die Regularien sehen grundsätzlich eine Amtszeitbegrenzung von zwölf Jahren vor. Weil Ceferin seine erste Amtszeit vom damals gesperrten Michel Platini übernommen hatte, wird diese nach der Anpassung nicht mehr angerechnet.
Vor zweieinhalb Jahren hatte Ceferin angekündigt, nicht erneut antreten zu wollen. Er begründete dies mit Müdigkeit und dem Wunsch nach „frischem Blut“ bei der UEFA. Intern revidierte er diese Einschätzung jedoch relativ schnell und machte seine erneute Kandidatur nun beim Berliner Spitzentreffen offiziell.
Ceferins Rolle im Machtkampf
Mit der erneuten Kandidatur bindet sich Aleksander Ceferin für weitere vier Jahre an die Führung der UEFA. Der Kontinentalverband bündelt 55 nationale Verbände und ist damit der politisch und wirtschaftlich stärkste Block innerhalb der FIFA. Ceferins Wiederwahl würde Europas Opposition gegen Gianni Infantino daher eine klar erkennbare Führungsfigur geben.
Der Konflikt reicht über persönliche Kritik hinaus. Im Zentrum stehen Fragen zur Machtverteilung, zur Transparenz der FIFA-Governance und zum Umgang mit kommerziellen Vorhaben des Weltverbands. Infantino strebt im März 2027 in Rabat eine vierte Amtszeit an; die europäische Seite muss bis zum 18. November einen Gegenkandidaten benennen. Mit Ramon Vega ist inzwischen ein möglicher Bewerber öffentlich geworden, seine tatsächliche Unterstützung durch FIFA-Mitgliedsverbände ist jedoch offen.
Folgen für Europas Fußball
Für die UEFA schafft Ceferins Entscheidung zunächst Planungssicherheit. Zugleich erhöht sie den politischen Druck auf die europäischen Verbände, ihre Kritik an Infantino in eine gemeinsame Kandidatur und ein belastbares Reformprogramm zu übersetzen. Ein geschlossenes Vorgehen könnte Europas Einfluss stärken, während unterschiedliche Interessen zwischen Verbänden, Ligen und Klubs die Suche nach einem mehrheitsfähigen Bewerber erschweren könnten.
Für Fußballfans bleibt der Streit vor allem dort relevant, wo Verbandsentscheidungen Wettbewerbe, Spielkalender und die Vermarktung von Turnieren betreffen. Die UEFA-Wahl im April in Astana wird deshalb auch als Signal für den Kurs des europäischen Fußballs vor der FIFA-Präsidentschaftswahl wahrgenommen.
