Trump und Putin schließen Diesel-Deal: Deutschland hält an Russland-Sanktionen fest
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 17:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Präsident Donald Trump hat nach einem Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin umfangreiche russische Diesellieferungen für die USA und den Weltmarkt angekündigt, was in Deutschland, der EU und der Ukraine scharfe Reaktionen auslöste.
Deutschland hält an Sanktionen fest
Die Bundesregierung will auch nach der Vereinbarung kein Öl oder Benzin aus Russland beziehen. Ein Sprecher von Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte den bisherigen Sanktionskurs und verwies auf die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern an weiteren Sanktionen.
Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, Deutschland beziehe seit 2023 kein russisches Öl oder Ölprodukte mehr. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet deshalb keine größeren Auswirkungen auf die Preise an deutschen Tankstellen.
Millionen Tonnen Diesel angekündigt
Trump teilte auf seiner Plattform Truth Social mit, Russland werde umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Im November solle eine weitere halbe Million Tonnen freigegeben werden, anschließend eine Million Tonnen.
Zusätzlich stellte Trump innerhalb kurzer Zeit drei Millionen Tonnen in Aussicht. Diese Lieferung machte er vom Zustand der russischen Dieselraffinerien abhängig. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte die Bereitschaft, Erdöl und Erdölprodukte auf die amerikanischen und die Weltmärkte zu liefern.
EU und Selenskyj kritisieren Vereinbarung
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte den Deal. Zusätzliche Einnahmen aus Diesellieferungen verschafften Moskau Mittel zur Finanzierung des Krieges, erklärte sie. Zugleich verwies sie auf russische Angriffe auf die Ukraine und verstärkte hybride Aktivitäten gegen Europa.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Vereinbarung als „nicht fair und nicht ehrlich“. Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, sei eine Investition in den Krieg. Besonders verärgert zeigte er sich, weil US-Gesandte parallel mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Kriegsende verhandelten, ohne das Diesel-Abkommen anzusprechen.
US-Regierung hebt Sanktionen befristet auf
Das US-Finanzministerium erteilte eine bis zum 7. April 2027 geltende Ausnahmegenehmigung. Sie erlaubt Verkauf, Lieferung, Entladen und Import von russischem Diesel.
Trump steht wegen gestiegener Spritpreise vor den US-Zwischenwahlen unter Druck. Er bezeichnete niedrigere Dieselpreise als vorrangiges Ziel für Landwirte, Viehzüchter und Lastwagenfahrer. Kritik kam auch von den Grünen und US-Demokraten, die ihm eine Kehrtwende bei den Russland-Sanktionen vorwarfen.
Begrenzter Effekt auf Weltmarkt erwartet
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie sowie die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft rechnen nicht mit deutlichen Auswirkungen auf den Weltmarkt oder deutsche Verbraucherpreise. 300.000 Tonnen deckten nach Angaben der US-Energiebehörde rechnerisch den US-Dieselverbrauch von gut 14 Stunden.
Selenskyj bot erneut an, ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen beendet. Eine Lockerung der Sanktionen lehnte er ab.
Begrenzter Markteffekt trotz großer Ankündigung
Die angekündigten Mengen wirken politisch erheblich, verändern den globalen Dieselmarkt kurzfristig aber nur begrenzt. Die zunächst zugesagten 300.000 Tonnen entsprechen nach Angaben der US-Energiebehörde rechnerisch etwa 14 Stunden des US-Verbrauchs. Für einen nachhaltigen Preisrückgang müssten die Lieferungen tatsächlich verfügbar sein und über längere Zeit in den Markt gelangen.
Der Vorgang steht im Zusammenhang mit einer angespannten Versorgungslage. Hohe Kraftstoffpreise, Angriffe auf Raffinerien und Risiken für internationale Transportwege haben das Angebot verknappt. Zugleich hängt die russische Lieferfähigkeit von der Auslastung der Raffinerien und von eigenen Exportbeschränkungen ab.
Politischer Bruch bei Sanktionen
Für Europa ist vor allem die politische Dimension relevant. Deutschland und die EU halten am Importverbot für russisches Öl und Ölprodukte fest, während Washington eine zeitlich befristete Ausnahme für russischen Diesel ermöglicht. Damit entsteht kein unmittelbarer Zugang russischer Ware zum deutschen Tankstellenmarkt, wohl aber ein neuer Konflikt über den Umgang mit Moskau.
Die Vereinbarung belastet zudem die westliche Geschlossenheit gegenüber Russland. Kiew wertet zusätzliche Einnahmen aus Energieexporten als Unterstützung der russischen Kriegsführung. Für Verbraucher in Deutschland dürfte der direkte Preiseffekt nach Einschätzung von Branchenvertretern und Ökonomen gering bleiben; entscheidend sind weiterhin die weltweite Angebotslage, Transportkosten und geopolitische Risiken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Trump kündigt russische Diesellieferungen an“ (10.10.2026)
Der Bericht bestätige die angekündigten Liefermengen, die befristete US-Ausnahme von den Sanktionen und die scharfe Kritik des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er setze zusätzlich den Schwerpunkt auf den begrenzten wirtschaftlichen Effekt: Experten hielten die zunächst zugesagte Menge für keine nachhaltige Lösung, sondern lediglich für eine kurzfristige Entlastung eines angespannten Marktes.
Berliner Zeitung: „Trump verkündet Diesel-Deal mit Putin: Millionen Tonnen sollen auf den Weltmarkt kommen“ (09.10.2026)
Der Artikel bestätige die gestaffelten Lieferankündigungen und beschreibe die US-Genehmigung als befristete Ausnahme, nicht als vollständige Aufhebung der Sanktionen. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf die Vorgeschichte russischer Exportbeschränkungen und die Frage, ob Moskau die angekündigten Mengen angesichts eigener Raffinerieprobleme tatsächlich bereitstellen könne.
Beide Berichte stellten die Vereinbarung als politischen Kurswechsel Washingtons und als Belastung für die Ukraine heraus. Offen bleibe insbesondere, wann die Lieferungen beginnen, welche Mengen tatsächlich exportiert würden und ob sie die Dieselpreise über eine kurzfristige Reaktion hinaus beeinflussen könnten.

