Tourismus-KV, Verhandlungsrunde

Tourismus-KV: Dritte Verhandlungsrunde ohne Einigung

21.05.2026 - 16:10:34 | boerse-global.de

Dritte Verhandlungsrunde für neuen Kollektivvertrag in Gastronomie und Hotellerie gescheitert. Gewerkschaft fordert 3,6 Prozent, Arbeitgeber bieten 3,0 Prozent.

Tourismus-KV: Dritte Verhandlungsrunde ohne Einigung - Foto: über boerse-global.de
Tourismus-KV: Dritte Verhandlungsrunde ohne Einigung - Foto: über boerse-global.de

Die rund 230.000 Beschäftigten in Österreichs Gastronomie und Hotellerie warten weiter auf einen neuen Kollektivvertrag. Am Donnerstag scheiterte die dritte Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft vida und Wirtschaftskammer (WKÖ).

Angebot von 3,0 Prozent – Gewerkschaft fordert 3,6

Die Arbeitgeber legten ein verbessertes Angebot vor: 3,0 Prozent mehr Lohn. Die Gewerkschaft lehnte ab. Sie pocht auf mindestens 3,6 Prozent.

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Der Grund: massive Kaufkraftverluste. Laut OECD sank das reale verfügbare Pro-Kopf-Haushaltseinkommen in Österreich 2025 um 1,8 Prozent. Im OECD-Schnitt gab es dagegen ein Plus von 0,8 Prozent.

Scharfe Töne zwischen den Sozialpartnern

Die Stimmung ist vergiftet. Die Gewerkschaft kritisierte die Arbeitsbedingungen in der Branche scharf – Schwarzarbeit und Menschenhandel belasteten das Image. Bei der Wirtschaftskammer stieß das auf Unverständnis. Die Arbeitgeber werfen der vida vor, die ganze Branche pauschal zu verurteilen, statt die wirtschaftliche Realität anzuerkennen.

Ein weiterer Streitpunkt: die Attraktivität der Branche für Fachkräfte. Die Arbeitgeber verweisen auf bereits erfolgte Lohnsteigerungen der Vorjahre. Die Gewerkschaft sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Abwanderung in andere Sektoren zu stoppen.

Eine Einigung ist nicht in Sicht.

Wirtschaftliche Flaute setzt beide Seiten unter Druck

Der Konflikt spielt sich vor düsterer Kulisse ab. Die EU-Kommission korrigierte ihre Wachstumsprognose für Österreich 2026 auf 0,6 Prozent. Damit liegt das Land gleichauf mit Deutschland am Ende der EU-Rangliste. Der EU-Schnitt: 1,1 Prozent.

Hauptgründe: der Nahost-Konflikt und hohe Energiepreise, die besonders die Gastronomie treffen.

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Die Inflation bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Prognostiziert werden 3,0 Prozent für Österreich, der EU-Schnitt liegt bei 3,1 Prozent.

Finanzminister Marterbauer verwies auf das hohe Budgetdefizit: 4,1 Prozent des BIP. Am 3. Juni bewertet die EU-Kommission, ob ein Defizitverfahren droht. Marterbauer zeigt sich optimistisch.

Strukturelle Probleme bremsen langfristig

Das WIFO rechnet bis 2031 mit einem durchschnittlichen Wachstum von nur 1,1 Prozent. Ursachen: sinkende Wettbewerbsfähigkeit, demografische Entwicklung und geopolitische Risiken wie die US-Zollpolitik. Das Exportwachstum hat sich im Vergleich zum Vorjahrzehnt mehr als halbiert.

Mehrwertsteuer-Senkung beschlossen

Der Nationalrat senkte am Donnerstag die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel – von 10 auf 4,9 Prozent. Betroffen sind Milch, Butter, Eier, Reis, Nudeln, Mehl sowie Obst und Gemüse. Die Regierung erwartet eine Entlastung von 80 Euro pro Haushalt und Jahr.

Die Bundeswettbewerbsbehörde will die Weitergabe der Preissenkung prüfen. Ohne Reform des Wettbewerbsrechts seien die Kontrollmöglichkeiten aber begrenzt.

Paketsteuer und Sparpaket in Planung

Zur Gegenfinanzierung plant die Regierung eine Paketsteuer. Ab Oktober sollen Onlinehändler mit über 100 Millionen Euro Jahresumsatz 2 Euro pro Sendung zahlen. Der stationäre Buchhandel begrüßt das, der Wiener Handel warnt vor Wettbewerbsnachteilen.

Parallel dazu bereitet die Regierung ein Sparpaket vor. Ein Arbeitspapier für das Doppelbudget 2027/2028 sieht Einsparungen von 5,1 Milliarden Euro vor. Geplant sind Kürzungen beim Arbeitslosengeld – etwa eine vierwöchige Wartefrist nach einvernehmlicher Kündigung. Auch die AMS-Förderungen für Langzeitarbeitslose sollen sinken.

Steuererhöhungen sind ebenfalls im Gespräch: die Alkoholsteuer um 30 Prozent rauf, die Körperschaftsteuer auf 24 Prozent für Gewinne ab einer Million Euro.

Ausblick: Entscheidende Wochen

Ob die Sozialpartner einen Kompromiss finden oder Arbeitskämpfe drohen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Der 3. Juni ist ein wichtiges Datum: Die EU-Kommission bewertet dann das österreichische Budgetdefizit. Diese Entscheidung bestimmt, wie viel Spielraum die Regierung für ihr Sparpaket hat.

Anfang Juli wird die Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung genau beobachtet. Der Erfolg hängt davon ab, ob der Handel die Senkung vollständig weitergibt.

Bereits am 26. Mai endet die Begutachtungsfrist für die Paketsteuer. Das dürfte weiteren Zündstoff für die Debatte um den Wirtschaftsstandort Österreich liefern.

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