Krankenversicherung: TK-Chef Baas fordert Ende von PKV und GKV
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 13:48 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSTK-Vorschlag verbindet GKV- und PKV-Elemente
- Jens Baas fordert die Abschaffung sowohl der privaten als auch der gesetzlichen Krankenversicherung.
- Die Techniker Krankenkasse versichert mehr als zwölf Millionen Menschen.
- Ein neues Modell soll Risikoselektion ausschließen und Kassenwechsel jederzeit ermöglichen.
- Altersrückstellungen sollen vor staatlichem Zugriff geschützt bleiben.
Jens Baas fordert neues Krankenversicherungssystem
Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, spricht sich für die Abschaffung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung aus. Statt des bisherigen dualen Systems schlägt er ein gemeinsames Modell vor, das zentrale Elemente beider Versicherungsarten verbindet.
Soziale Regeln sollen erhalten bleiben
Aus der gesetzlichen Krankenversicherung will Baas den Verzicht auf Risikoselektion übernehmen. Versicherte sollten zudem jederzeit die Kasse wechseln können, was in der privaten Krankenversicherung kaum möglich ist.
Nach seinen Vorstellungen dürften keine Gewinne aus der Krankenversicherung abgeschöpft werden. Außerdem müsse es verbindliche Standards dafür geben, welche Leistungen eine Kasse abdeckt.
PKV soll Vertragsfreiheit beisteuern
Als Vorteile der privaten Krankenversicherung nennt Baas ihre Staatsferne und den Schutz der Altersrückstellungen vor staatlichem Zugriff. Diese Rücklagen müssten auch in einem neuen System geschützt bleiben.
Darüber hinaus sieht Baas in der PKV größere vertragliche Gestaltungsmöglichkeiten bei Vereinbarungen mit Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten. Private Versicherer nutzten diese Möglichkeiten häufig nicht, weil sie zu klein seien; in einem gemeinsamen System könnten sie umgesetzt werden.
Kritik an politischer Debatte
Die Techniker Krankenkasse ist mit mehr als zwölf Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Deutschland. Baas kritisiert zugleich die politische Auseinandersetzung über eine Bürgerversicherung und wirft den Beteiligten vor, sich in parteipolitischen Positionen zu verstecken.
Der Vorstoß von Jens Baas zielt nicht auf eine bloße Anpassung einzelner Beitragssätze, sondern auf einen grundlegenden Umbau der deutschen Krankenversicherung. Heute stehen gesetzliche und private Krankenversicherung für unterschiedliche Zugangsregeln, Finanzierungslogiken und Vertragsbedingungen. Ein gemeinsames System müsste diese Unterschiede so neu ordnen, dass der Zugang zur Versorgung unabhängig vom individuellen Krankheitsrisiko bleibt.
Für gesetzlich Versicherte wäre insbesondere die von Baas genannte Übernahme privater Gestaltungsmöglichkeiten relevant. Mehr Spielraum bei Verträgen mit Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten könnte Kassen theoretisch ermöglichen, Versorgungsangebote stärker nach regionalem Bedarf oder Behandlungsergebnis auszurichten. Zugleich bliebe die zentrale soziale Funktion der GKV erhalten, wenn Risikoselektion ausgeschlossen und ein Wechsel der Kasse möglich wäre.
Finanzierung und politische Umsetzung
Die Altersrückstellungen der PKV bilden einen weiteren Kernpunkt. Ein neues Modell müsste klären, wie bereits gebildete Rücklagen behandelt, Ansprüche geschützt und Wettbewerbsregeln gestaltet werden. Ebenso offen wären die Finanzierung, die Rolle von Arbeitgebern und Staat sowie die Frage, welche Leistungen verbindlich abgesichert werden.
Die Debatte fällt in eine Phase anhaltenden Kostendrucks im Gesundheitswesen. Für Versicherte wären die Folgen eines Systemwechsels erst über längere Übergangsfristen spürbar; kurzfristig änderte der Vorstoß vor allem die politische Diskussion. Baas verbindet den Reformvorschlag deshalb mit der Forderung, die Auseinandersetzung über eine Bürgerversicherung nicht auf parteipolitische Grundsatzpositionen zu reduzieren.
