Gesundheitspolitik, Arbeitswelt

Telefonische Krankschreibung: Ärztepräsident pocht auf Beibehaltung

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 06:56 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Sollten Arbeitnehmer künftig schon ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) benötigen, fordert Ärztepräsident Klaus Reinhardt das Festhalten an der Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung für bereits bekannte Patientinnen und Patienten. "Die Politik muss, falls sie an diesem Vorhaben festhält, unbedingt die Option einer telefonischen Krankschreibung für bekannte Fälle ermöglichen", so Reinhardt gegenüber den Funke-Zeitungen.

Ärztepräsident: Telefonische Krankschreibung muss bleiben
Arztpraxis für Allgemeinmedizin (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Kaum zu glauben, aber der Anteil der Krankschreibungen per Telefon macht tatsächlich nur circa 1,2 Prozent der gesamten Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland aus. Klingt verschwindend gering, und doch entlastet dieser kleine Wert viele Praxen enorm, weil er Menschen mit leichten Infekten draußen hält.

Telefon und Video – Ein Schritt in die richtige Richtung?

Eine interessante Wendung: Nicht nur das Telefon soll seinen Platz behalten, auch Videosprechstunden – fast schon Teil des Alltags geworden. "Besonders bei bekannten Patientinnen und Patienten nutzen wir das schon regelmäßig", betonte Reinhardt. Für gänzlich Unbekannte? Da sieht er telefonisch oder per Video allerdings keine verantwortungsvoll vertretbare Lösung.

Kritik an der Pflicht zur AU ab Tag eins

Insgesamt – und das klingt fast wie ein alter Streit – lehnt Reinhardt die Idee grundsätzlich ab, dass eine AU-Pflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag sinnvoll wäre. "Die berühmte deutsche Arbeitsmoral wird nicht im Wartezimmer entschieden", sagt er mit einer Prise Ironie. Wirkliche Veränderungen sieht er eher in den Betrieben als in den Arztpraxen.

Was hält Menschen wirklich gesund?

Warum sind die Menschen in Deutschland eigentlich krank? "Das Klima im Betrieb, Wertschätzung, Bedingungen und die Möglichkeit zur Mitbestimmung – all das wiegt schwer", erklärt der Ärztepräsident. Wer wirklich etwas ändern will, sollte genau an diesen Stellschrauben drehen statt an der Attest-Pflicht. Über Karenztage könne man natürlich sprechen, lässt Reinhardt durchblicken – doch das ist wieder ein anderes Fass.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hebt hervor, dass die telefonische Krankschreibung einen winzigen, aber effektiven Anteil an den AU-Tagen hat und eigentlich dringend beibehalten werden sollte. Die geplante Attest-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag hält er für wenig zielführend – wirkliche Veränderungen für die Gesundheit der Beschäftigten sieht er in den Arbeitsbedingungen und dem Betriebsklima, nicht in bürokratischen Maßnahmen. Neuere Berichte fügen hinzu: Die Bundesregierung diskutiert momentan intensiv über eine Verschärfung der Krankmelderegeln, während Fachleute – darunter auch Reinhardt – vermehrt auf die hohe Belastung medizinischer Praxen hinweisen und betonen, dass leichtes Kranksein oft effizienter telefonisch oder digital attestiert werden könnte. Laut aktuellen Stimmen aus der Politik zeichnen sich jedoch Widerstände gegen eine reine Vertrauenskultur am Arbeitsplatz ab. Zudem zeigt sich in Unternehmen und bei Gewerkschaften eine gespaltene Meinung: Während manche die Flexibilität der Tele-Krankschreibung begrüßen, fürchten andere um die Kontrolle der Fehlzeiten und die Gefahr des Missbrauchs. In der Schweiz und Skandinavien etwa werden schon seit Längerem digitale AU-Verfahren eingesetzt, mit bisher überwiegend positiven Erfahrungen.

Disclaimer...

de | politik | 70011950 |