Südkorea: Merz will Wirtschaftsbeziehungen weiter vertiefen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 16:09 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMerz setzt auf Seoul als Wirtschaftspartner
- Merz sprach am Donnerstag in Seoul über gemeinsame Innovationen in der Halbleiterindustrie, beim Quantencomputing und bei industrieller KI.
- Das 60. Jubiläum des Anwerbeabkommens erinnert an rund 10.000 koreanische Krankenschwestern in Deutschland.
- Merz verwies außerdem auf fast 8.000 koreanische Bergarbeiter und die gemeinsame Erfahrung der Teilung.
Merz wirbt in Seoul für engere Partnerschaft
Bundeskanzler Friedrich Merz will die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Südkorea weiter vertiefen. Vor der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft hob er am Donnerstag in Seoul gemeinsame Projekte bei Schlüsseltechnologien hervor.
Fokus auf Schlüsseltechnologien
Merz nannte die Halbleiterindustrie, Quantencomputing und industrielle künstliche Intelligenz als zentrale Felder der Zusammenarbeit. Ziel sei es, Innovationen gemeinsam zu entwickeln und zu vermarkten, sagte der CDU-Politiker.
Die Partnerschaft beschränke sich jedoch nicht auf Technologie und Handel. Nach den Worten des Kanzlers wird sie auch durch die Verbindungen zwischen den Gesellschaften und Menschen getragen.
60 Jahre Anwerbeabkommen
In diesem Jahr wird an das 60. Jubiläum des Anwerbeabkommens erinnert. Infolgedessen kamen laut Merz rund 10.000 koreanische Krankenschwestern nach Deutschland.
Sie folgten den fast 8.000 koreanischen Bergarbeitern und hätten zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands beigetragen, sagte Merz. Zugleich hätten sie den Grundstein für enge zwischenmenschliche Beziehungen zwischen beiden Ländern gelegt.
Gemeinsame Erfahrungen und Werte
Merz verwies außerdem auf gemeinsame Werte und Erfahrungen. Deutschland und Südkorea seien wehrhafte Demokratien, die sich für eine internationale Ordnung nach Regeln unter Gleichen einsetzten.
Die beiden Länder verbinde auch die bittere Erfahrung der Teilung. Der Bundeskanzler äußerte den Wunsch, eines Tages die Geschichte einer Wiedervereinigung Koreas gemeinsam teilen zu können.
Der Besuch von Friedrich Merz in Seoul fällt in eine Phase, in der Deutschland seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Indopazifik systematischer ausbauen will. Südkorea nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Das Land verbindet eine hochentwickelte Industrie mit großer Bedeutung für globale Lieferketten, insbesondere bei Halbleitern und weiteren Schlüsseltechnologien.
Technologie und Lieferketten
Mit Halbleitern, Quantencomputing und industrieller künstlicher Intelligenz nennt Merz Felder, in denen Kooperationen über klassische Handelsbeziehungen hinausreichen. Für deutsche Unternehmen geht es dabei um Innovation, Absatzmärkte und resilientere Lieferketten. Südkoreanische Konzerne verfügen zugleich über erhebliche industrielle Kompetenzen und internationale Marktpräsenz.
Die geplante Vertiefung steht außerdem im Zusammenhang mit einer breiteren deutschen Asien-Strategie. Neben Wirtschaftsfragen spielen dabei die regelbasierte internationale Ordnung, Sicherheitsinteressen und die Erfahrungen historischer Teilung eine Rolle. Der Austausch über gemeinsame Werte soll der Partnerschaft daher eine politische und gesellschaftliche Dimension geben.
Historische Verbindungen und nächste Schritte
Das 60. Jubiläum des Anwerbeabkommens rückt die menschliche Seite der Beziehungen in den Mittelpunkt. Die nach Deutschland gekommenen koreanischen Krankenschwestern und Bergarbeiter prägten nicht nur die Arbeitsmigration, sondern auch langfristige Verbindungen zwischen beiden Gesellschaften.
Mit der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul folgt unmittelbar ein wirtschaftspolitisches Forum, auf dem diese Themen vertieft werden können. Für Deutschland hängt der praktische Erfolg der angekündigten Partnerschaft davon ab, ob aus politischen Absichtserklärungen konkrete Projekte in Forschung, Industrie und Handel entstehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR: „Merz reist zu Gesprächen nach Südkorea“ (29.10.2026)
Der Beitrag ordnet den Seoul-Besuch in die Gespräche des Bundeskanzlers mit Präsident Lee Jae Myung ein und verweist auf die bevorstehende Eröffnung der Asien-Pazifik-Konferenz. Damit liegt der Schwerpunkt auf dem diplomatischen Ablauf und dem Terminplan.
Stern: „Merz besucht Südkorea - Halbleiter und Abhängigkeit von China auf der Agenda“ (29.10.2026)
Der Artikel setzt einen stärkeren Akzent auf Halbleiter und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Er ergänzt damit die von Merz angesprochene Technologiekooperation um die Frage, welche Bedeutung Südkorea für strategische Lieferketten besitzt.
Beide Beiträge verbinden den Seoul-Besuch mit der Konferenz der deutschen Wirtschaft. Der BR legt den Schwerpunkt auf politische Gespräche, während der Stern die Technologie- und Lieferkettenperspektive hervorhebt.
