Studienanfänger: 69 Prozent bleiben im eigenen Bundesland
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 08:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie meisten Studienanfänger beginnen ihr Studium in dem Bundesland, in dem sie auch die Hochschulreife erworben haben. Im Wintersemester 2025/26 traf das auf 69 Prozent der Studienanfänger zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag zum Start des Wintersemesters mitteilte.
Nordrhein-Westfalen bindet die meisten Studienanfänger
Besonders hoch war der Anteil in Nordrhein-Westfalen: Dort blieben 82 Prozent der Studienanfänger im Land. In Brandenburg lag der Anteil dagegen bei 33 Prozent. Fast ebenso viele junge Menschen aus Brandenburg wechselten zum Studium ins benachbarte Berlin; ihr Anteil betrug 32 Prozent.
Nähe prägt die Wahl des Studienorts
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beeinflussen neben der Vielfalt des Studienangebots auch die Attraktivität der Lebensumstände und die räumliche Nähe die Entscheidung. Von den Studienanfängern in Hamburg kamen 17 Prozent aus Schleswig-Holstein und weitere 16 Prozent aus Niedersachsen.
In Bremen stellten Studienanfänger aus Niedersachsen mit 35 Prozent eine ähnlich große Gruppe wie diejenigen mit Hochschulzugangsberechtigung aus Bremen selbst. Aus Bremen stammten 38 Prozent der dortigen Studienanfänger.
Thüringen mit besonders niedrigem Eigenanteil
Einen besonders geringen Anteil von Studienanfängern mit Hochschulzugangsberechtigung aus dem eigenen Bundesland verzeichnete Thüringen mit 34 Prozent. In Erfurt hat die Internationale Hochschule ihren Hauptsitz. Die gemessen an den Studierendenzahlen größte Hochschule Deutschlands bietet vor allem Fernstudiengänge an, sodass ein Studium dort nicht zwingend einen Umzug nach Thüringen erfordert.
Nordrhein-Westfalen stellt viele Studienanfänger
Rund 308.000 Studienanfänger mit Hochschulzugangsberechtigung aus Deutschland begannen im vergangenen Wintersemester ein Studium. Ein Viertel von ihnen hatte die Hochschulreife in Nordrhein-Westfalen erworben, 14 Prozent in Baden-Württemberg und elf Prozent in Bayern.
Die Zahlen zeigen, dass Studienentscheidungen in Deutschland stark regional geprägt bleiben. Für viele Studienanfänger ist die Hochschule im eigenen Bundesland nicht nur fachlich, sondern auch finanziell und organisatorisch naheliegend. Kürzere Wege erleichtern den Verbleib im familiären Umfeld und senken Ausgaben für Miete, Umzug und Reisen.
Hochschulangebot und regionale Bindung
Der Vergleich zwischen Nordrhein-Westfalen und Brandenburg macht sichtbar, wie eng die Mobilität mit der Dichte des Hochschulangebots verbunden ist. Wo mehrere Hochschulstandorte und unterschiedliche Fächer zur Verfügung stehen, können Abiturienten eher im Land bleiben. In kleineren oder weniger breit aufgestellten Hochschullandschaften führt die Studienwahl dagegen häufiger über die Landesgrenze.
Die Werte für Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen verdeutlichen zugleich die Bedeutung von Nachbarschaftsräumen. Ländergrenzen entsprechen im Hochschulalltag nicht zwangsläufig den tatsächlichen Lebens- und Pendelregionen. Besonders bei Städten in Grenznähe können Erreichbarkeit, Wohnkosten und familiäre Bindungen wichtiger sein als das Bundesland, in dem die Hochschulzugangsberechtigung erworben wurde.
Folgen für Hochschulplanung
Für Länder und Hochschulen sind die Wanderungsbewegungen ein Hinweis darauf, dass Studienkapazitäten regional abgestimmt werden müssen. Attraktive Studienangebote können Abwanderung begrenzen, während spezialisierte Fächer weiterhin bundesweit Studierende anziehen. Die hohe Zahl von Fernstudierenden an der IU in Thüringen zeigt außerdem, dass Studienort und tatsächlicher Wohnort zunehmend auseinanderfallen können.
