Moor, CO2-Emissionen

Studie der Universität Münster zeigt: Wasserstand bremst Moor-CO2 bei Wärme

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 11:36 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine Studie der Universität Münster zeigt, dass der Wasserstand in Mooren entscheidend dafür ist, wie stark sich CO2-Emissionen bei Wärme erhöhen. Besonders tiefe Wasserstände verschärfen den Effekt, höheres Wasser kann ihn abmildern.

Studie: Wasserstand bestimmt CO2-Reaktion von Mooren auf Wärme
Moorlandschaft (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Münster hat den Zusammenhang zwischen Wasserstand, Temperatur und CO2-Freisetzung in Mooren untersucht. Die im Fachjournal "Nature Communications" veröffentlichte Studie zeigt: Je tiefer der Wasserstand liegt, desto stärker reagieren die CO2-Emissionen auf steigende Temperaturen.

Großer Datensatz zu Mooren ausgewertet

Für die Analyse nutzten die Wissenschaftler den bislang größten Datensatz zu jährlichen CO2-Budgets von Mooren. Er umfasst 276 Standort-Jahre von 114 Mooren in gemäßigten und borealen Regionen, darunter Deutschland, Estland, Frankreich, Großbritannien und Nordamerika.

Untersucht wurden natürliche Nieder- und Hochmoore sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen, Grasland und ehemalige Torfabbauflächen. Da die Zusammenhänge nicht linear sind, setzten die Forscher Methoden des maschinellen Lernens ein.

Wasserstand dämpft Temperatureffekt

Die Auswertung zeigt, dass die CO2-Freisetzung deutlich sinkt, wenn der Wasserstand von sehr niedrigen Werten auf weniger als 60 bis 75 Zentimeter unter der Mooroberfläche angehoben wird. Den stärksten Effekt erzielen Wasserstände von mindestens 20 Zentimetern unter der Oberfläche.

Bei tiefen Wasserständen fällt die CO2-Freisetzung bei höheren Temperaturen deutlich stärker aus. Ein zweiter Datensatz mit täglichen Messungen aus 113 Standort-Jahren bestätigte diese Beobachtung.

Wiedervernässung gewinnt an Bedeutung

Der Erstautor Nicolas Behrens erklärte, die Bedeutung des Wasserstands könne nicht unabhängig von der Temperatur betrachtet werden. Die Wiedervernässung entwässerter Moore dürfte mit fortschreitender Erwärmung noch wichtiger werden, um die temperaturbedingte Zunahme der CO2-Emissionen zu bremsen.

In die Studie flossen ausschließlich CO2-Daten ein; andere Treibhausgase wie Methan und Lachgas wurden nicht berücksichtigt.

Die Studie der Universität Münster ordnet einen zentralen Hebel der Moorbewirtschaftung neu ein: Nicht allein die Erwärmung, sondern vor allem die Tiefe des Wasserstands entscheidet darüber, wie stark Moore zusätzliches CO2 freisetzen.

Damit rückt ein Befund in den Fokus, der für Klima- und Naturschutzpolitik zugleich relevant ist. Moore speichern unter nassen Bedingungen große Mengen Kohlenstoff; wenn sie entwässert werden, werden sie zu Emissionsquellen. Die nun ausgewerteten 276 Standort-Jahre aus 114 Mooren zeigen, dass sich der Temperatur-Effekt besonders bei tiefem Wasserstand verstärkt. Für die Praxis heißt das: Wiedervernässung ist nicht nur ein Renaturierungsziel, sondern auch ein Mittel, um die Klimawirkung von Wärme abzupuffern.

Hintergrund für Klima- und Landwirtschaftspolitik

Besonders wichtig ist der Hinweis, dass bereits ein Anheben des Wasserstands aus sehr tiefen Lagen auf weniger als 60 bis 75 Zentimeter unter der Oberfläche die CO2-Freisetzung deutlich senken kann. Für stärker vernässte Flächen fällt der Effekt noch klarer aus. Das spricht dafür, dass Maßnahmen in entwässerten Mooren mit fortschreitender Erwärmung an Bedeutung gewinnen, weil sie einen Teil der temperaturbedingten Emissionszunahme begrenzen können.

Was die Studie einordnet

Für Deutschland hat das unmittelbare Relevanz, weil entwässerte Moorböden hier zu den wichtigen Quellen von Treibhausgasen zählen und zugleich landwirtschaftlich genutzt werden. Die Studie betrachtet allerdings nur CO2; Methan und Lachgas bleiben außen vor. Für die politische Bewertung heißt das: Der Befund stärkt die Bedeutung von Wasserstandsmanagement, ersetzt aber keine Gesamtbilanz der Treibhausgasemissionen auf Moorstandorten.

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