Studentenwohnungen: Mieten steigen weiter – BAföG-Pauschale reicht meist nicht
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStudentisches Wohnen ist in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 erneut teurer geworden, während die BAföG-Wohnkostenpauschale an den meisten Hochschulstandorten nicht für eine Musterwohnung oder ein WG-Zimmer ausreicht.
Mieten steigen weiter
Die qualitätsbereinigten Mieten für studentisches Wohnen lagen im Durchschnitt 2,6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Über drei Jahre betrug der jährliche Anstieg durchschnittlich 4,0 Prozent. Wohnungen mit weniger als 40 Quadratmetern verteuerten sich binnen eines Jahres um 3,5 Prozent, WG-Mieten um 2,3 Prozent und möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 Prozent.
München bleibt teuerster Standort
Für eine studentische Musterwohnung mit 30 Quadratmetern wurden in München rund 880 Euro monatlich veranschlagt. Berlin, Frankfurt und Köln folgten, ebenso Hamburg und Heidelberg, mit etwa 700 bis 720 Euro. Am günstigsten war Chemnitz mit rund 280 Euro.
Beim hypothetischen 20-Quadratmeter-WG-Zimmer reichte die Spanne von rund 850 Euro in München bis etwa 220 Euro in Chemnitz. Die höchsten durchschnittlichen Mietzuwächse der vergangenen drei Jahre verzeichneten Hamburg und Saarbrücken mit jeweils 5,8 Prozent pro Jahr, gefolgt von Bochum mit 5,5 Prozent.
BAföG-Pauschale reicht meist nicht
Mit der derzeitigen BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro lässt sich die Miete der untersuchten 30-Quadratmeter-Wohnung dem Report zufolge nur in Chemnitz vollständig decken. Für Studierende in den übrigen betrachteten Städten bleibt eine erhebliche Differenz.
Die Pauschale soll zum Sommersemester 2027 auf 440 Euro steigen. Die ursprünglich für das kommende Wintersemester vorgesehene Erhöhung verzögerte sich wegen fehlender Einigkeit über die Finanzierung.
Mehr Studierende, weniger Bautätigkeit
Nach einem vorübergehenden leichten Rückgang sollen die Studierendenzahlen laut der Sonderauswertung wieder steigen und bis 2040 über dem heutigen Niveau liegen. Damit dürfte der Druck auf die Wohnungsmärkte an vielen Hochschulstandorten erneut zunehmen.
Erstmals untersuchte der Report die Bautätigkeit an 38 Hochschulstandorten. Zwar werde an beliebten Standorten weiterhin überdurchschnittlich viel gebaut, doch habe die Bautätigkeit an rund zwei Dritteln der untersuchten Orte in den vergangenen Jahren nachgelassen. Die Folgen der seit 2022 rückläufigen Baugenehmigungen würden zunehmend sichtbar.
Mehrbelastung trifft besonders knappe Budgets
Die Entwicklung verschärft ein strukturelles Problem: Studierende verfügen meist nur über begrenzte und wenig flexible Einkommen, während Mieten an Hochschulstandorten kurzfristig kaum vermeidbar sind. Schon moderate Preissteigerungen können deshalb dazu führen, dass mehr Geld für das Wohnen aufgewendet werden muss und für Lernmittel, Mobilität oder den Lebensunterhalt fehlt.
Die Unterschiede zwischen den Städten zeigen zugleich, wie stark der Studienort über die finanziellen Voraussetzungen eines Studiums entscheidet. München, Berlin, Frankfurt und Köln liegen bei den im Report betrachteten Wohnungen weit über Chemnitz. Für Studierende bedeutet das häufig, zwischen längeren Pendelwegen, einer teureren privaten Unterkunft, einem knappen Wohnheimplatz oder einer Änderung des Studienortes abzuwägen.
Förderung und Neubau als begrenzte Gegenmittel
Die geplante Anhebung der BAföG-Wohnkostenpauschale auf 440 Euro würde die Lücke für viele Betroffene verringern, sie aber an besonders teuren Standorten nicht schließen. Zudem kommt die Entlastung erst zum Sommersemester 2027, während die Mieten bereits steigen.
Langfristig entscheidet daher vor allem das Angebot. Wenn Genehmigungen und Bautätigkeit zurückgehen, wirkt sich das mit Verzögerung auf den Markt aus. Neue Wohnheime, nachverdichteter Wohnungsbau und eine verlässliche Finanzierung sozial gebundener Wohnungen könnten den Druck mindern; kurzfristig bleibt die Suche nach bezahlbarem Wohnraum für viele Studienanfänger jedoch ein zentrales Risiko bei der Bildungsentscheidung.
