Heidenau, Stolpersteine

Stolpersteine in Heidenau: CDU und AfD beschließen Verbot weiterer Gedenksteine

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 14:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Stadtrat von Heidenau hat einen gemeinsamen Antrag von CDU und AfD beschlossen, der weitere Stolpersteine im öffentlichen Raum verhindern soll. Grünen-Chef Felix Banaszak nennt das Vorgehen einen Skandal und kritisiert die Verdrängung des Gedenkens aus dem Stadtbild.

Wer die Stolpersteine aus dem Straßenbild verbannen wolle, müsse sich fragen lassen, warum die sichtbare Erinnerung an die Opfer störe, sagt Banaszak. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Wer die Stolpersteine aus dem Straßenbild verbannen wolle, müsse sich fragen lassen, warum die sichtbare Erinnerung an die Opfer störe, sagt Banaszak. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Der Stadtrat von Heidenau hat am Donnerstagabend mit Stimmen von CDU und AfD beschlossen, künftig keine weiteren Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich zuzulassen.

Gedenken soll auf den Nordfriedhof verlagert werden

Der Antrag wurde mehrheitlich angenommen. Statt der kleinen Gedenksteine an früheren Wohn- oder Wirkungsorten von NS-Opfern soll das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof stattfinden.

Die Antragsteller erklärten, viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden Stolpersteine als nicht angemessen, weil Passanten auf die Gedenkelemente treten könnten. Auf dem Nordfriedhof sollen sie so gestaltet werden, dass ein direktes Betreten ausgeschlossen ist.

Stadtverwaltung hatte den Antrag abgelehnt

Die Stadtverwaltung hatte empfohlen, die Vorlage abzulehnen. Sie verwies darauf, dass die Präsenz im öffentlichen Raum eine breite Wahrnehmung und eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Geschichte ermögliche.

In Heidenau gibt es bereits Stolpersteine an zwei Standorten, darunter einen Stein zur Erinnerung an den früheren Bürgermeister Paul Gröger. Im vergangenen Jahr war zudem die Verlegung weiterer Stolpersteine beantragt worden.

Banaszak spricht von einem Skandal

Grünen-Chef Felix Banaszak kritisierte den Beschluss scharf. Dass CDU und AfD sich in Heidenau die Hand reichten, um Stolpersteine im öffentlichen Raum zu verhindern, sei ein Skandal, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Angesichts der Debatten über den Umgang mit Rechtsextremismus und des Vormarschs der AfD müsse alles dafür getan werden, das Gedenken an die Verfolgten und Ermordeten lebendig zu halten. Die Begründung, man könne auf den Stolpersteinen herumtreten, sei absurd, sagte Banaszak. Gerade darin liege ihre Stärke: Sie holten die Namen und Schicksale der Opfer in den Alltag und forderten zum Innehalten auf.

Erinnern im Alltag oder zentraler Gedenkort

Stolpersteine werden seit den 1990er Jahren am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Menschen verlegt, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln verbinden damit persönliche Biografien mit konkreten Orten und dem täglichen Stadtbild.

Der Heidenauer Beschluss verschiebt den Schwerpunkt des Gedenkens vom dezentralen Erinnern im öffentlichen Raum zu einem möglichen zentralen Ort auf dem Nordfriedhof. Die Antragsteller begründen dies damit, dass Passanten auf die Steine treten könnten. Die Stadtverwaltung hatte dagegen argumentiert, gerade die Sichtbarkeit im Alltag ermögliche eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Politische Bedeutung des Beschlusses

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Vorgang, weil CDU- und AfD-Stadträte den Antrag gemeinsam eingebracht und eine Mehrheit dafür gefunden haben. Damit geht es nicht nur um die Gestaltung von Gedenkorten, sondern auch um die Frage, wie demokratische Parteien auf kommunaler Ebene mit der AfD zusammenarbeiten.

Für Heidenau betrifft der Beschluss zunächst weitere Verlegungen; bereits vorhandene Stolpersteine an zwei Standorten bleiben bestehen. 2025 war die Verlegung von sieben zusätzlichen Steinen beantragt worden. Künftig sollen neue Gedenkelemente vorzugsweise an einem Ort entstehen, der nicht betreten werden kann.

Folgen für die Erinnerungskultur

Die Entscheidung steht exemplarisch für einen grundsätzlichen Streit über angemessenes Gedenken. Ein zentraler Friedhofsort kann Raum für Zeremonien schaffen, ersetzt aber die Verbindung zwischen den Namen der Opfer und ihren früheren Wohn- oder Wirkungsorten nicht vollständig. Für Einwohner und Besucher bleibt damit sichtbar, wie unterschiedlich kommunale Akteure die Aufgaben öffentlicher Erinnerung bewerten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Berliner Zeitung: „Auf Antrag von AfD und CDU: Sächsisches Heidenau stoppt neue Stolpersteine“ (24.09.2026)

Der Bericht bestätige den Beschluss gegen neue Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich und stelle die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung ausführlich der Begründung von CDU, AfD und Bürgerinitiative gegenüber. Er hebe zusätzlich die bisherige Entwicklung in Heidenau sowie den Antrag auf sieben weitere Stolpersteine hervor.

Tagesspiegel: „Mit Stimmen der CDU und AfD: Stadtrat von Heidenau beschließt Verbot neuer Stolpersteine“ (24.09.2026)

Der Artikel bestätige das Abstimmungsergebnis und stelle stärker die gemeinsame Antragstellung von CDU, AfD und Bürgerinitiative sowie die politische Kritik daran heraus. Zudem berichte er über die Reaktion der Stolperstein-Stiftung und über den Streit zwischen dem dezentralen Gedenken im Stadtbild und einer zentralen Gedenkfläche auf einem Friedhof.

Beide Berichte bestätigten den Beschluss und die geplante Verlagerung des Gedenkens; unterschiedlich stark beleuchteten sie die Vorgeschichte, die Verwaltungsposition und die politische Bedeutung der Zusammenarbeit von CDU und AfD.

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