Steinmeier warnt in Bremen vor extremistischen Kräften und ruft zur Verteidigung der Demokratie auf
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 13:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen zu einer entschlossenen Verteidigung der Demokratie aufgerufen und vor einem weiteren Erstarken extremistischer Kräfte gewarnt.
Warnung vor Demagogie und Manipulation
Extremistische Kräfte würden durch Lügen und Manipulationen in sozialen Medien zusätzlich befeuert, sagte Steinmeier. Ihre „unerträgliche politische Demagogie“ gefährde nicht nur Freiheit und Demokratie, sondern auch die innere Einheit Deutschlands.
Der Bundespräsident kritisierte dabei eine Lust an der Zerstörung sowie das Verhöhnen und Bedrohen anderer Menschen. Die demokratische Gesellschaft müsse sich gegen diese Entwicklung behaupten.
Frage nach Parallelen zu Weimar
Steinmeier verwies auf das wachsende Misstrauen großer Teile der Gesellschaft gegenüber der politischen Ordnung der Bundesrepublik. Jede Wählerstimme zähle und müsse ernst genommen werden.
Zugleich müsse sich die Politik damit auseinandersetzen, dass ein Viertel und mehr der Wählerinnen und Wähler mit ihrer Entscheidung bekunde, sich von wichtigen Grundentscheidungen der Republik abzuwenden. Die Diskreditierung demokratischer Verfahren, die Radikalisierung der Öffentlichkeit und die Diffamierung des Kompromisses seien Warnzeichen.
„Selbstbehauptung der Demokratie“
Ob die Berliner Republik der Weimarer Republik ähnlicher werde, sei „noch nicht entschieden“, sagte Steinmeier. Die Entwicklung liege in den Händen der Bürgerinnen und Bürger.
Er habe die Demokratie für gesichert gehalten und müsse nun erfahren, dass sie „neu angefochten“ werde. Deshalb gehe es in Zukunft um die „Selbstbehauptung der Demokratie“, sagte der Bundespräsident.
Demokratie unter Druck
Steinmeiers Rede fällt in eine Phase, in der die politische Auseinandersetzung schärfer geführt wird und demokratische Institutionen stärker unter Rechtfertigungsdruck stehen. Der Bundespräsident verknüpft dabei zwei Entwicklungen: den wachsenden Zuspruch für extremistische Kräfte und die digitale Verbreitung von Lügen und Manipulationen.
Sein Verweis auf Weimar zielt nicht auf eine Gleichsetzung der heutigen Bundesrepublik mit der ersten deutschen Demokratie. Er beschreibt vielmehr Warnsignale: die Abwertung demokratischer Verfahren, die Radikalisierung öffentlicher Debatten und eine zunehmende Geringschätzung von Kompromissen. Zugleich betont er, dass die historische Entwicklung nicht zwangsläufig vorgegeben sei.
Einheitsfeier mit politischer Bedeutung
Der Ort der Rede verstärkt diese Botschaft. Bremen ist 2026 Gastgeber der zentralen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit; rund um den Festakt gibt es ein dreitägiges Bürgerfest mit mehr als 100 Bühnen und erwarteten Besucherzahlen von über 400.000. Das Motto „Viele Stärken – Ein Land“ stellt unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven als Bestandteil des Zusammenhalts heraus.
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet Steinmeiers Appell vor allem, dass demokratische Stabilität nicht als dauerhaft gesichert gelten kann. Streit und Widerspruch gehören zum politischen System, sollen aber innerhalb gemeinsamer Regeln und Grundrechte ausgetragen werden. Die konkrete Herausforderung liegt damit sowohl im Umgang mit extremistischen Positionen als auch in der Fähigkeit demokratischer Akteure, Vertrauen durch nachvollziehbare Entscheidungen und belastbare Debatten zu erhalten.
