Steinmeier-Nachfolge, Friedrich Merz

Steinmeier-Nachfolge: Merz pocht auf CDU-Vorschlagsrecht

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 13:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Friedrich Merz lässt die Kandidatenfrage offen, weist aber den Anspruch der CDU auf das Vorschlagsrecht zurück. Nach dem Vorstoß der CSU für Ilse Aigner werden in der CDU mehrere Frauen als mögliche Nachfolgerinnen gehandelt.

Bundesversammlung entscheidet Ende Januar

  • Die Bundesversammlung stimmt am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier ab.
  • Sie besteht aus 630 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Wahlleuten der Länder.
  • Die CDU-Gremien beraten am 9. November erstmals über den weiteren Kandidatenprozess.
  • Während Merz in Asien unterwegs ist, gewinnt in Deutschland die Debatte über die Steinmeier-Nachfolge an Fahrt. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Der Kanzler sieht sich im Ausland zu einer Klarstellung veranlasst. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die CSU hat sich auf Ilse Aigner festgelegt. SPD-Fraktionschef Miersch hat sich hinter diesen Vorschlag gestellt. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
Während Merz in Asien unterwegs ist, gewinnt in Deutschland die Debatte über die Steinmeier-Nachfolge an Fahrt.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Der Kanzler sieht sich im Ausland zu einer Klarstellung veranlasst.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die CSU hat sich auf Ilse Aigner festgelegt. SPD-Fraktionschef Miersch hat sich hinter diesen Vorschlag gestellt. (Archivbild)  - Bild: Peter Kneffel/dpa

Merz hält CDU-Vorschlagsrecht bei Steinmeier-Nachfolge fest

Bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich Kanzler Friedrich Merz noch nicht festgelegt. Aus seinem Umfeld hieß es am Rande seiner Asienreise, die CDU habe als stärkste Kraft in der Bundesversammlung den Anspruch, eine Kandidatin oder einen Kandidaten vorzuschlagen.

CSU wirbt für Ilse Aigner

Merz habe weder eine Entscheidung getroffen noch einen Vorschlag unterbreitet. Zugleich gebe es eine Reihe geeigneter Optionen.

Die CSU hat sich auf die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner festgelegt. CSU-Chef Markus Söder warb beim Parteitag in München für die Politikerin. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch stellte sich inzwischen hinter den Vorschlag.

CDU prüft mehrere Namen

Das Beharren auf dem CDU-Vorschlagsrecht bedeutet nicht zwingend, dass der Kandidat oder die Kandidatin aus der CDU kommen muss. Merz reagiert damit jedoch auf den Druck in seiner Partei, die sich von der CSU nicht treiben lassen will.

Als mögliche Kandidatinnen aus der CDU werden Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien und die frühere CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer genannt. Außerdem ist Ines Claus, die CDU-Fraktionschefin im hessischen Landtag und stellvertretende CDU-Vorsitzende, im Gespräch.

Abstimmung am 30. Januar

Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar den Nachfolger oder die Nachfolgerin Steinmeiers. Sie besteht aus den 630 Abgeordneten des Bundestags und ebenso vielen Wahlleuten der Länder. Union und SPD haben dort gemeinsam eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.

Die Entscheidung über die Kandidatur soll in den nächsten Wochen fallen. Als erster Zielpunkt gelten die Sitzungen des CDU-Präsidiums und des CDU-Bundesvorstands am 9. November. Bis dahin will Merz Gespräche mit den CDU-Landesvorsitzenden und der CSU führen.

SPD und Grüne sollen einbezogen werden

Nach den Beratungen der CDU-Gremien sollen Gespräche mit dem Koalitionspartner SPD folgen. Auch die Grünen sollen einbezogen werden, damit die Wahl breit im demokratischen Spektrum getragen werden kann.

Am Rande der China-Reise Steinmeiers äußerte sich Grünen-Politiker Omid Nouripour irritiert über die mögliche Kandidatur von Claus. Er sagte, das Land brauche eine Person, die es zusammenhalte und von allen getragen werde, und nannte Aigner als mögliche Kandidatin.

Der frühere Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sprach sich ebenfalls für Aigner aus. Außenminister Johann Wadephul mahnte unterdessen Zurückhaltung an. Es gebe keinen Anlass zu Hektik, öffentliche Wortmeldungen nützten weder dem Amt noch den möglichen Kandidaten.

Amt mit verfassungsrechtlichen Aufgaben

Der Bundespräsident repräsentiert Deutschland und übernimmt wichtige verfassungsrechtliche Aufgaben. In politischen Krisen kann das Staatsoberhaupt zudem eine moderierende Rolle einnehmen.

Die Debatte zeigt einen offenen Abstimmungsprozess innerhalb der Union. Die CSU hat sich mit Ilse Aigner früh auf eine Wunschkandidatin festgelegt, während die CDU auf ihrem Anspruch als stärkste Kraft in der Bundesversammlung besteht und mehrere eigene Namen prüft.

Für die Mehrheitsbildung ist die Position der SPD besonders relevant. Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen; zugleich soll die Suche nach dem dpa-Bericht auch Gespräche mit den Grünen einschließen. Damit geht es nicht nur um die innerparteiliche Konkurrenz zwischen CDU und CSU, sondern auch um die Frage, ob eine Kandidatur über die Koalition hinaus Zustimmung in der demokratischen Mitte findet.

Entscheidung im November erwartet

Der Termin am 9. November markiert den nächsten organisatorischen Schritt der CDU. Danach soll die Kandidatensuche in Gespräche mit der SPD und den Grünen münden. Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge Steinmeiers. Das Amt verbindet vor allem repräsentative Aufgaben mit verfassungsrechtlichen Befugnissen und einer möglichen moderierenden Rolle in politischen Krisen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Bundespräsident: Kanzler Merz äußert sich zu Steinmeier-Nachfolge“ (28.10.2026)

ZDFheute berichtet, Merz wolle einen geordneten Prozess und die CDU-Gremien am 9. November als ersten Zielpunkt nutzen. Der Beitrag betont stärker als die dpa-Meldung den Ärger in der CDU über den frühen Vorstoß der CSU und ordnet Ines Claus als juristisch qualifizierte mögliche Kandidatin ein.

tagesschau.de: „CDU-Politikerin Claus signalisiert Interesse an Steinmeier-Nachfolge“ (27.10.2026)

tagesschau.de berichtet, Claus habe ihre Nennung als mögliche Kandidatin als große Ehre bezeichnet. Der Beitrag bestätigt die Konkurrenz zwischen Aigner und einem CDU-eigenen Vorschlag, stellt aber zusätzlich die Frage nach einer juristischen Qualifikation und nennt weitere CDU-Kandidatinnen.

Beide Beiträge stimmen darin überein, dass Merz noch keine Entscheidung getroffen habe und die CDU den weiteren Prozess bestimmen wolle. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während ZDFheute den innerunionellen Konflikt hervorhebe, rücke tagesschau.de Claus’ mögliche Kandidatur und ihr persönliches Signal stärker in den Mittelpunkt.

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