Starlink-Anschlag, Festnahmen in Nürtingen

Starlink-Anschlag: Zwei Männer in Nürtingen festgenommen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 14:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem Brand einer Starlink-Bodenstation in Masowien hat die deutsche Polizei zwei türkische Staatsangehörige in Nürtingen festgenommen. Polen will ihnen Sabotage im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes vorwerfen.

  • Immer wieder sorgen Sabotageaktionen für Schlagzeilen. - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa
    Immer wieder sorgen Sabotageaktionen für Schlagzeilen. - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa
  • Erstmal ist das Amtsgericht für den Haftbefehl zuständig. - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa
    Erstmal ist das Amtsgericht für den Haftbefehl zuständig. - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa
  • Starlink ist für die Verteidigung der Ukraine von großer Bedeutung. - Bild: Albert Zawada/PAP/dpa
    Starlink ist für die Verteidigung der Ukraine von großer Bedeutung. - Bild: Albert Zawada/PAP/dpa
Immer wieder sorgen Sabotageaktionen für Schlagzeilen. - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa Erstmal ist das Amtsgericht für den Haftbefehl zuständig. - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa Starlink ist für die Verteidigung der Ukraine von großer Bedeutung. - Bild: Albert Zawada/PAP/dpa

Ermittlungen reichen bis Nürtingen

  • Die Festnahmen erfolgten in der Bahnhofstraße in Nürtingen durch Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos.
  • Am 23. September brannte eine Starlink-Anlage in Wola Krobowska rund 50 Kilometer südlich von Warschau.
  • Die beiden Männer sollen im Laufe des Tages einem Haftrichter am Amtsgericht Nürtingen vorgeführt werden.

Nach einem Brandanschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen sind in Baden-Württemberg zwei türkische Staatsangehörige festgenommen worden.

Polnisches Ersuchen löst Zugriff aus

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg bestätigte die Festnahmen in Nürtingen auf polnisches Ersuchen. Angaben zu den Hintergründen machte die Behörde zunächst nicht.

Polens Regierungschef Donald Tusk erklärte, die Männer stünden im Verdacht, die Starlink-Station in Masowien angezündet zu haben. Sie sollen sich vor der polnischen Justiz verantworten.

Weitere Zugriffe nicht bestätigt

Laut Berichten soll die Polizei in Berlin-Spandau einen weiteren Verdächtigen gefasst haben. Die „Schwäbische Zeitung“ berichtete zudem von der Festnahme einer Frau in Karlsruhe. Behörden bestätigten diese beiden Angaben nicht.

Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel wurden drei Wohnungen durchsucht, zwei davon im Land. Hagel forderte eine stärkere Sicherheitsarchitektur und einen leistungsfähigeren Verfassungsschutz.

Brand beschädigte Stromversorgung

Das Feuer in Wola Krobowska erfasste die Stromversorgungsstation und den Stromgenerator. Die polnische Regierung wertete den Vorfall als wahrscheinlichen Sabotageakt.

Nach der Darstellung der „Schwäbischen Zeitung“ sollen die beiden Männer Brandbeschleuniger auf einen Schaltschrank gegossen und das Gelände nach wenigen Minuten verlassen haben. Die Ermittler hätten ihre Reise zum Anschlagsziel und die Rückkehr nach Deutschland beobachtet.

Starlink ist für Ukraine wichtig

Das Satellitennetz von SpaceX ermöglicht Internetverbindungen auch dort, wo Mobilfunkmasten und Datenleitungen fehlen oder zerstört sind. Für die ukrainischen Streitkräfte ist es wichtig, um Informationen auszutauschen, Einsätze zu koordinieren und Operationen zu unterstützen.

Außenminister Johann Wadephul forderte eine engere europäische Zusammenarbeit gegen solche Angriffe. Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz verwies zudem auf mögliche Verbindungen zu Strukturen der organisierten Kriminalität.

Polen vermutet russische Auftraggeber

Der polnische Innenminister Marcin Kierwinski kündigte an, den Tatverdächtigen in Polen Sabotage und die Tätigkeit im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes zur Last zu legen. Der Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak sagte, russische Geheimdienste stünden hinter dem Anschlag.

Polizeichef Marek Boron erklärte, die Ermittler verfügten über Videoaufnahmen, Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Einer der Verdächtigen lebt demnach in Deutschland; gegen den anderen liegt eine Abschiebungsanordnung vor.

Strategische Infrastruktur im Fokus

Der Brandanschlag trifft eine Infrastruktur, die über den unmittelbaren Standort hinaus Bedeutung hat. Starlink stellt Internetverbindungen auch dort bereit, wo Leitungen oder Mobilfunknetze fehlen oder beschädigt sind. Für die Ukraine ist das System deshalb sowohl für die zivile Kommunikation als auch für militärische Abläufe relevant.

Der Vorgang fügt sich in die wachsende europäische Aufmerksamkeit für hybride Bedrohungen ein. Dazu zählen neben Cyberangriffen und Desinformation auch Sabotageakte gegen Verkehrswege, Energieanlagen und Kommunikationsnetze. Polen ist wegen seiner geografischen Lage ein besonders wichtiger Knotenpunkt für die Unterstützung der Ukraine und damit ein naheliegendes Ziel für Aktivitäten, die diese Unterstützung stören sollen.

Ermittlungen mit europäischer Tragweite

Die Festnahmen in Deutschland und das polnische Auslieferungsersuchen zeigen, dass solche Verfahren schnell grenzüberschreitend werden. Entscheidend für die weitere Bewertung sind nun die Beweismittel zum Brand, die mögliche Auftraggeber und die Frage, ob die Verdächtigen allein handelten oder Teil eines größeren Netzwerks waren.

Für Deutschland liegt die unmittelbare Bedeutung darin, dass Tatverdächtige aus einem Verfahren mit mutmaßlichem Auslandsbezug im Inland aufgegriffen wurden. Über Haftprüfung und ein mögliches Auslieferungsverfahren entscheiden die zuständigen deutschen Gerichte. Politisch verstärkt der Fall den Druck, Nachrichtendienste, Polizei und Verfassungsschutz in Europa enger zu verknüpfen und kritische Kommunikationsinfrastruktur besser zu schützen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Brand in Starlink-Station in Polen: Tusk gibt zwei Festnahmen in Deutschland bekannt“ (13.10.2026)

Der Bericht bestätige die Festnahmen zweier türkischer Staatsbürger in Nürtingen und ordne den Brand als von Polen vermuteten russischen Sabotageakt ein. Anders als die dpa-Meldung stelle er zusätzlich einen möglichen Zugriff auf eine dritte Person heraus, betone aber, dass dieser zunächst nicht offiziell bestätigt gewesen sei.

BR24: „Polen meldet Festnahmen in Deutschland nach Starlink-Brand“ (12.10.2026)

Der Beitrag bestätige die Festnahmen und den Verdacht gegen Russland. Einen eigenen Schwerpunkt setze er auf die Funktion der Station als Zugangspunkt für Datenverbindungen in die Ukraine sowie auf die politische Einordnung durch Warschau.

Medienübergreifend bestehe Einigkeit über die beiden Festnahmen, den Brand in Polen und den russischen Verdacht der polnischen Regierung. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt auf mögliche weitere Festnahmen und bei der Darstellung der strategischen Bedeutung der Station; offen blieben die gerichtliche Bewertung und die Zuordnung der mutmaßlichen Auftraggeber.

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