Sozialstaat, DGB-Aktionstag

Sozialstaat: Zehntausende demonstrieren bundesweit gegen Sozialabbau

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 16:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Zehntausende Menschen haben bundesweit gegen Sozialabbau und für sichere Arbeitsbedingungen, Gesundheitsversorgung und Renten demonstriert. In mehreren Großstädten kamen nach Polizeiangaben jeweils Tausende zusammen.

Wie hier in Stuttgart demonstrierten bundesweit Zehntausende für einen starken Sozialstaat.  - Bild: Enrique Kaczor/dpa
Wie hier in Stuttgart demonstrierten bundesweit Zehntausende für einen starken Sozialstaat. - Bild: Enrique Kaczor/dpa

Zehntausende Menschen sind bei Kundgebungen zum bundesweiten Aktionstag der Gewerkschaften für den Sozialstaat und die Demokratie in zahlreichen deutschen Großstädten auf die Straße gegangen.

Größte Kundgebungen in Nürnberg und Frankfurt

Allein in Nürnberg zählte die Polizei zwischen 20.000 und 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Für Frankfurt am Main wurden 15.000 und für Essen 12.000 Menschen genannt.

In Hannover beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 13.000 Menschen, in Berlin waren es 5.500. Die Organisatoren vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nannten teils höhere Zahlen. Auch in anderen Teilen Deutschlands gab es Demonstrationen unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“

Fahimi kündigt weiteren Einsatz an

Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi kündigte bei der Kundgebung in Essen einen weiteren Einsatz gegen Sozialabbau an. „Wir lassen uns nicht einfach nehmen, was wir in vielen Jahren an sozialen Standards aufgebaut haben“, sagte sie.

Fahimi kritisierte erneut Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tages. Auch die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren müsse bleiben.

Werneke spricht von „Klassenkampf von oben“

Verdi-Chef Frank Werneke warf der regierenden Koalition einen „Angriff auf die Rechte der abhängig Beschäftigten und den Sozialstaat“ vor. Es müsse Schluss sein mit dem „Klassenkampf von oben“, sagte er in Frankfurt.

Sozialstaat wird zum politischen Konfliktfeld

Der Aktionstag bündelt mehrere Debatten, die Beschäftigte unmittelbar betreffen: die Finanzierung von Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, die Ausgestaltung der Arbeitszeit sowie die Sicherheit von Arbeitsplätzen. Die Gewerkschaften stellen dabei den Schutz bestehender Ansprüche in den Mittelpunkt und verbinden soziale Sicherheit mit der Stabilität demokratischer Verhältnisse.

In den Wochen vor den Kundgebungen hatten Gewerkschaften und Sozialverbände vor Einsparungen bei Renten- und Krankenversicherung, Wohngeld und Elterngeld gewarnt. Unterstützende Organisationen fordern zugleich eine stärkere Finanzierung des Gemeinwesens durch hohe Einkommen, Vermögen und Erbschaften. Dem steht die Position von Arbeitgeberverbänden gegenüber, die niedrigere Sozialbeiträge und ausgabensenkende Strukturreformen verlangen.

Bedeutung für Beschäftigte und Städte

Die Größenordnung der Proteste zeigt, dass die Auseinandersetzung nicht auf einzelne Berufsgruppen begrenzt ist. Fragen nach Renteneintritt, Befristungen, Krankmeldungen und Pflegekosten reichen in viele Haushalte hinein. Für die Bundesregierung erhöht der Aktionstag damit den politischen Druck, Reformen sozial abzusichern und ihre finanziellen Folgen nachvollziehbar zu erklären.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geht es zugleich um politische Sichtbarkeit: Die Gewerkschaften wollen zeigen, dass soziale Leistungen aus ihrer Sicht erarbeitete Rechte und keine freiwilligen Almosen sind. Die Kundgebungen machen den Interessenkonflikt zwischen Beitragsentlastung, staatlicher Finanzierung und Leistungsniveau öffentlich sichtbar.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Hessen: Bundesweiter Aktionstag: Tausende auf DGB-Demo in Frankfurt erwartet“ (26.09.2026)

Der Bericht habe den bundesweiten Charakter mit geplanten Aktionen in 15 Großstädten und die Forderungen nach sicheren Arbeitsplätzen, guten Arbeitsbedingungen und verlässlicher Rente hervorgehoben. Anders als die dpa-Meldung stelle er zusätzlich die Gegenposition der hessischen Unternehmerverbände dar, die niedrigere Sozialbeiträge und Strukturreformen verlangten.

NDR: „Gegen Sozialabbau: Deutscher Gewerkschaftsbund ruft zu Demos auf“ (26.09.2026)

Der NDR-Bericht habe den Schwerpunkt auf die Kundgebungen im Norden und die Verbindung von Sozialstaat und Demokratie gelegt. Er bestätige das Motto und die zentralen Anliegen, ergänze jedoch regionale Abläufe sowie die Unterstützung durch weitere Organisationen; offen bleibe dabei, wie die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle politisch zusammengeführt würden.

Beide Berichte bestätigten die bundesweite Mobilisierung und die Kritik der Gewerkschaften an möglichen Einschnitten. Unterschiede lägen vor allem in der regionalen Perspektive und in der ausführlicher dargestellten Gegenposition von Arbeitgeberverbänden.

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