Hilfsorganisation, Gesellschaft

SOS-Kinderdorf e.V.: Selbstständigkeit darf nicht zum Armutsrisiko werden

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 08:30 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
München - Fast jede*r vierte junge Erwachsene in Deutschland ist armutsgefährdet [1]. Angesichts der Beratungen zum Bundeshaushalt 2027 fordert ein breites Bündnis aus Sozialverbänden und Wissenschaft, junge Menschen besser vor Armut zu schützen und ihre Zukunftschancen auch bei knappen öffentlichen Haushalten zu sichern. SOS-Kinderdorf e.V. unterstützt den Appell des Ratschlags Kinderarmut ausdrücklich; insbesondere die Forderung nach verlässlicher Unterstützung beim Übergang in ein eigenständiges Leben.
SOS-Kinderdorf e.V.: Selbstständigkeit darf nicht zum Armutsrisiko werden - Bild: presseportal.de

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2025 rund 16 Prozent der Minderjährigen und fast ein Viertel der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren armutsgefährdet [1]. Armut erschwert den Zugang zu Ausbildung, bezahlbarem Wohnraum und gesellschaftlicher Teilhabe und wirkt sich oft langfristig auf Bildungs- und Zukunftschancen aus.

Mit dem Appell "Nicht an der Zukunft sparen - Jugendarmut bekämpfen, Teilhabe sichern" fordern mehr als 60 Organisationen und zehn Wissenschaftler*innen Bund, Länder und Kommunen auf, die Bekämpfung von Jugendarmut bei den Beratungen zum Bundeshaushalt 2027 zur politischen Priorität zu machen. Gefordert werden unter anderem eine realitätsgerechte Existenzsicherung, eine verlässlich finanzierte soziale Infrastruktur und bessere Unterstützung beim Übergang ins Erwachsenenleben. SOS-Kinderdorf e.V. unterstützt den Appell und macht insbesondere auf die Situation junger Menschen aufmerksam, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe aufgewachsen sind.

"Der Start in ein selbstständiges Leben darf nicht davon abhängen, ob die eigenen Eltern finanziell einspringen können oder wollen. Gerade junge Menschen ohne familiären Rückhalt brauchen verlässliche Unterstützung. Notwendige Hilfen dürfen nicht an knappen kommunalen Haushalten scheitern. Wer junge Menschen beim Schritt in die Eigenständigkeit begleitet, beugt Armut wirksam vor", sagt Jörg Faulstich, Vorstandsvorsitzender von SOS-Kinderdorf e.V.

Mit 18 Jahren auf sich allein gestellt

Besonders dringenden Handlungsbedarf sieht SOS-Kinderdorf e.V. bei sogenannten Careleaver*innen. Sie verlassen die stationäre Jugendhilfe häufig bereits mit etwa 18 Jahren und müssen deutlich früher als andere junge Erwachsene für ihren Lebensunterhalt und Wohnraum sorgen. Zum Vergleich: Junge Menschen in Deutschland ziehen im Durchschnitt erst mit 24 Jahren aus dem Elternhaus aus.

Während viele Gleichaltrige bei finanziellen Engpässen auf Unterstützung ihrer Familie zurückgreifen können, fehlt Careleaver*innen dieses Sicherheitsnetz oft. Gleichzeitig setzen staatliche Leistungen teilweise voraus, dass Eltern Einkommensauskünfte erteilen oder finanziell für ihre erwachsenen Kinder aufkommen. Für viele Betroffene erschwert das den Zugang zu dringend benötigter Unterstützung erheblich.

"Selbstständigkeit darf nicht zum Armutsrisiko werden", betont Faulstich. "Junge Menschen brauchen faire Chancen auf ein eigenständiges Leben - unabhängig von ihrer familiären Situation und den finanziellen Spielräumen ihrer Kommune."

SOS-Kinderdorf e.V. fordert deshalb, Hilfen für junge Erwachsene verlässlich auszugestalten und insbesondere Careleaver*innen beim Übergang ins Erwachsenenleben besser abzusichern. Dazu gehören ein niedrigschwelliger Zugang zu Sozialleistungen, bezahlbarer Wohnraum sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote, die bei Bedarf auch über das Ende der Jugendhilfe hinaus zur Verfügung stehen.

Quellen:

[1] Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2026), Gefährdung durch Armut oder soziale Ausgrenzung, AR.3 Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, Bundesländer. Datenquelle: MZ-SILC.

Über SOS-Kinderdorf e.V.

SOS-Kinderdorf e.V. begleitet Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenslagen. Jährlich erreicht er deutschlandweit mehr als 140.000 Menschen. Als Kinder- und Jugendhilfeträger sowie Hilfsorganisation bietet er über 800 offene, ambulante und stationäre Angebote für junge Menschen und Familien - von Familien- und Mütterzentren, Beratung und Frühförderung bis zu Wohngruppen, Kinderdorffamilien und Hausgemeinschaften für Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus engagiert sich der SOS-Kinderdorf e.V. in 17 Fokusländern an 32 Standorten. Für den Verein sind bundesweit rund 5.200 Mitarbeitende tätig.

Weitere Informationen: www.sos-kinderdorf.de

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Mobil: +49 160 90 78 66 04
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