Sören Pellmann tritt der Roten Hilfe bei
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 19:02 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Sören Pellmann, ist der Roten Hilfe beigetreten. Das teilte er am Donnerstag auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit und begründete den Schritt mit der Unterstützung von Menschen, die sich ein Gerichtsverfahren sonst nicht leisten könnten.
Pellmann weist Kritik des Verfassungsschutzes zurück
Pellmann hatte am Mittwochabend auf der Plattform X einen Link zum Beitrittsformular der Organisation geteilt. Auf die Bewertung der Roten Hilfe als erwiesen linksextremistische Bestrebung antwortete er, der Verfassungsschutz solle sich lieber um den Schutz der Demokratie kümmern, statt sich in politische Wertungen zu begeben.
Der Verein unterstützt nach den Angaben in der Meldung nicht nur Angeklagte bei Anwaltskosten, sondern übernimmt auch für letztinstanzlich verurteilte Straftäter Straf- und Bußgelder. Der Verfassungsschutz sieht darin eine Schwächung der Sanktionswirkung und bezeichnet die Unterstützung linksextremistischer Straftäter als primäres Betätigungsfeld der Roten Hilfe.
Debatte über Gewalt und politische Nähe
Im aktuellen Verfassungsschutzbericht wird der Organisation außerdem vorgeworfen, Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung nicht nur zu befürworten, sondern auch zu unterstützen. Die Rote Hilfe machte sich in den vergangenen Jahren zudem wiederholt für RAF-Terroristen stark.
Der Beitritt Pellmanns folgt auf die am Dienstag bekannt gewordene frühere Mitgliedschaft der Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp. Sie war bis zum vergangenen Jahr Mitglied der Roten Hilfe.
Der Beitritt Sören Pellmanns berührt zwei unterschiedliche Ebenen: die individuelle Unterstützung von Menschen in Strafverfahren und die politische Bewertung der Organisation, der er nun angehört. Die Rote Hilfe versteht sich als Solidaritätsorganisation für politisch Verfolgte und übernimmt nach eigenen Angaben beziehungsweise nach der Darstellung in Verfassungsschutzberichten unter bestimmten Voraussetzungen Anwalts- und Verfahrenskosten.
Der Verfassungsschutz bewertet den Verein zugleich als linksextremistische Bestrebung. Im Mittelpunkt der Kritik stehen nicht allein die Prozesskostenhilfe, sondern die Auswahl der Fälle, die politische Unterstützung von Beschuldigten und Verurteilten sowie die Haltung der Organisation zu staatlichen Sicherheits- und Justizbehörden. Die Behörde leitet daraus ab, dass die Rote Hilfe linksextremistische Straftäter unterstützt und Gewalt als politisches Mittel zumindest teilweise legitimiert.
Politische Bedeutung des Beitritts
Für Pellmann ist die Mitgliedschaft mit dem Grundsatz begründet, auch Menschen mit wenig Geld einen Zugang zur Verteidigung zu ermöglichen. Seine Zurückweisung der Verfassungsschutzbewertung macht daraus zugleich eine politische Auseinandersetzung über die Grenzen zivilgesellschaftlicher Rechtshilfe und die Bewertung von Organisationen durch den Inlandsnachrichtendienst.
Der Vorgang fällt in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit für Verbindungen von Linken-Politikern zur Roten Hilfe. Die frühere Mitgliedschaft der Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp hatte bereits eine Debatte über Transparenz, politische Nähe und die Abgrenzung von linksextremistischen Strukturen ausgelöst. Für die Linke kann die Angelegenheit deshalb sowohl die Frage innerparteilicher Solidarität als auch die öffentliche Bewertung ihrer Abgrenzung zu politischer Gewalt verschärfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „„Rote Hilfe“: Hass auf Staat, Gewalt – und Spur in Bundestag“ (30.09.2026)
Der Beitrag ordnet die Rote Hilfe anhand ihrer Mitgliederzahl, Finanzierung und der Vorwürfe des Verfassungsschutzes ein. Er bestätigt den Zusammenhang mit prominenten Mitgliedern, setzt den Schwerpunkt aber stärker auf die organisatorische Größe und die finanzielle Unterstützung als die dts-Meldung.
taz: „Elif Eralp und die Rote Hilfe: Schwarze Vorwürfe gegen rote Elif“ (30.09.2026)
Die taz stellt die Debatte um Elif Eralp in den Mittelpunkt und beschreibt die Rote Hilfe zugleich als bedeutende Organisation der linken Szene. Anders als der FOCUS-Beitrag betont sie neben den Vorwürfen des Verfassungsschutzes auch, dass nicht jedes Mitglied automatisch verfassungsfeindliche Ziele verfolgt.
Gemeinsam ist den Beiträgen die Einordnung der Roten Hilfe als vom Verfassungsschutz beobachtete linksextremistische Organisation. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung von Vereinsgröße, staatlicher Bewertung und individueller Mitgliedschaft; offen bleibt, welche politischen Konsequenzen Pellmanns Beitritt innerhalb und außerhalb der Linken auslöst.
