Söder dringt auf Frau als Steinmeier-Nachfolgerin und nennt Aigner
Veröffentlicht am: 05.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMarkus Söder hält daran fest, dass nach Frank-Walter Steinmeier eine Frau Bundespräsidentin werden soll und erhöht mit dieser Forderung den Druck auf Friedrich Merz und die SPD. Zugleich bringt der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef erneut die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als mögliche Kandidatin ins Spiel.
Söder kritisiert Kurswechsel in Union und SPD
Söder erinnerte daran, dass innerhalb der Union, zunächst in der CDU, und auch in der SPD mehr als ein Jahr lang intensiv über eine Frau als Nachfolgerin Steinmeiers diskutiert worden sei. Diese Debatte sei nicht von der CSU ausgegangen. Umso problematischer sei es aus seiner Sicht, kurz vor Abschluss der Beratungen die Eignung einer Frau für das Bundespräsidentenamt wieder infrage zu stellen und damit eine zuvor getroffene Grundsatzentscheidung zu relativieren.
Signalwirkung und Vertrauensfrage
Der CSU-Chef warnte vor den Folgen eines solchen Kurswechsels. Es gehe auch um die Frage, welches Signal die Parteien an die Bevölkerung senden wollten. Die zentrale Herausforderung sei aus seiner Sicht, dem Vorwurf radikaler Kräfte zu begegnen, wonach Berlin und das politische Establishment abgehoben seien und keinen Bezug mehr zu den Menschen hätten. Eine klare Linie bei der Nominierung einer Frau solle dem entgegenwirken.
Ilse Aigner als Wunschkandidatin
Als mögliche Kandidatin nannte Söder erneut die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Er betonte, Aigner könne mit ihrer Bürger- und Volksnähe dazu beitragen, das bestehende Spannungsfeld zwischen Politik und Bevölkerung zu verringern. Besonders erfreulich sei für ihn, dass aus SPD und CDU zahlreiche positive Reaktionen auf ihren Namen gekommen seien. Zugleich stellte Söder klar, dass die endgültige Entscheidung über die Kandidatur gemeinsam getroffen werde.
Zeitrahmen nach Ostwahlen
Mit Blick auf den weiteren Ablauf verwies Söder darauf, dass nach den Wahlen im Osten zeitnah entschieden werden solle. Es bleibe nicht unbegrenzt Zeit, denn Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten ließen sich nicht „nebenbei aus dem Ärmel schütteln“. Für die Auswahl seien ernsthafte und vertrauensvolle Gespräche notwendig, um eine tragfähige Lösung zu finden.
Merz stellt Persönlichkeit in den Vordergrund
Friedrich Merz hatte im ARD-Sommerinterview offen gelassen, ob zwingend eine Frau auf Steinmeier folgen müsse. Er erklärte, die Frage nach dem Geschlecht sei weniger wichtig als die Persönlichkeit des nächsten Staatsoberhauptes, und verwies dabei auf die hohen Anforderungen an das Amt. Damit setzt der CDU-Chef einen anderen Schwerpunkt als Söder, der die zuvor geführte Debatte über eine weibliche Nachfolge ausdrücklich als bindend ansieht.
Die Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewinnt mit der jüngsten Positionierung von Markus Söder deutlich an Schärfe. Der CSU-Chef knüpft explizit an eine länger geführte inner-unionische und teils auch sozialdemokratische Diskussion an, wonach eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen solle. Damit stellt er nicht nur eine Personalfrage, sondern auch eine symbolpolitische: Es geht um Repräsentation, Vertrauen und die Wahrnehmung der politischen Eliten.
Innerparteiliche Linien und strategische Motive
Die Aussagen Söders markieren eine klare Abgrenzung zur jüngsten Tonlage von CDU-Chef Friedrich Merz, der die Bedeutung des Geschlechts relativiert und die Persönlichkeit ins Zentrum stellt. Diese Differenz verweist auf unterschiedliche strategische Überlegungen innerhalb der Union: Während Merz Spielraum für verschiedene Kandidaturen behalten möchte, bindet Söder die Union stärker an eine zuvor diskutierte Grundsatzentscheidung. Zugleich stärkt er mit der erneuten Nennung von Ilse Aigner die Rolle der CSU als eigenständiger Machtfaktor im Ringen um das Bundespräsidentenamt.
Vertrauensfrage und Verhältnis zur Bevölkerung
Bemerkenswert ist, dass Söder das Thema Geschlechterfrage mit einer breiteren Vertrauens- und Systemkritik verknüpft. Er verweist auf den Vorwurf „radikaler Kräfte“, Politik und „Establishment“ seien abgehoben und fern der Lebenswirklichkeit. Eine Kandidatin wie Ilse Aigner soll aus seiner Sicht durch Bürgernähe und Volksverbundenheit dieses Spannungsfeld entschärfen. Das deutet darauf hin, dass die Bundespräsidentenwahl nicht nur als formaler Akt verstanden wird, sondern als Gelegenheit, gesellschaftliche Brüche zu adressieren und neue Bindungskraft zur Mitte der Gesellschaft zu schaffen.
Ausblick auf den Zeitplan
Söder verweist auf einen engen Zeitrahmen nach den Wahlen in Ostdeutschland und unterstreicht den Bedarf an „ernsthaften und vertrauensvollen Gesprächen“. Dass er diese Gespräche als gemeinschaftliche Entscheidung von CDU, CSU und SPD beschreibt, zeigt, wie stark das Amt des Bundespräsidenten weiterhin von breitem Konsens getragen werden soll. Gleichzeitig erhöht er mit seinem öffentlichen Festhalten an einer weiblichen Kandidatur den Druck auf die Partner, sich frühzeitig festzulegen – und macht deutlich, dass Personalfragen eng mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit der demokratischen Parteien verknüpft sind.
