Sexuelle Gewalt: 17.126 Fälle gegen Kinder im Jahr 2025
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bericht zu Schutzlücken und digitalen Risiken
- Kerstin Claus stellte ihren Bericht in Berlin zum Ausmaß sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vor.
- Die Polizei registrierte 2025 insgesamt 17.126 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs.
- Claus fordert ein Schulfach zur digitalen Welt sowie Schutzkonzepte für Schulen, Kitas und Freizeitangebote.
Die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, hat in Berlin einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt gefordert.
Risiko laut Claus so hoch wie nie
Claus sagte, noch nie sei das Risiko für Kinder und Jugendliche, sexualisierte Gewalt zu erleben, so hoch gewesen wie heute. Besonders im digitalen Raum nähmen die Gefahren stark zu.
Nach Angaben des Berichts bleibt die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen ungebrochen hoch. Die Polizei zählte 2025 insgesamt 17.126 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs – rund 1.600 mehr als fünf Jahre zuvor und 772 mehr als im Vorjahr.
Internet wird zum zentralen Tatort
Der Bericht beschreibt Kommunikations- und Interaktionsorte im Netz als zentrale Tatorte sexualisierter Gewalt. Die digitale Welt eröffne Tätern neue Möglichkeiten, mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu kommen.
Als Beispiel nennt der Bericht den Missbrauch Künstlicher Intelligenz: Unverfängliche Profilfotos könnten in Nacktbilder umgewandelt werden. Das könne sexuelle Erpressung, sogenannte Sextorsion, erleichtern.
Forderungen an Schulen und Plattformen
Claus schlägt ein Schulfach „Digitale Welt/Digitalität“ vor. Kinder und Jugendliche sollen darin digitale Kompetenzen erwerben und den Umgang mit Risiken im Netz lernen.
Außerdem müssten Missbrauchsdarstellungen im Internet aktiv gesucht und proaktiv gelöscht werden, forderte Claus. Solange solche Inhalte kursierten, ende der Missbrauch nicht.
Schutzkonzepte für Kinder sollten nach ihrer Forderung in allen Schulen, Kitas und Freizeitangeboten gelten. Sie müssten auch Formen digitalisierter Gewalt erfassen.
Digitale Räume verschärfen den Schutzbedarf
Die von Kerstin Claus beschriebenen Risiken betreffen einen Bereich, in dem Kinder und Jugendliche zunehmend selbstständig kommunizieren, Bilder veröffentlichen und digitale Dienste nutzen. Täter können dort leichter Kontakt aufnehmen, Vertrauen aufbauen und Inhalte weiterverbreiten. Die Verbindung mit generativer Künstlicher Intelligenz erweitert das Problem, weil manipulierte Bilder ohne Zustimmung der Betroffenen erstellt werden können.
Schutz muss im Alltag ansetzen
Die im Bericht genannte Zahl von 17.126 registrierten Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs im Jahr 2025 bildet nur das polizeilich bekannt gewordene Geschehen ab. Für die Prävention bedeutet das: Schulen, Kitas, Vereine und Familien brauchen klare Regeln, geschulte Ansprechpersonen und Verfahren, die auch digitale Gewalt einbeziehen.
Politischer Handlungsdruck
Ein Schulfach zur digitalen Welt könnte Medienkompetenz systematischer vermitteln. Entscheidend wäre zugleich, dass Plattformen und Behörden Missbrauchsdarstellungen schneller erkennen, melden und löschen. Für Betroffene bleibt außerdem wichtig, dass Hilfsangebote erreichbar sind und digitale Übergriffe nicht als bloße Online-Konflikte behandelt werden.
