CDU Sachsen-Anhalt, Sepp Müller

Sepp Müller verteidigt Schulze-Kritik vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 08:50 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Unionsfraktionsvize Sepp Müller hält seine scharfe Kritik am Kurs von CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für richtig und kündigt zugleich einen Neuanfang als möglicher Landeschef an. Der Bundeskanzler hatte ihm zuvor vorgeworfen, Schulze in den Rücken gefallen zu sein.

Sepp Müller verteidigt Äußerungen vor Landtagswahl
Sepp Müller auf CDU-Wahlparty am 06.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) verteidigt seine öffentlichen Äußerungen unmittelbar vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und stellt sich damit weiterhin gegen den Kurs von Spitzenkandidat Sven Schulze. Trotz der ungewöhnlich deutlichen Kritik des Bundeskanzlers hält Müller es für richtig, sich vor der Wahl klar zu positionieren.

Müller pocht auf CDU-Grundsätze

Gegenüber den Sendern RTL und ntv betonte Müller, es sei notwendig, die Prinzipien und Grundsätze der CDU offen auszusprechen. Der Wähler müsse wissen, wofür die Partei stehe und wie sie nach der Wahl handeln werde. Für ihn sei zentral: „Nicht mit den Rechten und nicht mit den Linken."

Von der öffentlichen Schelte des Kanzlers zeigt sich Müller unbeeindruckt. Er nehme Kritik an und sei dafür offen, doch für die CDU sei Glaubwürdigkeit entscheidend. Das, was er seit Monaten und Jahren vertrete, bezeichnete Müller als Grundgedanken der Christdemokratie.

Streit um Umgang mit AfD und Linkspartei

Unmittelbar vor der Landtagswahl hatte Müller erklärt, die AfD habe bei einem starken Ergebnis den Regierungsauftrag. Zugleich warnte er davor, dass sich die CDU mit Hilfe der Linkspartei an der Macht halten solle. Der Bundeskanzler warf ihm daraufhin vor, Spitzenkandidat Sven Schulze in den Rücken gefallen zu sein.

Die Aussagen Müllers fallen in eine Phase intensiver Diskussionen über Koalitionsoptionen in Sachsen-Anhalt, in der der Umgang mit der AfD und die Rolle der Linkspartei besonders umstritten sind. Müllers klare Abgrenzung von beiden politischen Rändern markiert einen Kurs, der innerhalb der CDU nicht unumstritten ist.

Kandidatur für Landesvorsitz und Versprechen eines Neuanfangs

Am Montagabend kündigte Müller seine Kandidatur für den CDU-Landesvorsitz in Sachsen-Anhalt an. Im Gespräch mit RTL und ntv versprach er für den Fall seiner Wahl einen Neuanfang in der Partei. „Wir müssen unsere Landespartei wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Es muss alles neu. Wir brauchen Glaubwürdigkeit zurück", sagte Müller.

Mit seiner Kandidatur verknüpft Müller den Anspruch, die strategische Ausrichtung der Landes-CDU neu zu definieren und sie stärker an seinen Verständnis von Christdemokratie auszurichten. Die Debatte um seine Äußerungen vor der Wahl dürfte damit auch zur Entscheidung über die künftige Parteiführung gehören.

Keine Spekulation über neuen Ministerpräsidenten

Eine Debatte über einen überparteilichen Ministerpräsidenten lehnt Müller ausdrücklich ab. Er beteilige sich nicht an solchen Diskussionen, sagte der CDU-Politiker. Angesichts der „historisch schlechtesten Wahl" für die CDU Sachsen-Anhalt verbiete es sich aus seiner Sicht, über mögliche Regierungskonstellationen nachzudenken.

Bis zur Wahl eines Nachfolgers bleibt Ministerpräsident Sven Schulze geschäftsführend im Amt. Die CDU nehme das Wahlergebnis nach Müllers Worten „mit Demut" entgegen und stellt zunächst die interne Klärung von Kurs und Führung über taktische Überlegungen zur Regierungsbildung.

Die Auseinandersetzung um Sepp Müllers Äußerungen fällt in eine Phase erheblicher Verunsicherung innerhalb der CDU in Sachsen-Anhalt. Nach der jüngsten Landtagswahl spricht Müller selbst von der „historisch schlechtesten Wahl" für seinen Landesverband und macht deutlich, dass er einen klaren Kurs gegenüber AfD und Linkspartei für unverzichtbar hält. Seine Formel „nicht mit den Rechten und nicht mit den Linken" knüpft dabei an eine lange Tradition der Union an, Koalitionen mit Parteien an den politischen Rändern auszuschließen.

Innerparteilicher Konflikt und Führungsfrage

Brisant ist, dass Müller diesen Kurs ausdrücklich gegen den Spitzenkandidaten Sven Schulze stellt. Damit wird der Konflikt um die strategische Ausrichtung der Landes-CDU offen ausgetragen. Zugleich bewirbt sich Müller um den Landesvorsitz und verspricht einen „Neuanfang" sowie mehr Glaubwürdigkeit. Die Kritik des Bundeskanzlers an Müllers Vorgehen macht deutlich, dass die Debatte über den Umgang mit der AfD und möglichen Mehrheiten in den ostdeutschen Ländern längst bundespolitische Relevanz hat.

Bedeutung für Koalitionsoptionen und Wählerbindung

Müllers klare Absage an einen überparteilichen Ministerpräsidenten und seine Zurückhaltung gegenüber Spekulationen über neue Regierungskonstellationen zeigen, wie schwierig die Lage nach dem schwachen CDU-Ergebnis ist. Die Partei muss zwischen dem Anspruch, sich sowohl von AfD als auch Linkspartei abzugrenzen, und der Notwendigkeit stabiler Mehrheiten im Landtag vermitteln. Für Wählerinnen und Wähler steht die Frage im Raum, ob die CDU in Sachsen-Anhalt mit einem neuen Vorsitzenden und einem schärferen Profil ihren Kurs klären und Vertrauen zurückgewinnen kann, ohne dabei die Spielräume für Regierungsbildungen weiter zu verengen.

Disclaimer...

de | politik | 70067348 |