Wolodymyr Selenskyj, Friedrich Merz

Selenskyj trifft Merz in Berlin vor Gesprächen in Abu Dhabi

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 12:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Berlin mit Bundeskanzler Friedrich Merz über Luftabwehr, Energieversorgung und weitere Unterstützung gesprochen. In der kommenden Woche sollen Russland, die Ukraine und die USA in Abu Dhabi über Sicherheitsfragen und Schritte zu einem möglichen Frieden beraten.

Selenskyjs Unterstützungsbedarf für die Ukraine

  • Friedrich Merz empfing Wolodymyr Selenskyj am Mittag im Berliner Kanzleramt.
  • Die Ukraine benötigt nach Selenskyjs Angaben für das kommende Jahr zusätzlich 70 Milliarden Euro aus Europa.
  • Bis Jahresende sind unter anderem ein Gipfel der Koalition der Willigen und der G20-Gipfel in Florida geplant.
  • Selenskyj landete am Vormittag in Berlin. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Der Besuch des ukrainischen Präsidenten war nicht angekündigt worden. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Selenskyj landete am Vormittag in Berlin. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Der Besuch des ukrainischen Präsidenten war nicht angekündigt worden.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Selenskyj trifft Merz vor neuen Ukraine-Gesprächen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstagmittag im Berliner Kanzleramt getroffen. Vor einer neuen Gesprächsrunde zwischen Russland, der Ukraine und den USA ging es nach Angaben Selenskyjs auch um Luftabwehr und Hilfe für die angeschlagene Energieversorgung.

Gesprächsrunde in Abu Dhabi angekündigt

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff kündigte kurz vor Selenskyjs Ankunft für Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche eine neue Runde in Abu Dhabi an. Vertreter der drei Staaten sollen auf Ebene der Berater der Staats- und Regierungschefs über Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und weitere Schritte zum Frieden beraten.

Europa fordert Beteiligung

Nach Angaben Witkoffs sollen US-Gesandte noch in dieser Woche in Brüssel mit Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, der Nato und der EU sprechen. Im Mittelpunkt stehen Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg und der Wiederaufbau.

Die europäischen Staaten bestehen auf einer Beteiligung an den Verhandlungen mit Russland. Deutschland rechnet mit einer europäischen Präsenz in Abu Dhabi, auch wenn Vertreter Europas nach jetzigem Stand vermutlich nicht direkt am Verhandlungstisch sitzen werden.

Mehrere Gipfel bis Dezember

Nach der Gesprächsrunde sind weitere internationale Treffen geplant. Beim Apec-Gipfel am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen könnte es zu einem Treffen der Präsidenten der USA, Chinas und Russlands kommen.

Etwa zur selben Zeit soll in Berlin ein Gipfel der Koalition der Willigen stattfinden. Das Bündnis umfasst rund 35 Staaten, die die Ukraine unterstützen. Vom 13. bis 15. Dezember ist außerdem der G20-Gipfel in Florida geplant.

Ukraine fordert Luftabwehr und Milliardenhilfe

Bei dem Berliner Treffen dürfte es auch um militärische und finanzielle Unterstützung gehen. Die Ukraine benötigt vor allem Luftabwehrraketen zur Abwehr russischer ballistischer Raketen; besonders wichtig sind Patriot-Systeme.

Deutschland hat nach der dpa-Meldung bereits alle Patriot-Systeme abgegeben, auf die es ohne Gefährdung der eigenen Luftabwehr verzichten kann. Für das kommende Jahr fordert Selenskyj zusätzlich 70 Milliarden Euro von den europäischen Staaten. Über die Finanzierung soll bei den noch ausstehenden EU-Gipfeln beraten werden.

Der Berliner Termin fällt in eine Phase, in der Washington ein neues Gesprächsformat zwischen Russland und der Ukraine vorbereitet. Die angekündigte Runde in Abu Dhabi soll auf Berater-Ebene stattfinden und sich neben Sicherheitsfragen auch mit Deeskalation, humanitärer Unterstützung und weiteren Schritten zu einem möglichen Frieden befassen.

Für die Ukraine bleibt die militärische Unterstützung dabei eng mit der diplomatischen Ebene verbunden. Die Luftabwehr soll kritische Infrastruktur und Städte schützen, während die Energieversorgung vor dem Winter besonders verletzlich ist. Der Bedarf an Patriot-Abfangraketen trifft allerdings auf begrenzte Bestände, weil diese Systeme auch für die Verteidigung anderer Staaten benötigt werden.

Europas Rolle bleibt offen

Die europäischen Staaten drängen darauf, bei Sicherheitsgarantien, der künftigen europäischen Sicherheitsordnung und dem Wiederaufbau beteiligt zu werden. Eine europäische Präsenz bei den Gesprächen ist vorgesehen, eine gleichberechtigte Teilnahme am Verhandlungstisch in Abu Dhabi steht jedoch nicht fest.

Parallel verdichten sich die diplomatischen Termine bis zum Jahresende. Geplante Treffen der Unterstützerstaaten, mögliche Gespräche führender Staatschefs am Rande des Apec-Gipfels und der G20-Gipfel könnten den politischen Rahmen für weitere Verhandlungen bilden.

Finanzielle Belastung für Europa

Neben Waffen und Energiehilfen geht es um die Finanzierung des ukrainischen Staates. Selenskyj beziffert den zusätzlichen europäischen Bedarf für das kommende Jahr auf 70 Milliarden Euro. Für Bürgerinnen und Bürger in Europa bedeutet das, dass die Unterstützung der Ukraine weiterhin sicherheits-, energie- und haushaltspolitische Entscheidungen miteinander verbindet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

stern: „Ringen um Kriegsende: USA: Nächste Woche Verhandlungen mit Ukraine und Russland“ (03.11.2026)

Der Artikel bestätigt die geplanten zweitägigen Gespräche in Abu Dhabi und hebt zusätzlich hervor, dass die Kämpfe und Angriffe während der diplomatischen Bemühungen weitergingen. Sein Schwerpunkt liegt stärker auf der militärischen Lage und auf den bisherigen Gesprächsformaten, während die dpa-Meldung die anstehenden europäischen Gipfel und den Unterstützungsbedarf der Ukraine betont.

Euronews: „Selenskyj überraschend zu Gesprächen in Berlin erwartet“ (03.11.2026)

Der Beitrag stellt die Themen Militärhilfe, Energieversorgung und zusätzliche Finanzmittel in den Mittelpunkt und bestätigt damit die Schwerpunkte des Berliner Treffens. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich vor allem auf die unmittelbaren Hilfsforderungen und weniger auf die geplante internationale Verhandlungsfolge.

Beide Beiträge stimmen bei Termin, Gesprächsformat und den zentralen Unterstützungsfragen überein. Offen bleibt, wie stark Europa in Abu Dhabi eingebunden wird und ob die Gespräche konkrete Fortschritte für Sicherheitsgarantien oder ein Kriegsende bringen.

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