Selenskyj besucht Merz in Berlin vor Abu-Dhabi-Gesprächen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 09:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUnterstützung und Gipfeltermine der Ukraine
- Friedrich Merz erwartet Wolodymyr Selenskyj am 3. November in Berlin zu einem Gespräch.
- Für 2027 nennt Selenskyj einen zusätzlichen europäischen Finanzbedarf von 70 Milliarden Euro.
- Ein Gipfel der Koalition der Willigen mit rund 35 Staaten ist in Berlin geplant.
Selenskyj reist zu Merz nach Berlin
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besucht am 3. November Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin. Kurz vor seiner Ankunft kündigte US-Sondergesandter Steve Witkoff für die kommende Woche neue Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi an.
Gespräch aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt
Merz sagte bei einer Rede in der Industrie- und Handelskammer Berlin, Selenskyj werde über Mittag erneut bei ihm sein. Der Besuch war aus Sicherheitsgründen zuvor nicht öffentlich angekündigt worden.
Die geplante Gesprächsrunde in Abu Dhabi soll am Dienstag und Mittwoch stattfinden und auf Ebene der Berater der Staats- und Regierungschefs geführt werden. Nach den Angaben Witkoffs geht es um Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und weitere Schritte auf dem Weg zum Frieden.
Europäische Staaten sollen beteiligt werden
Witkoff zufolge sollen US-Gesandte noch in dieser Woche in Brüssel mit Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, der Nato und der EU beraten. Themen sind Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg und der Wiederaufbau.
Die europäischen Staaten drängen darauf, an den Verhandlungen beteiligt zu werden. Nach deutscher Einschätzung ist eine europäische Präsenz in Abu Dhabi zu erwarten, auch wenn Vertreter Europas nach aktuellem Stand vermutlich nicht direkt am Verhandlungstisch sitzen.
Drei Gipfel bis Jahresende geplant
Auf die Gespräche in Abu Dhabi sollen mehrere internationale Treffen folgen. Am Rande des Apec-Gipfels am 18. und 19. November in Shenzhen könnte ein Dreiergespräch der Präsidenten der USA, Chinas und Russlands stattfinden.
Etwa zur selben Zeit ist in Berlin ein Gipfel der Koalition der Willigen geplant, der rund 35 Staaten umfasst. Vom 13. bis 15. Dezember folgt der G20-Gipfel in Florida; offen ist, ob Russlands Präsident Wladimir Putin teilnimmt und ob Gastgeber Donald Trump auch Selenskyj einlädt.
Ukraine fordert Luftabwehr und Milliardenhilfe
Bei dem Treffen zwischen Merz und Selenskyj dürfte auch die weitere militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine eine Rolle spielen. Besonders benötigt die Ukraine Luftabwehr-Raketen gegen russische ballistische Raketen, darunter US-Patriot-Systeme.
Die Bundeswehr hat nach Angaben der dpa bereits alle Patriot-Systeme abgegeben, auf die sie verzichten kann, ohne die eigene Luftabwehr zu gefährden. Für das kommende Jahr benötigt die Ukraine nach Angaben Selenskyjs zusätzlich 70 Milliarden Euro von den europäischen Staaten.
Der Besuch fällt in eine Phase, in der die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs wieder in ein trilaterales Format geführt werden sollen. Bei den geplanten Gesprächen in Abu Dhabi sollen Vertreter der USA, Russlands und der Ukraine erstmals seit Februar wieder gemeinsam beraten.
Auf der Tagesordnung stehen nach den bisher bekannten Angaben Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Maßnahmen und weitere Schritte zu einem möglichen Friedensprozess. Parallel sollen US-Vertreter in Brüssel mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Nato und der EU über Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung und den Wiederaufbau sprechen.
Europas Rolle bleibt zentral
Für Berlin und andere europäische Hauptstädte ist entscheidend, dass Sicherheitszusagen für die Ukraine nicht ohne europäische Beteiligung festgelegt werden. Die dpa-Meldung verweist deshalb auf eine geplante europäische Präsenz in Abu Dhabi, auch wenn europäische Vertreter nach aktuellem Stand voraussichtlich nicht direkt am Verhandlungstisch sitzen.
Für Selenskyj geht es zugleich um konkrete Unterstützung: Die Ukraine benötigt nach seinen Angaben zusätzliche 70 Milliarden Euro für das kommende Jahr und weitere Luftabwehr-Raketen, insbesondere zur Abwehr ballistischer Raketen. Damit verbindet sich die Diplomatie unmittelbar mit den anstehenden Entscheidungen über Militärhilfe, Finanzplanung und den Schutz der ukrainischen Bevölkerung.
Mehrere Gipfel als nächste Etappen
Die Gespräche in Abu Dhabi stehen vor einer Reihe politischer Termine bis Jahresende. Geplante Treffen der Unterstützerstaaten in Berlin sowie die Gipfel der Apec und der G20 könnten den Verhandlungsrahmen, die Unterstützung der Ukraine und die internationale Beteiligung weiter prägen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „US-Vermittler Witkoff kündigt Gespräche mit Russland und Ukraine an“ (03.11.2026)
Der Beitrag bestätigt das geplante zweitägige Dreiertreffen in Abu Dhabi und nennt ebenfalls Sicherheitsvereinbarungen, Deeskalation und humanitäre Hilfe als Themen. Anders als die dpa-Meldung ordnet er die Gespräche ausdrücklich als erstes Treffen dieses Formats seit Februar ein und verweist auf die Sorge in Kiew und Europa vor einer stärkeren Annäherung der US-Regierung an Moskau.
Der Deutschlandfunk berichte, Vertreter der drei Staaten würden am Dienstag und Mittwoch in Abu Dhabi zusammenkommen. Der Schwerpunkt liege auf dem angekündigten Gesprächsformat und den parallelen Beratungen mit Europa und der Nato; zugleich bleibe ein Durchbruch bei den Bemühungen um ein Kriegsende offen.
Beide Beiträge bestätigen damit den neuen diplomatischen Anlauf und die geplante europäische Einbindung. Unterschiede liegen vor allem in der Einordnung des Formats und in der Gewichtung der politischen Spannungen rund um die Rolle der USA.
