Sachsen-Anhalt: Von Angern erwägt Kandidatur gegen Siegmund
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheitssuche im Magdeburger Landtag
- Eva von Angern war bei der Landtagswahl am 6. September zum zweiten Mal Spitzenkandidatin der Linken.
- Die Linke erhielt 8,6 Prozent und acht Sitze, während die AfD mit 43,8 Prozent stärkste Kraft wurde.
- Für die absolute Mehrheit sind im ersten und zweiten Wahlgang 42 Stimmen erforderlich.
Linke prüft Gegenkandidatur in Sachsen-Anhalt
Die Linken-Fraktionschefin Eva von Angern erwägt, bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt gegen den AfD-Politiker Ulrich Siegmund anzutreten. Ihre Fraktion will am Dienstag entscheiden, ob sie für den ersten Wahlgang eine eigene Kandidatin aufstellt.
Entscheidung in der Fraktion
Von Angern sagte der „Magdeburger Volksstimme“, die Linke berate über eine „echte Alternative“ für das Amt der Ministerpräsidentin. Ein Sprecher der Fraktion bestätigte, dass die Entscheidung in einer Fraktionssitzung fallen soll.
Die Juristin war bei der Landtagswahl im September nach 2021 zum zweiten Mal Spitzenkandidatin der Linken. Im Parlament zählt sie zu den schärfsten Kritikern der AfD und setzt sich besonders für soziale Gerechtigkeit ein.
AfD stellt stärkste Fraktion
Bei der Landtagswahl am 6. September kam die Linke auf 8,6 Prozent und landete auf dem fünften Platz. Die AfD wurde mit 43,8 Prozent stärkste Kraft.
Siegmund will sich im Dezember im Magdeburger Landtag zur Wahl stellen. Ihm fehlen drei Stimmen für eine Mehrheit. Die CDU-Fraktion hat beschlossen, den Saal zu verlassen, während das BSW sich enthalten will.
42 Stimmen für die absolute Mehrheit
Damit ist offen, wie Siegmund die nötige Unterstützung erhalten will. Im ersten und zweiten Wahlgang sind jeweils 42 Stimmen und damit die absolute Mehrheit erforderlich.
Die Ausgangslage in Sachsen-Anhalt ist durch ein fragmentiertes Parlament geprägt. Die AfD stellt mit 39 Sitzen zwar die stärkste Fraktion, verfehlt aber die absolute Mehrheit von 42 Stimmen. Für Ulrich Siegmund bedeutet das, dass seine Wahl im ersten oder zweiten Wahlgang auf Unterstützung aus anderen Fraktionen angewiesen wäre.
Die CDU hat angekündigt, die Wahl nicht durch eigene Anwesenheit zu unterstützen, während das BSW eine Enthaltung plant. Dadurch bleibt offen, wie die drei fehlenden Stimmen zusammenkommen sollen. Zugleich kann eine Enthaltung je nach Wahlgang anders wirken: In den ersten beiden Runden zählt die absolute Mehrheit, sodass Siegmund dort mindestens 42 Stimmen benötigt.
Parlamentarische Arithmetik entscheidet
Die Linke verfügt über acht Sitze und könnte mit einer eigenen Kandidatin im ersten Wahlgang ein politisches Gegenangebot formulieren. Eine Kandidatur von Eva von Angern hätte damit zunächst Signalwirkung: Sie würde die Abgrenzung der Linken zur AfD sichtbar machen und den Fraktionen eine zusätzliche Wahloption geben.
Für die weitere Regierungsbildung ist entscheidend, ob sich im Landtag eine tragfähige Mehrheit für Siegmund, eine andere Person oder zunächst niemanden findet. Die Entscheidung der Linken über von Angerns Kandidatur ist deshalb Teil eines größeren Ringens um Mehrheiten, ohne dass daraus bereits eine künftige Koalition folgt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „BSW schießt in Sachsen-Anhalt gegen CDU: Siegmund soll sich Stimmen „bei der CDU holen““ (02.11.2026)
Der Beitrag berichtet, das BSW wolle Siegmund nicht aktiv zum Ministerpräsidenten wählen und lenke die Verantwortung für die fehlenden Stimmen auf die CDU. Einen Schwerpunkt setzt der Artikel auf die unterschiedliche Behandlung von Personenwahl und Sachpolitik sowie auf die Folgen der Sitzverteilung.
Stern: „Sachsen-Anhalt: Wittig: Siegmund muss sich Stimmen bei CDU holen“ (02.11.2026)
Der Stern bestätigt die Absage des BSW an eine Wahl Siegmunds und stellt zugleich dessen Bereitschaft zu Gesprächen über Sachthemen heraus. Beide Beiträge sehen die CDU als zentral für die Mehrheitsfrage; offen bleibt, ob Siegmund die erforderlichen Stimmen erhält.
