Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund

Sachsen-Anhalt: CDU-Politiker Räuscher will Siegmund wählen

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 12:14 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der ehemalige Landtagsabgeordnete hält eine Unterstützung des AfD-Politikers durch die CDU trotz eigener Vorbehalte für geboten. Zugleich äußert er Zweifel, dass Siegmund tatsächlich regieren will, und spekuliert über die zusätzlichen Stimmen für Landtagspräsident Tobias Rausch.

CDU-Politiker Räuscher für Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten
Alexander Räuscher (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der sachsen-anhaltinische CDU-Politiker Alexander Räuscher empfiehlt seiner Partei, Ulrich Siegmund von der AfD bei der für Dezember angekündigten Wahl zum Ministerpräsidenten zu unterstützen. Räuscher sagte, das Wahlergebnis verlange Siegmunds Wahl, auch wenn er selbst Bauchschmerzen dabei habe.

Räuscher fordert CDU-Stimmen für Siegmund

Die CDU sollte bei der Wahl für Siegmund votieren, sagte Räuscher. Nicht, weil die Christdemokraten Fans des AfD-Politikers seien, sondern weil es das Wahlvolk wolle.

Räuscher gehörte bis vor wenigen Tagen dem Landtag in Magdeburg an. Er erklärte, er würde Siegmund trotz seiner Vorbehalte wählen, um anschließend zu erleben, wie dieser ein Wahlversprechen nach dem anderen aufgeben und seine Wähler enttäuschen müsse.

Scharfe Kritik am AfD-Spitzenkandidaten

Über Siegmund sagte Räuscher, dieser sei „alles andere als selbstbewusst“. Die Ankündigung, sich nur einem ersten Wahlgang zu stellen, zeige dies. In Wahrheit wolle Siegmund nicht regieren, sondern sich in der Opposition verstecken, sagte Räuscher. Er bezeichnete ihn außerdem als „beruflich erfolglosen Schwadroneur“ und „Drückeberger“.

Unklarheit über zusätzliche Stimmen für Rausch

Bei der Wahl von Landtagspräsident Tobias Rausch am Dienstag hatte der AfD-Politiker vier Stimmen mehr erhalten, als AfD und BSW gemeinsam Abgeordnete stellen. Räuscher führt diese zusätzlichen Stimmen nicht ausschließlich auf CDU-Parlamentarier zurück.

„Wir können nur spekulieren, woher die zusätzlichen vier Stimmen für Herrn Rausch herkommen“, sagte er. Seines Erachtens stammten sie teils von der CDU und teils aus dem links-grün-roten Lager, das mit dem Finger auf die CDU zeigen wolle.

Die Empfehlung von Alexander Räuscher verschärft die offene Machtfrage in Sachsen-Anhalt. Die AfD stellt nach der Landtagswahl mit 39 von 83 Sitzen die stärkste Fraktion. Zusammen mit dem BSW verfügt sie über 44 Mandate. Für eine Wahl Ulrich Siegmunds zum Ministerpräsidenten reicht dieses Bündnis allein nicht aus.

Die geheime Wahl von Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten hat gezeigt, dass die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse schwer einzuschätzen sind. Rausch erhielt 48 von 82 abgegebenen Stimmen, obwohl AfD und BSW zusammen nur 44 Abgeordnete stellen. Die zusätzlichen Stimmen lassen sich wegen des Wahlgeheimnisses keinem Lager eindeutig zuordnen. Räuschers Vorstoß macht aus dieser rechnerischen Möglichkeit nun eine offene politische Forderung aus den Reihen der CDU.

Dezemberwahl als Belastungsprobe

Siegmund hat angekündigt, sich im Dezember nur im ersten Wahlgang zur Wahl zu stellen. Für seine Wahl benötigt er eine Mehrheit im Landtag. Das BSW hat eine Unterstützung eines AfD-Ministerpräsidenten ausgeschlossen; die CDU lehnt eine Zusammenarbeit mit der AfD auf Bundesebene grundsätzlich ab. Zugleich ist die sachsen-anhaltische CDU nach der Landtagswahl personell und strategisch unter Druck geraten.

Für die Landespolitik bedeutet die Debatte, dass die Bildung einer stabilen Regierung bis zur Ministerpräsidentenwahl offenbleibt. Sollte Siegmund keine Mehrheit erhalten, könnte Sachsen-Anhalt vor einer längeren geschäftsführenden Phase oder neuen parlamentarischen Verhandlungen stehen. Für die CDU geht es dabei nicht nur um eine Personalentscheidung, sondern auch um die Frage, wie sie den Wählerauftrag mit ihrer Abgrenzung zur AfD verbindet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „CDU-Spaltung in Magdeburg: Gift sickert in Merz-Koalition“ (07.10.2026)

Der Beitrag ordnet die zusätzlichen Stimmen für Tobias Rausch als Zeichen einer tiefen Spaltung der sachsen-anhaltischen CDU ein und beschreibt die Auswirkungen auf die Bundespartei sowie die Koalition. Anders als Räuscher konzentriert sich der Artikel auf innerparteiliche Konflikte und die Reaktionen der CDU-Spitze; offen bleibt weiterhin, aus welchen Fraktionen die zusätzlichen Stimmen tatsächlich kamen.

n-tv: „Sachsen-Anhalt: Erstmals führt ein AfD-Politiker einen Landtag – Tobias Rausch erhält 48 Stimmen“ (06.10.2026)

n-tv hebt die 48 Stimmen für Rausch und Siegmunds Bewertung der Wahl als Generalprobe für Dezember hervor. Der Schwerpunkt liegt damit auf der parlamentarischen Ausgangslage und Siegmunds eigenem Wahlplan, während Räuscher nun zusätzlich eine konkrete Unterstützung durch die CDU fordert.

Beide Beiträge bestätigen die Bedeutung der Rausch-Wahl für die Ministerpräsidentenwahl im Dezember. Die zentrale offene Frage bleibt, ob Siegmund tatsächlich Stimmen außerhalb von AfD und BSW gewinnen kann und ob Räuschers Position in der CDU Unterstützung findet.

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