Sachsen-Anhalt, CDU

Sachsen-Anhalt: CDU-Mann Heuer bleibt bei Siegmund-Wahl

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 13:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der CDU-Abgeordnete Guido Heuer kündigt an, bei der geplanten Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund im Dezember im Landtag zu bleiben. Sein konkretes Abstimmungsverhalten lässt er offen; die CDU-Fraktion hält zunächst an ihrem Rückzugsplan fest.

Abstimmung im Dezember bleibt offen

  • Guido Heuer will bei der Ministerpräsidentenwahl im Landtag anwesend bleiben.
  • Die CDU-Fraktion plant, im ersten und zweiten Wahlgang den Saal zu verlassen.
  • Ulrich Siegmund tritt nur für einen Wahlgang an.
Anders als seine Fraktion will der CDU-Abgeordnete Guido Heuer bei der Ministerpräsidenten-Wahl nicht den Saal verlassen. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Der CDU-Landtagsabgeordnete Guido Heuer will bei der für Dezember geplanten Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt im Plenarsaal bleiben. Damit stellt er sich gegen die Linie der CDU-Fraktion, die in den ersten beiden Wahlgängen geschlossen den Saal verlassen will.

Heuer grenzt sich von der Fraktionslinie ab

Heuer sagte dem Nachrichtenportal Nius, er habe sich entschieden, nicht hinauszugehen. Wie er in der geheimen Wahl abstimmen werde, ließ der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende offen.

Die CDU-Fraktion unter Sven Schulze will mit dem Fernbleiben verhindern, dass erneut Spekulationen über Stimmen aus ihren Reihen aufkommen. Heuer hatte bereits vor der Landtagswahl mit einem Foto für Diskussionen gesorgt, auf dem er sich auf die Schulter des AfD-Politikers Siegmund stützte.

Ungeklärte Stimmen bei Präsidentenwahl

Nach der Landtagspräsidentenwahl erhielt der AfD-Politiker Tobias Rausch vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen Abgeordnete haben. Die Herkunft der zusätzlichen Stimmen blieb unklar; Vorwürfe, sie könnten aus der CDU gekommen sein, wies die CDU-Fraktion zurück.

Der frühere Ministerpräsident Reiner Haseloff verteidigte den Plan, den Saal zu verlassen. Er verwies darauf, dass dadurch neue Unterstellungen vermieden werden könnten.

42 Stimmen im ersten und zweiten Wahlgang

Für die Wahl Siegmunds sind im ersten und zweiten Wahlgang 42 Stimmen erforderlich. Die AfD verfügt über 39 Sitze, sodass Siegmund mindestens drei Stimmen aus anderen Reihen benötigt.

Das BSW mit fünf Abgeordneten will sich enthalten. Damit blieben SPD, Grüne und Linke mit jeweils acht Sitzen als mögliche weitere Stimmengeber. Eine Unterstützung Siegmunds durch diese Parteien gilt als unwahrscheinlich.

Siegmund hält sich bei Unterstützern bedeckt

Siegmund sagt, er führe Gespräche mit einer anderen Fraktion und mehreren Abgeordneten. Er kündigte an, nur für einen Wahlgang zur Verfügung zu stehen.

Im möglichen dritten Wahlgang will die CDU-Fraktion wieder teilnehmen; dann könnte auch Gegenkandidaten der Weg offenstehen. Parallel beantragte der CDU-Kreisverband Stendal den Parteiausschluss des Kommunalpolitikers Bernd Prange wegen Spenden an die AfD und seines Wechsels in die AfD-Kreistagsfraktion.

CDU diskutiert über Abgrenzung

Der Vorgang verschärft die Debatte über die Abgrenzung der CDU zur AfD. CSU-Chef Markus Söder forderte mögliche Abweichler in der Union zum Austritt auf und erklärte, wer die AfD wähle, habe in der Union keine politische Zukunft.

Die geplante Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt ist ein Test für den Umgang der CDU mit einer starken AfD im Landesparlament. Ulrich Siegmund verfügt mit 39 AfD-Mandaten nicht über die für die ersten beiden Wahlgänge erforderliche absolute Mehrheit von 42 Stimmen.

Die CDU-Fraktion will in diesen Wahlgängen den Plenarsaal verlassen. Damit soll verhindert werden, dass CDU-Abgeordnete durch eine geheime Abstimmung als Unterstützer eines AfD-Kandidaten erscheinen. Guido Heuers angekündigter Verbleib im Saal durchbricht diese gemeinsame Strategie, ohne dass daraus bereits auf sein konkretes Abstimmungsverhalten geschlossen werden kann.

Mehrheit und politische Folgen

Das BSW mit fünf Abgeordneten will sich enthalten. Rechnerisch blieben damit SPD, Grüne und Linke als mögliche weitere Stimmengeber, doch eine Unterstützung Siegmunds durch diese Parteien gilt politisch als fernliegend. Im dritten Wahlgang gelten andere Regeln: Dann genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, und die CDU will wieder teilnehmen.

Die Vorgänge zeigen zugleich, wie stark die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten nachwirkt. Er erhielt vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen verfügen. Die ungeklärte Herkunft dieser Stimmen hat das Misstrauen zwischen den Fraktionen verschärft.

Für die CDU geht es deshalb nicht nur um die einzelne Wahl, sondern um ihre Abgrenzung zur AfD und um innerparteiliche Geschlossenheit. Für die Bürger in Sachsen-Anhalt entscheidet sich im Dezember, ob Siegmund eine parlamentarische Mehrheit findet oder ob das Land vor einer längeren politischen Blockade steht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „CDU-Abgeordneter will bei Siegmund-Wahl im Saal bleiben“ (22.10.2026)

Der Beitrag bestätigt Heuers angekündigten Alleingang und stellt die möglichen Folgen für die ersten Wahlgänge heraus. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Option eines dritten Wahlgangs, in dem eine einfache Mehrheit genügt.

ZDFheute: „Siegmund-Wahl in Sachsen-Anhalt: CDU-Mann Heuer will bleiben“ (22.10.2026)

Der Artikel bestätigt ebenfalls Heuers Abweichung von der Fraktionslinie und betont, dass er sein konkretes Wahlverhalten offenlässt. Anders als der n-tv-Beitrag hebt er zusätzlich die politische Einordnung der AfD in Sachsen-Anhalt und die Abgrenzung der CDU hervor.

Beide Beiträge stimmen beim Kernereignis und bei der offenen Frage des tatsächlichen Abstimmungsverhaltens überein. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung: Der eine Beitrag erklärt stärker das Wahlverfahren, der andere ordnet die Vorgänge stärker parteipolitisch ein.

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