Diesellieferungen aus Russland, Donald Trump

Russland liefert Diesel an USA: Trump setzt Sanktionen vorübergehend aus

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 03:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

US-Präsident Donald Trump kündigt nach einem Gespräch mit Wladimir Putin umfangreiche russische Diesellieferungen für die USA und den Weltmarkt an. Dafür setzt das US-Finanzministerium die Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend aus – die Ukraine reagiert empört.

  • Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin stellt US-Präsident Trump russische Diesellieferungen in Aussicht. (Archivfoto) - Bild: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
    Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin stellt US-Präsident Trump russische Diesellieferungen in Aussicht. (Archivfoto) - Bild: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
  • Der ukrainische Präsident Selenskyj kritisiert die Vereinbarung. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Der ukrainische Präsident Selenskyj kritisiert die Vereinbarung. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin stellt US-Präsident Trump russische Diesellieferungen in Aussicht. (Archivfoto) - Bild: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa Der ukrainische Präsident Selenskyj kritisiert die Vereinbarung. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa

US-Präsident Donald Trump hat nach einem Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin eine Vereinbarung über umfangreiche Diesellieferungen aus Russland für die USA und den Weltmarkt verkündet.

Millionen Tonnen in mehreren Tranchen

Nach Trumps Darstellung sollen umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel bereitgestellt werden. Im November sollen weitere 500.000 Tonnen folgen, anschließend eine Million Tonnen; zusätzlich stellte Russland abhängig vom Zustand seiner Raffinerien Lieferungen von bis zu drei Millionen Tonnen in Aussicht.

Das US-Finanzministerium erteilte dafür eine befristete Genehmigung. Verkauf, Lieferung, Entladung und Import von russischem Diesel sind demnach bis zum 7. April 2027 erlaubt.

Kreml bestätigt Vereinbarung

Der Kreml bestätigte den Deal. Putin erklärte, Russland sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die Weltmärkte zu liefern; dies werde sich positiv auf die Weltwirtschaft auswirken.

Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak kündigte die sofortige Aufhebung des bisherigen Diesel-Exportverbots an. Noch im Oktober könnten 300.000 Tonnen ausgeführt werden, im November und Dezember weitere 500.000 beziehungsweise eine Million Tonnen.

Selenskyj kritisiert Lockerung scharf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Vereinbarung als Unterstützung der russischen Kriegsführung. Eine Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, sei eine Investition in den Krieg, schrieb er bei Telegram.

In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal Axios bezeichnete Selenskyj die Vereinbarung als nicht fair und nicht ehrlich. Er beklagte, dass parallel zu Gesprächen ukrainischer Unterhändler mit Trumps Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nicht über das Diesel-Abkommen gesprochen worden sei.

Widerspruch zu verschärfter Sanktionspolitik

Für Aufruhr sorgt der Schritt auch, weil Trump erst im September ein Gesetz mit weitreichenden Befugnissen für neue Sanktionen gegen Russland unterzeichnet hatte. Die Regelung zielte unter anderem darauf, russische Öl- und Gasexporte stärker einzudämmen.

Der demokratische Abgeordnete Gregory Meeks kritisierte den Kurswechsel. Wenige Wochen nach der Unterzeichnung eines Gesetzes gegen Käufer russischer Energie kündige Trump nun an, diese Energie zu kaufen, teilte das ranghöchste demokratische Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses mit.

Raffinerien durch Drohnenangriffe beschädigt

Russlands Dieselproduktion lag im vergangenen Jahr monatlich bei etwa sieben Millionen Tonnen. Die Kapazitäten haben sich seitdem nach den Angaben ungefähr halbiert; als Grund gelten unter anderem Schäden an Raffinerien durch ukrainische Drohnenangriffe.

Die USA verbrauchen derzeit täglich rund 3,77 Millionen Barrel Diesel und andere Destillat-Kraftstoffe, umgerechnet etwa 500.000 Tonnen. Die zunächst angekündigten 300.000 Tonnen würden rechnerisch den US-Verbrauch von gut 14 Stunden decken.

Hoher Preisdruck vor den Zwischenwahlen

Gestiegene Spritpreise setzen Trump und die Republikaner vor den Kongresswahlen unter Druck. Trump hatte Selenskyj zuletzt aufgefordert, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, und die ukrainischen Attacken für die Dieselknappheit mitverantwortlich gemacht.

Selenskyj erklärte nun, die Ukraine sei zu einem Ende der Angriffe auf russische Raffinerien bereit, wenn Russland im Gegenzug Attacken auf ukrainische Energieanlagen stoppe. Eine Lockerung der Russland-Sanktionen sei dagegen ein Zeichen der Schwäche.

Begrenzte Menge für einen angespannten Markt

Die angekündigten Lieferungen könnten kurzfristig zusätzliches Angebot schaffen, ihre Größenordnung bleibt im Verhältnis zum US-Verbrauch jedoch begrenzt. Die zunächst zugesagten 300.000 Tonnen entsprechen nach den vorliegenden Angaben rechnerisch ungefähr dem US-Verbrauch von gut 14 Stunden. Damit kann der Deal den Markt psychologisch bewegen, ersetzt aber keine dauerhafte Lösung für die angespannte Versorgung.

Entscheidend ist zudem die russische Produktionsfähigkeit. Ukrainische Angriffe haben Raffinerien beschädigt; Moskau knüpft weitere Exporte ausdrücklich an Reparaturen und die verfügbare Verarbeitungskapazität. Die angekündigten Mengen sind deshalb nicht allein eine politische Zusage, sondern hängen auch von der tatsächlichen Wiederherstellung der Anlagen ab.

Sanktionspolitik und Kriegshilfe

Politisch markiert die zeitlich befristete Ausnahme einen deutlichen Kurswechsel: Kurz nach der Verschärfung des Sanktionsdrucks wird russischer Diesel für den US-Markt wieder zugelassen. Für Washington steht dabei der Versuch im Vordergrund, den Preisdruck auf Verbraucher, Landwirtschaft und Transportgewerbe vor den Kongresswahlen zu begrenzen.

Für die Ukraine ist der Schritt problematisch, weil Einnahmen aus Energieexporten Russlands Kriegsführung zugutekommen können. Selenskyjs Forderung, Angriffe auf Energieanlagen gegenseitig einzustellen, verbindet die Treibstofffrage unmittelbar mit möglichen Verhandlungen über den Krieg. Für Verbraucher in den USA dürfte sich ein nachhaltiger Preiseffekt erst zeigen, wenn die Lieferungen tatsächlich erfolgen und über die kurzfristige Marktreaktion hinaus zusätzliches Angebot schaffen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Trump kündigt russische Diesel-Lieferungen an“ (10.10.2026)

Der Bericht bestätige die angekündigten Mengen, die vorübergehende Ausnahme von den US-Sanktionen und die scharfe Kritik aus Kiew. Anders als die dpa-Meldung rücke er zusätzlich die begrenzte Wirkung der ersten Lieferung in den Mittelpunkt: Sie decke rechnerisch nur gut 14 Stunden des US-Verbrauchs und werde von Experten nicht als langfristige Lösung bewertet.

ntv: „Trump: Putin liefert Millionen Tonnen Diesel für USA und Weltmarkt“ (09.10.2026)

Der Artikel bestätige Trumps Darstellung des Gesprächs und der gestaffelten Liefermengen. Er setze den Schwerpunkt stärker auf das innenpolitische Versprechen sinkender Preise für US-Bürger, während die Frage, ob und wann die angekündigten Mengen angesichts beschädigter Raffinerien tatsächlich verfügbar seien, offen bleibe.

Übergreifend bestätigten beide Berichte den Deal und die Reaktion der Ukraine. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Die tagesschau betone die begrenzte wirtschaftliche Wirkung und den Sanktionskonflikt, ntv stelle stärker Trumps Preisversprechen heraus; offen bleibe die praktische Umsetzung der Lieferungen.

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