Deutschland, Hamburg

Nordsee-Anrainer treiben Ausbau der Windkraft voran

26.01.2026 - 16:17:24 | dpa.de

Rund 1600 Windräder stehen bereits vor deutschen Küsten. Tausende weitere sollen bis 2050 hinzukommen. Die Energiegewinnung aus Windkraft in der Nordsee soll bis dann fast verzehnfacht werden.

  • Zehn Länder nehmen am dritten Nordsee-Gipfel teil. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Zehn Länder nehmen am dritten Nordsee-Gipfel teil. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die Nordsee soll zum «grünen Kraftwerk» Europas werden. - Bild: Sina Schuldt/dpa
    Die Nordsee soll zum «grünen Kraftwerk» Europas werden. - Bild: Sina Schuldt/dpa
  • Der Kanzler hat sich Windräder schon aus der Nähe angeschaut, kann ästhetisch aber nicht viel mit ihnen anfangen. - Bild: Friso Gentsch/dpa
    Der Kanzler hat sich Windräder schon aus der Nähe angeschaut, kann ästhetisch aber nicht viel mit ihnen anfangen. - Bild: Friso Gentsch/dpa
  • So fing alles an: In Esbjerg, Dänemark, fand der erste Nordsee-Gipfel statt. - Bild: Sem Van Der Wal/ANP/dpa
    So fing alles an: In Esbjerg, Dänemark, fand der erste Nordsee-Gipfel statt. - Bild: Sem Van Der Wal/ANP/dpa
  • Wirtschaftsministerin Reiche will den Ausbau der Windenergie vorantreiben. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Wirtschaftsministerin Reiche will den Ausbau der Windenergie vorantreiben. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Das Hamburger Rathaus ist Schauplatz des Nordsee-Gipfels. - Bild: Marcus Brandt/dpa
    Das Hamburger Rathaus ist Schauplatz des Nordsee-Gipfels. - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • Gut beschirmt: Kanzler Merz. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
    Gut beschirmt: Kanzler Merz. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
Zehn Länder nehmen am dritten Nordsee-Gipfel teil. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die Nordsee soll zum «grünen Kraftwerk» Europas werden. - Bild: Sina Schuldt/dpa Der Kanzler hat sich Windräder schon aus der Nähe angeschaut, kann ästhetisch aber nicht viel mit ihnen anfangen. - Bild: Friso Gentsch/dpa So fing alles an: In Esbjerg, Dänemark, fand der erste Nordsee-Gipfel statt. - Bild: Sem Van Der Wal/ANP/dpa Wirtschaftsministerin Reiche will den Ausbau der Windenergie vorantreiben. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Das Hamburger Rathaus ist Schauplatz des Nordsee-Gipfels. - Bild: Marcus Brandt/dpa Gut beschirmt: Kanzler Merz. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Deutschland und andere Anrainerstaaten der Nordsee treiben den Ausbau von Windenergie-Anlagen vor den Küsten weiter voran. Dazu schlossen die Energieminister beim Nordsee-Gipfel in Hamburg einen Investitionspakt mit der Windindustrie und den Netzbetreibern. Bedingungen für Investitionen sollen verbessert und Kosten gesenkt werden. Geplant sind Windparks mit einer Stromanbindung an mehr als ein Land. Die Nordsee-Staaten einigten sich darauf, bis zu 100 Gigawatt Erzeugungsleistung grenzüberschreitend zu vernetzen. «Unser Ziel ist es, den größten Energie-Hub der Welt zu entwickeln», sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). 

Bundeskanzler Friedrich Merz betonte zum Auftakt seines Treffens mit fünf Regierungschefs, dass Sicherheitsfragen «eine besondere Aktualität» in den vergangenen Wochen bekommen habe. «Das Thema Sicherheit im Norden wird uns begleiten auch auf dieser Konferenz», sagte er.

Schnee und Glatteis beeinträchtigten den Ablauf des Gipfels. Ein Treffen der Energieminister auf dem Mehrzweck-Schiff «Neuwerk» im Hamburger Hafen musste wegen witterungsbedingter Probleme bei der Anreise ganz abgesagt werden. Eine Besichtigung der Regierungschefs des auch als Eisbrecher genutzten Schiffs konnte nur in kleinem Kreis stattfinden, weil die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und der luxemburgische Regierungschef Luc Frieden es nicht rechtzeitig dorthin schafften. 

Fast 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze sollen geschaffen werden

In der Investitionsvereinbarung werden der Industrie Ausschreibungen für Windkraft-Anlagen in der Nordsee über 2030 hinaus zugesichert und damit Planungssicherheit hergestellt. Im Gegenzug verpflichtet sich die Branche, die Gesamtkosten für die Stromerzeugung bis 2040 um 30 Prozent zu senken. Zudem sollen bis 2030 in Europa 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten investiert und 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

«Mit dem konsequenten Ausbau und der intelligenten Vernetzung von Offshore-Energie schaffen wir bezahlbare, saubere und sichere Energie, reduzieren strategische Abhängigkeiten und erhöhen die Resilienz Europas insgesamt», sagte Reiche. Durch den vermehrten Bau sogenannter Kooperationsprojekte sollen bestehende Flächen effizienter genutzt und Kosten verringert werden. Bei den Projekten geht es um Offshore-Windparks mit Stromanbindung an mehr als ein Land. Das soll mehr grenzüberschreitenden Stromhandel ermöglichen. 

Anteil am Strommix soll deutlich steigen

Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Offshore-Windparks an der Deckung des Stromverbrauchs in Deutschland nach Angaben der Energiebranche bei rund 5 Prozent. Insgesamt deckten erneuerbare Energien fast 56 Prozent des Stromverbrauchs - den höchsten Anteil hatten Windräder an Land, gefolgt von Solaranlagen. Der Anteil der Windkraft auf See am Strommix könnte bis 2045 Prognosen zufolge auf etwa 20 Prozent steigen.

Nach Angaben des europäischen Windverbands Wind Europe können derzeit bereits 32 Millionen Haushalte aus Offshore-Windenergie mit Strom versorgt werden. Bei 300 GW im Jahr 2050 könnte die Zahl auf mehr als 330 Millionen wachsen. 

Zunehmende Angriffe auf Energie-Infrastruktur

Mit dem Ausbau der Windenergie-Gewinnung soll auch die Sicherheit der Energie-Infrastruktur in der Nordsee gestärkt werden. «Nicht erst seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sehen wir zunehmende Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur», sagte Reiche. Stromnetze, Pipelines, wichtige Datenkabel, die für die digitale Souveränität des Kontinents von entscheidender Bedeutung seien, würden angegriffen «und deshalb ist zum ersten Mal die Nato hochrangig hier vertreten».

Gipfel als Reaktion auf russischen Angriff auf Ukraine

Die Gipfel der Nordsee-Anrainer waren 2022 als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine ins Leben gerufen worden. Beim ersten Treffen 2022 in Esbjerg in Dänemark ging es darum, Gas- und Öl-Lieferungen aus Russland so schnell wie möglich mit Hilfe erneuerbarer Energien zu ersetzen. «Jetzt ist der Zeitpunkt für den Aufbruch, und jetzt brechen wir auf», sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) damals. 

Nordsee soll zum «grünen Kraftwerk Europas» werden

Beim Nordsee-Gipfel 2023 wurde beschlossen, die Nordsee zum «grünen Kraftwerk für Europa» auszubauen. Ziel ist es, bis 2050 gemeinsam bis zu 300 Gigawatt (GW) Leistung in der Nordsee zu installieren. Davon ist man aber noch weit entfernt. Stand Oktober 2025 haben die Anrainerstaaten nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie ungefähr 35 GW Leistung installiert. Das entspricht gut einem Zehntel des Ausbauziels. Die größte Kapazität hat Großbritannien mit rund 15 GW Leistung. Auf Deutschland entfallen 7,3 GW und auf die Niederlande 4,5 GW. 

An dem Gipfel nehmen zehn Staaten teil - sieben Nordsee-Anrainer sowie Irland, Island und Luxemburg, das zwar keinen Meter Küste hat, sich aber an der Windkraft-Finanzierung beteiligt. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte nach Angaben aus dem Élysée-Palast aus Termingründen abgesagt und auch der britische Premierminister Keir Starmer kam nicht nach Hamburg. 

Merz findet Windräder eigentlich «hässlich»

Gastgeber Merz hatte bereits vor dem Gipfel gefordert, die Nordsee solle zum «größten Reservoir für saubere Energie weltweit» werden. Im Wahlkampf hatte sich der CDU-Chef aber noch abschätzig zur Windenergie geäußert. «Ich glaube sogar, dass wir, wenn wir was richtig machen, eines Tages die Windkrafträder wieder abbauen können, weil sie hässlich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen», sagte er im November 2024 im ZDF. Im Koalitionsvertrag mit der SPD wurde der Ausbau der Windkraft und auch die Kooperation mit den anderen Nordseeanrainern dann aber fest verankert.

Kritik der Umweltverbände: «Das Maß verloren»

Die Umweltverbände fordern, dass der Ausbau der Windkraft nicht zulasten der Natur gehen darf. «Einige Akteure haben beim Ausbau der Windenergie auf See das Maß verloren», sagt der Meeresexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Kim Detloff. «Ökologische Auswirkungen von massiven Lebensraumverlusten vieler Seevögel bis zu irreversiblen Veränderungen des Ökosystems Nordsee drohen unbeherrschbar zu werden.» Das Narrativ des «Kraftwerks Nordsee» sei fatal.

Auch Grönland könnte zum Thema werden

Der Gipfel bietet auch Gelegenheit, über Themen zu sprechen, die nicht direkt mit der Nordsee zu tun haben. Mit der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen könnte zum Beispiel noch einmal die Grönland-Krise thematisiert werden. Allerdings ist die Krise in der vergangenen Woche von den USA entschärft worden und mit den Konsequenzen hat sich am Freitag bereits ein EU-Gipfel befasst.

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