Rentenreform: Klingbeil verteidigt Bas und den Zeitplan
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 20:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKoalition wartet auf drei Landtagswahlen
- Die Koalition wollte vor der Vorlage von Gesetzen die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern abwarten.
- Bei der Reform sind neben der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren auch Minijobs und weitere Fragen offen.
- Alexander Schweitzer soll als neuer Arbeitsminister schnell starten und nach Klingbeils Aussage keine großen Verzögerungen verursachen.
Vizekanzler Lars Klingbeil hat die zurückgetretene Arbeitsministerin Bärbel Bas gegen den Vorwurf verteidigt, sie habe die Rentenreform gebremst.
Klingbeil verweist auf gemeinsamen Zeitplan
Im ARD-„Brennpunkt“ sagte der SPD-Chef, die Koalition sei bei der Reform „wie verabredet im Zeitplan“ gewesen. Vor der Vorlage von Gesetzen habe es eine Vereinbarung gegeben, die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern abzuwarten.
Bas habe die Reform deshalb nicht verzögert. Klingbeil verwies zugleich auf offene inhaltliche Fragen. Neben der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren gehe es auch um Minijobs und weitere Punkte.
Schweitzer soll schnell übernehmen
Die Reform werde kommen, sagte Klingbeil, daran gebe es „kein Wackeln“. Der neue Arbeitsminister Alexander Schweitzer wolle schnell durchstarten, größere Verzögerungen seien nicht zu erwarten.
Klingbeil kritisierte außerdem das politische Klima in Berlin. Vorwürfe, Anschuldigungen und interne Vorgänge hätten Grenzen überschritten und das Klima vergiftet. Konkret sprach er von vertraulichen Gesprächen mit Journalisten sowie internem Druck der Union auf Bas.
Verweis auf persönliche Situation
Nach Klingbeils Darstellung habe die Union den Druck auf Bas erhöht, obwohl sie von ihrer schwierigen persönlichen Situation gewusst habe. Die 58-Jährige trauert um ihre Stieftochter.
Rentenreform als erste Bewährungsprobe
Die Rentenreform steht nach dem Rücktritt von Bärbel Bas vor einem personellen Wechsel, aber nicht vor einem politischen Neustart. Lars Klingbeil betont, die Koalition habe zunächst drei Landtagswahlen abwarten wollen. Damit erklärt die SPD die Verzögerung mit einem gemeinsam vereinbarten Zeitplan und nicht mit einem Versagen des Arbeitsministeriums.
Inhaltlich reicht das Vorhaben über die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren hinaus. Auch die Regeln für Minijobs und weitere Punkte sind noch offen. Diese Fragen können den Gesetzentwurf politisch prägen, weil sie unterschiedliche Interessen von Beschäftigten, Rentnern, Arbeitgebern und dem Bundeshaushalt berühren.
Schweitzer übernimmt unter Zeitdruck
Alexander Schweitzer soll das Ressort nun schnell übernehmen. Für ihn wird die Rentenreform damit zu einer der ersten zentralen Aufgaben im neuen Amt. Klingbeils Aussage, es werde keine großen Verzögerungen geben, setzt zugleich eine klare Erwartung an das Ministerium und die Koalitionspartner.
Politisch entscheidend ist, ob die Regierung nach dem Rücktritt wieder zu einer gemeinsamen Linie findet. Der Konflikt über den Zeitpunkt der Vorlage zeigt, dass der Reformprozess nicht nur fachliche, sondern auch koalitionspolitische Fragen berührt. Für Bürgerinnen und Bürger bleibt vor allem relevant, wann konkrete Regeln vorliegen und welche Voraussetzungen für einen abschlagsfreien Rentenbeginn gelten sollen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Reaktionen auf Bas-Rücktritt: "Sollten alle mal in uns gehen"“ (12.10.2026)
Der Bericht ordne Klingbeils Verteidigung in die breite politische Reaktion auf Bas’ Rücktritt ein und hebe hervor, dass der SPD-Chef die Angriffe auf Bas während ihrer Trauer kritisiert habe. Zugleich stelle der Artikel die Position der Union gegenüber, die Verzögerungen bei den Gesetzentwürfen mit ausstehenden Vorlagen begründe.
n-tv: „Friedrich Merz äußert sich zu Rücktritt von Bärbel Bas“ (12.10.2026)
Der Artikel berichte, Unionspolitiker hätten Bas persönlich Respekt gezollt, ihre Kritik am politischen Umgang mit ihr aber weitgehend nicht aufgegriffen. Als zusätzlichen Schwerpunkt nenne der Bericht die politische Nachfolge durch Alexander Schweitzer und die bislang nicht vorgelegten Vorhaben zu Arbeitszeit und Rente.
Beide Berichte bestätigten den Rücktritt, die Nachfolge und die Kontroverse über den Umgang mit Bas. Während BR24 stärker die Reaktionen und den Vorwurf eines vergifteten politischen Klimas bündele, rücke n-tv die unterschiedlichen Bewertungen des Reformstaus und die Reaktionen der Union in den Mittelpunkt.
