Spritpreise, Dieselrekord

Rekord-Spritpreise: Diesel erreicht historischen Höchststand – Politik streitet über Entlastungen

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 10:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Diesel hat in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht, auch Benzin bleibt auf Rekordniveau. Die stark gestiegenen Spritpreise lösen eine intensive politische Debatte über staatliche Entlastungen aus.

  • Benzin ist bereits seit einiger Zeit auf Rekordniveau, jetzt hat auch Diesel seinen alten Rekord aus dem April übertroffen. - Bild: Robert Michael/dpa
    Benzin ist bereits seit einiger Zeit auf Rekordniveau, jetzt hat auch Diesel seinen alten Rekord aus dem April übertroffen. - Bild: Robert Michael/dpa
  • Teilweise sind die Preise deutlich höher als der Durchschnitt. - Bild: Robert Michael/dpa
    Teilweise sind die Preise deutlich höher als der Durchschnitt. - Bild: Robert Michael/dpa
  • Vereinzelt sprangen Preise bereits über die Marke von 3 Euro je Liter. - Bild: Sven Kaeuler/dpa
    Vereinzelt sprangen Preise bereits über die Marke von 3 Euro je Liter. - Bild: Sven Kaeuler/dpa
  • Spediteure leiden unter hohen Dieselkosten. (Archivbild) - Bild: Sascha Thelen/dpa
    Spediteure leiden unter hohen Dieselkosten. (Archivbild) - Bild: Sascha Thelen/dpa
Benzin ist bereits seit einiger Zeit auf Rekordniveau, jetzt hat auch Diesel seinen alten Rekord aus dem April übertroffen. - Bild: Robert Michael/dpa Teilweise sind die Preise deutlich höher als der Durchschnitt. - Bild: Robert Michael/dpa Vereinzelt sprangen Preise bereits über die Marke von 3 Euro je Liter. - Bild: Sven Kaeuler/dpa Spediteure leiden unter hohen Dieselkosten. (Archivbild) - Bild: Sascha Thelen/dpa

Diesel ist in Deutschland so teuer wie nie zuvor: Am Mittwoch lag der bundesweite Tagesschnitt laut ADAC bei 2,453 Euro je Liter und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem April, während Benzin bereits seit Tagen auf Rekordniveau verharrt.

Starker Preissprung seit Beginn des Iran-Kriegs

Im Vergleich zum Dienstag verteuerte sich Diesel um 3,1 Cent, E10 legte um 1,4 Cent zu. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar sind die Kraftstoffpreise außergewöhnlich hoch, seit Ende August haben sie erneut deutlich angezogen. Aktuell kostet Diesel rund 71 Cent mehr als am letzten Tag vor Kriegsausbruch, E10 ist um knapp 54 Cent teurer. Inflationsbereinigt waren Kraftstoffe früher zwar schon höher bepreist, doch die aktuellen Werte liegen klar auf Rekordniveau.

Mehrkosten für typische Fahrer

Für Autofahrer summieren sich die Preissteigerungen zu spürbaren Mehrbelastungen. Bei einem typischen Benziner mit etwa 800 Kilometern Fahrleistung im Monat und einem Durchschnittsverbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometer ergeben sich rechnerisch rund 34 Euro zusätzliche Kosten pro Monat im Vergleich zur Zeit vor Kriegsbeginn. Ein typischer Dieselfahrer mit 1.400 Kilometern und 7 Litern Verbrauch je 100 Kilometer zahlt demnach etwa 69 Euro mehr im Monat.

Politik ringt um Entlastungsmaßnahmen

Angesichts der Rekordpreise ist in der Politik eine neue Debatte über Entlastungen entbrannt. Aus Union und SPD kommen unterschiedliche Vorschläge, strittig ist jedoch, welche Instrumente umgesetzt werden sollen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Entlastungen angekündigt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Nicklas Kappe plädiert für eine Verringerung des CO2-Aufschlags, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bringt eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf 7 Prozent ins Gespräch. Weitere Ideen reichen von einkommensabhängigen Direktauszahlungen über Preisdeckel bis hin zu Übergewinnsteuern, wie sie Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) fordert.

Ökonomen und Bauernverband üben Kritik

Ökonomen kritisieren Maßnahmen, die die Preise an der Zapfsäule allgemein drücken. Sie warnen, solche Entlastungen würden mit der Gießkanne auch Menschen unterstützen, die nicht darauf angewiesen seien, und zugleich die Lenkungswirkung hoher Preise für sparsamen Verbrauch schwächen. Der Bauernverband lehnt eine Senkung der Mehrwertsteuer zudem mit dem Hinweis ab, dass diese für landwirtschaftliche Betriebe ein durchlaufender Posten sei und somit den Landwirten kaum helfe.

Spediteure und Fischerei unter Druck

Auch die Transportbranche warnt vor den Folgen der Dieselpreise. Der Verband BGL fordert in einem offenen Brief an Bundeskanzler Merz staatliche Entlastung und berichtet von einer zugespitzten Lage im mittelständischen Transportgewerbe. Bei einer Flotte von 50 Lastwagen bedeutet das aktuelle Preisniveau demnach Mehrkosten von über einer Million Euro pro Jahr. Diese Zusatzkosten ließen sich häufig nur teilweise an die Auftraggeber weitergeben, was zahlreiche mittelständische Betriebe und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährde.

Kutter bleiben wegen hoher Kosten im Hafen

Auch die deutsche Fischerei spürt die Auswirkungen der Kraftstoffpreise, auch wenn dort vor allem Marinegasöl eingesetzt wird. Der Deutsche Fischerei-Verband berichtet, dass derzeit Kutter im Hafen bleiben, weil sich Ausfahrten bei den aktuellen Preisen nicht lohnten. Vom Landwirtschaftsministerium zugesagte Hilfen würden als Tropfen auf den heißen Stein bezeichnet.

Rohölpreis gedämpft – Diesel dennoch teurer als Benzin

Trotz der Entwicklung an den Tankstellen geht der Rohölpreis derzeit nicht durch die Decke. Am Mittwoch verbilligte sich Brent-Rohöl zeitweise um fast vier Dollar je Barrel, nachdem Hinweise auf die Wiederinbetriebnahme einer wichtigen Ölpipeline in Saudi-Arabien bekannt wurden. Neben dem Rohölpreis beeinflussen jedoch auch Transport- und Raffineriekapazitäten die Spritpreise. Diesel gilt als besonders krisenanfällig und liegt aktuell trotz niedrigerer Besteuerung über dem Benzinpreis. Nach Angaben des ADAC lassen sich die extremen Preise nicht allein mit den Rohölnotierungen erklären.

Große Preisunterschiede je nach Zeitpunkt und Tankstelle

Die Kraftstoffpreise variieren regional und zwischen den Tankstellen deutlich und schwanken stark im Tagesverlauf. Nach Preissprüngen um die Mittagszeit können die Preise innerhalb kurzer Zeit um mehr als 20 Cent steigen, fallen am Nachmittag meist rasch wieder und erreichen am späten Vormittag des folgenden Tages häufig ihr Tagestief. Entsprechend groß sind die Spannbreiten: Am Mittwoch war Super E10 am späten Vormittag an besonders günstigen Tankstellen teils für etwas mehr als 2,10 Euro zu bekommen, während kurz nach dem Preissprung um 12.00 Uhr an Autobahntankstellen für Premiumbenzin teilweise über 3 Euro je Liter verlangt wurde.

Rekordpreise als Belastung für Haushalte und Wirtschaft

Die neuen Rekordstände bei Benzin und Diesel treffen private Haushalte und Unternehmen in einer Phase, in der viele Budgets bereits durch hohe Lebenshaltungskosten und gestiegene Kreditzinsen unter Druck stehen. Wer regelmäßig mit dem Auto pendelt, spürt die höheren Ausgaben sofort im Monatsbudget. Besonders betroffen sind ländliche Regionen, in denen Alternativen wie Bahn oder ÖPNV oft fehlen und der Pkw unverzichtbar ist. Für Gewerbetreibende mit vielen Fahrten – etwa Handwerksbetriebe oder Pflegedienste – wird Mobilität zu einem zentralen Kostenfaktor.

Auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt haben die Preise Gewicht. Logistikunternehmen, Speditionen und die Fischerei beobachten, dass sich Fahrten oder Fangreisen bei den aktuellen Diesel- und Marinegasölpreisen teilweise kaum noch rechnen. Steigende Transportkosten können sich längs der Lieferketten fortpflanzen und am Ende die Preise für Waren und Lebensmittel erhöhen. Damit verstärken die Spritpreise den Inflationsdruck, auch wenn der Rohölpreis selbst derzeit nicht auf historischen Höchstständen liegt. Zusätzlich verschärfen begrenzte Raffinerie- und Transportkapazitäten sowie geopolitische Risiken die Lage.

Politische Debatte zwischen Entlastung und Klimazielen

Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Bundesregierung, rasch über spürbare Entlastungen zu entscheiden. Die Palette der diskutierten Instrumente reicht von einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe über reduzierte CO2-Aufschläge bis hin zu zielgenauen Direktzahlungen und Sonderabgaben auf sogenannte Übergewinne der Mineralölunternehmen. Gleichzeitig warnen Ökonomen davor, mit breit angelegten Steuersenkungen falsche Anreize zu setzen und die dringend notwendige Reduktion klimaschädlicher Emissionen zu bremsen. Die politische Herausforderung besteht darin, die härtesten Härten für Bürger und Betriebe abzumildern, ohne die energie- und klimapolitischen Ziele zu konterkarieren.

Ausblick: Mögliche Folgen für Mobilität und Verbrauch

Sollte das hohe Preisniveau anhalten, sind mittelfristig Veränderungen im Mobilitätsverhalten zu erwarten. Haushalte könnten Fahrten stärker bündeln, häufiger auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen oder bei Neuanschaffungen verstärkt auf effizientere Fahrzeuge setzen. Branchen mit hohem Kraftstoffverbrauch werden ihre kalkulierten Frachtraten und Dienstleistungspreise anpassen müssen, um wirtschaftlich zu bleiben. Für die Politik stellt sich die Frage, ob temporäre Hilfen reichen oder strukturelle Reformen im Steuersystem nötig werden, etwa um Klima- und Entlastungsziele besser zu verzahnen. Klar ist: Die aktuelle Preiswelle macht die Verwundbarkeit einer stark fossil geprägten Mobilität deutlich und verstärkt den Druck auf einen zügigen Ausbau alternativer Antriebe und Verkehrssysteme.

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