Reichstag, Palästinenser-Fahne

Reichstag: Mann hisst Palästina-Fahne am Sonntag

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 17:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein 22-Jähriger hielt sich rund eine Stunde auf dem Fahnenmast vor dem Reichstagsgebäude auf. Zwei weitere Männer sollen die Aktion unterstützt und gefilmt haben; gegen den Kletterer ermittelt nun der Staatsschutz.

Ermittlungen nach Flaggenwechsel am Bundestag

  • Der 22-Jährige kletterte am Sonntag auf den Mast vor dem Reichstagsgebäude und entfernte die Deutschlandflagge.
  • Die Berliner Feuerwehr nahm die Palästinenser-Fahne am Mittag wieder ab.
  • Der Staatsschutz prüft mehrere Vorwürfe, darunter die Verunglimpfung staatlicher Symbole und Hausfriedensbruch.
Ein Mann hat am Sonntag vor dem Deutschen Bundestag eine palästinensische Flagge gehisst statt der Deutschland-Flagge. - Bild: Gereon Asmuth/Gereon Asmuth/taz/dpa

Palästinenser-Fahne ersetzt Deutschlandflagge am Reichstag

Ein Mann hat am Sonntag vor dem Reichstagsgebäude die Deutschlandflagge vom Fahnenmast entfernt und stattdessen eine palästinensische Fahne gehisst. Die Berliner Feuerwehr nahm die Fahne am Mittag wieder ab, der 22-Jährige kam vorübergehend in Polizeigewahrsam.

Aktion dauert rund eine Stunde

Der Mann hielt sich nach Polizeiangaben rund eine Stunde lang auf dem Mast auf und war durch ein Klettergeschirr gesichert. Anschließend stieg er selbstständig wieder herunter.

Zwei Männer im Alter von 20 und 32 Jahren unterstützten ihn am Boden und filmten die Aktion. Alle drei besitzen nach Angaben einer Polizeisprecherin die deutsche Staatsbürgerschaft.

Bundestagspräsidentin fordert besseren Schutz

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) forderte als Reaktion mehr Schutz für den Deutschen Bundestag. Sie sagte, der Vorfall dürfe sich am Parlament nicht wiederholen; auch das unmittelbare Umfeld des Reichstagsgebäudes müsse in die Sicherheitsüberlegungen einbezogen werden.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bewertete die Aktion als geplant und als Respektlosigkeit. Der 20-jährige Unterstützer wurde später aus dem Polizeigewahrsam entlassen und erhielt einen Platzverweis. Der 32-Jährige bekam ebenfalls einen Platzverweis.

Staatsschutz prüft mehrere Vorwürfe

Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, der gemeinschädlichen Sachbeschädigung, eines Verstoßes gegen das Berliner Versammlungsfreiheitsgesetz und des Verdachts auf Hausfriedensbruch.

Die Gruppe „Peacefully Against Genocide“ übernahm am Vormittag die Verantwortung für die Aktion. Sie erklärte, es gehe um zivilgesellschaftliche Solidarität mit den Menschen in Palästina.

Der Vorfall verbindet einen symbolisch aufgeladenen Ort mit einer politischen Protestaktion. Die Flagge der Einheit am Reichstagsgebäude steht für die staatliche Einheit Deutschlands; ihr Austausch gegen eine palästinensische Fahne richtet den Protest unmittelbar gegen ein nationales Symbol und den Sitz des Parlaments.

Rechtlich geht es nicht allein um die politische Botschaft. Der Staatsschutz ermittelt wegen mehrerer möglicher Delikte, darunter der Verdacht der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, gemeinschädlicher Sachbeschädigung, eines Verstoßes gegen das Berliner Versammlungsfreiheitsgesetz und Hausfriedensbruchs. Ob und welche Vorwürfe sich erhärten, entscheiden die weiteren Ermittlungen.

Sicherheitsfrage am Parlament

Die Aktion wirft zugleich Fragen zum Schutz des unmittelbaren Umfelds des Bundestags auf. Der fast 30 Meter hohe Mast ist öffentlich sichtbar und liegt auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude. Die Forderung nach zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen muss dabei mit dem offenen Charakter des Parlamentsumfelds und dem Grundrecht auf politische Versammlung abgewogen werden.

Für die Öffentlichkeit sind zunächst die polizeilichen Ermittlungen und die Bewertung der beteiligten Personen entscheidend. Politisch dürfte außerdem die Zuständigkeit für den Schutz rund um das Reichstagsgebäude zwischen Bundes- und Berliner Stellen weiter diskutiert werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

stern: „Nationalsymbol: Palästinenser-Fahne vor Reichstag gehisst“ (08.11.2026)

Der Artikel bestätige den Austausch der Deutschlandflagge gegen eine palästinensische Fahne, die vorübergehende Festnahme und die Ermittlungen. Er hebe zudem hervor, dass die Gruppe „Peacefully Against Genocide“ die Verantwortung übernommen und die Aktion als Solidarität mit Menschen in Palästina bezeichnet habe.

tagesschau.de: „Berlin: Flagge der Einheit: Mann hisst Palästina-Flagge vor Reichstag“ (08.11.2026)

Der Beitrag ordne den Ablauf zeitlich genauer ein und nenne den fast 30 Meter hohen Mast sowie den Beginn der Aktion gegen 11.30 Uhr. Im Mittelpunkt stünden dort die polizeilichen Maßnahmen und die strafrechtlichen Ermittlungen; die politische Begründung der Gruppe trete gegenüber dem Einsatzgeschehen zurück.

Beide Beiträge stimmten beim Ablauf, den beteiligten Männern und den Ermittlungsrichtungen überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während stern die Verantwortungsübernahme der Gruppe einbeziehe, konzentriere sich tagesschau.de stärker auf Ort, Zeit und Konsequenzen.

Disclaimer...
de | politik | 70477738 |