Reformen: Kanzleramtschefin Warken fordert von Koalition mehr Tempo
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 20:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKanzleramtschefin Nina Warken hat die schwarz-rote Koalition nach den Landtagswahlen zu einem schnelleren und geschlosseneren Vorgehen bei Reformen aufgefordert.
Warken verlangt Umsetzung
Bei einem parlamentarischen Abend der Wirtschaftsverbände DIHK, BDA und BDI in Berlin sagte die CDU-Politikerin, mutige und umfassende Reformen müssten kommen. Sie seien nicht neu zu justieren, sondern schneller als bisher umzusetzen. Die Politik müsse liefern und die Koalition müsse Knoten lösen.
Streit über Rentenpläne
Nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeichnen sich schwierige Wochen für die Bundesregierung ab. In Mecklenburg-Vorpommern schaffte die CDU erstmals nicht den Einzug in den Landtag, in Berlin musste die SPD deutliche Verluste hinnehmen.
Die SPD erwartet von der Union Bewegung bei umstrittenen Vorhaben. Dazu zählt die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
„Gesamtkunstwerk“ soll bestehen bleiben
Warken bekräftigte, die Vorschläge der Rentenkommission seien als Gesamtpaket, als „Gesamtkunstwerk“, zu betrachten. Bei der Rente nach 45 Beitragsjahren brauche es Vertrauensschutz für Menschen kurz vor dem Ruhestand und Übergangsfristen. Das habe die Kommission ebenfalls vorgesehen.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas hatten sich im Sommer darauf festgelegt, die Empfehlungen der Regierungskommission als Gesamtpaket zu behandeln. Warken verlangte außerdem Tempo bei der geplanten Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und eine bessere Erklärung des Reformkurses.
Wirtschaft warnt vor Investitionszurückhaltung
DIHK-Präsident Peter Adrian sagte, Unternehmen hielten sich weiterhin mit Investitionen zurück. Dies zeige ein fehlendes Vertrauen in die wirtschaftlichen Standortbedingungen Deutschlands.
Die Bundesregierung müsse den Reformkurs endlich in Gang setzen und schneller sowie mutiger auf eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik ausrichten, forderte Adrian. Als zentrale Probleme nannte er hohe Arbeits- und Energiekosten sowie zu viel Bürokratie. Energieintensive Unternehmen seien international nicht mehr wettbewerbsfähig.
Reformdruck nach den Wahlen
Die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin erhöhen den politischen Druck auf die Koalition. Die CDU verlor in Mecklenburg-Vorpommern ihre Landtagsvertretung, während die SPD in Berlin deutliche Einbußen hinnehmen musste. Damit stehen beide Regierungsparteien vor der Aufgabe, ihre politischen Vorhaben stärker zu begründen und sozial abzufedern.
Im Mittelpunkt steht die Rentenpolitik. Die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren berührt unmittelbar die Erwartungen langjährig Versicherter. Vertrauensschutz und Übergangsfristen sollen verhindern, dass Menschen kurz vor dem Ruhestand von neuen Regeln überrascht werden. Zugleich ist der Punkt mit der Finanzierung des gesamten Reformpakets verknüpft.
Wirtschaft wartet auf Entscheidungen
Die Forderungen der Wirtschaftsverbände spiegeln ein strukturelles Problem wider: Unternehmen halten Investitionen zurück, wenn Kosten, Bürokratie und politische Rahmenbedingungen als dauerhaft belastend gelten. Hohe Energie- und Arbeitskosten treffen besonders energieintensive und international ausgerichtete Betriebe.
Für Bürgerinnen und Bürger entscheidet sich die Bedeutung des Reformkurses daran, ob Veränderungen bei Rente, Arbeitsmarkt und sozialen Sicherungssystemen nachvollziehbar, finanzierbar und verlässlich umgesetzt werden. Schnelleres Regierungshandeln kann Vertrauen stärken, verschärft aber den Koalitionskonflikt, wenn soziale Folgen und Belastungen nicht gemeinsam geregelt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Nach Landtagswahlen SPD fordert Kurskorrektur bei Reformen - Union signalisiert Entgegenkommen“ (21.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, die SPD fordere nach den Wahlergebnissen eine Kurskorrektur und wolle Reformen gemeinsam mit der Union verändern. Zugleich zeige er, dass Friedrich Merz und Karin Prien Gespräche und Kompromisse signalisierten; der Beitrag setze damit den Schwerpunkt auf die parteipolitische Reaktion nach den Wahlen.
Tagesspiegel: „Merz, die SPD und die Zukunft von Schwarz-Rot: Die Reformen sollen bleiben – nur anders“ (22.09.2026)
Der Artikel schreibe, Union und SPD seien sich über die Notwendigkeit von Reformen weitgehend einig, stritten aber über deren soziale Ausgestaltung. Besonders bei der Rente sehe der Bericht einen zentralen Konflikt und betone, konkrete Änderungswünsche der SPD blieben teilweise offen.
Beide Berichte bestätigten den wachsenden Reformdruck nach den Landtagswahlen. Während der Deutschlandfunk stärker die Forderung nach einer Kurskorrektur und mögliche Kompromisse betone, stelle der Tagesspiegel die Rentenreform und die offene Frage nach ihrer konkreten Ausgestaltung in den Mittelpunkt.
