Pflegeversicherung: Kinderlose sollen ab Januar mehr zahlen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bundesregierung will den Zuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose zum 1. Januar von 0,6 auf 0,9 Prozent anheben und damit die Finanzlage der Pflegekassen stabilisieren.
Mehr Einnahmen durch höhere Beiträge
Der Zuschlag soll zunächst 3,3 Milliarden Euro zusätzlich einbringen. Der allgemeine Beitragssatz bleibt nach dem Gesetzentwurf bei 3,6 Prozent und wird weiterhin paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Für Kinderlose steigt der Gesamtbeitrag damit von derzeit 4,2 auf 4,5 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen.
Zusätzlich soll die Beitragsbemessungsgrenze in der Pflegeversicherung um 300 Euro im Monat steigen. Das soll jährlich rund 500 Millionen Euro einbringen.
Weitere Belastungen ab 2028
Ab Juli 2027 sollen zudem Vorschläge einer Pflegestrukturkommission umgesetzt werden. Für die Mitversicherung von Ehegatten oder Lebenspartnern ist ab 2028 ein Zuschlag von 0,52 Prozent vorgesehen; für pflegende Angehörige soll es Ausnahmen geben. Auch für Minijobs sollen künftig Pflegeversicherungsbeiträge fällig werden, die rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr einbringen könnten.
Weniger Einschnitte bei Leistungen
Im Gegenzug soll eine ursprünglich geplante Anhebung der Leistungen im Jahr 2028 entfallen. Dadurch sollen die Ausgaben um 4,7 Milliarden Euro sinken. Änderungen bei der Begutachtung sollen die Vergabe der Pflegegrade 1 bis 3 zielgenauer machen; Prävention und Rehabilitation sollen stärker berücksichtigt werden.
Die Pflegeversicherung soll weiterhin die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende An- und Zugehörige vollständig übernehmen. Ab 2029 ist eine jährliche Anpassung der Leistungsbeiträge an die Inflation vorgesehen.
Streit über private Pflegeversicherung vertagt
Die private Pflegeversicherung soll zunächst nicht an der Finanzierung beteiligt werden. Die Frage eines möglichen Ausgleichs zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung bleibt damit ebenso offen wie ein von der SPD geforderter Deckel für Eigenanteile in Pflegeheimen.
Neue Angebote für Versicherte
Geplant sind ein «Check-up 60+», ein zentraler Online-Zugang mit Informationen zur Pflege sowie Akut-Kurzzeitpflegeplätze für Notsituationen. Familien mit pflegebedürftigen Kindern und anerkannte Bekannte sollen nach den Plänen ein Budget von rund 3.600 Euro jährlich nutzen können.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ließ erklären, Ziel sei eine gerechtere Pflege. Unionsfraktionschef Linnemann kündigte einen Plan an, der die Pflege für die 2030er-Jahre stabilisieren solle.
Finanzdruck trifft auf wachsenden Bedarf
Die Einigung reagiert auf ein strukturelles Problem: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, während die Ausgaben durch höhere Löhne, Sachkosten und den Ausbau professioneller Pflege wachsen. Die Pflegeversicherung übernimmt zudem grundsätzlich nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Vor allem bei stationärer Pflege bleiben deshalb erhebliche Eigenanteile.
Die geplanten Mehreinnahmen verteilen die Last unterschiedlich. Kinderlose Beschäftigte, Besserverdienende durch die höhere Beitragsbemessungsgrenze und künftig auch Minijobs werden stärker herangezogen. Für die Mehrheit bleibt der allgemeine Beitragssatz zunächst stabil. Die geplante Beteiligung mitversicherter Ehe- oder Lebenspartner ab 2028 würde die beitragsfreie Familienversicherung zusätzlich begrenzen.
Entlastung heute, Grundsatzfragen später
Für Pflegebedürftige und Angehörige ist entscheidend, dass die vollständige Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige erhalten bleibt und Leistungsanpassungen ab 2029 an die Inflation gekoppelt werden sollen. Zugleich können präzisere Regeln bei Pflegegraden den Zugang zu Leistungen erschweren, insbesondere in den unteren Pflegegraden.
Die Einigung verschiebt zentrale Verteilungsfragen in die angekündigte Pflegestrukturkommission. Dazu gehören die Finanzierung der privaten Pflegeversicherung, ein möglicher Deckel für Eigenanteile im Pflegeheim und ein dauerhafter Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben. Für Versicherte bedeutet das: Die kurzfristige Finanzierung ist geklärt, die langfristige Reform der Pflege bleibt offen.
