Pflegereform: VDAB warnt vor 500-Millionen-Euro-Lücke
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 11:43 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) warnt vor den Folgen der stockenden Verhandlungen über die geplante Pflegereform. Ab Oktober fehlen der Pflegeversicherung rund 500 Millionen Euro, sagte VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling den Funke-Medien.
Verband fordert schnelle Entscheidung
„Diese Hängepartie ist höchst problematisch und lässt den Druck noch weiter steigen“, sagte Knieling. Eine schnelle Lösung sei derzeit nicht in Sicht, wodurch die Unsicherheit bei Pflegeeinrichtungen und Pflegebedürftigen zunehme.
Union und SPD müssten alles daransetzen, die Reform auf den Weg zu bringen, forderte der VDAB-Bundesgeschäftsführer. Die geplante Strukturreform dürfe jedoch nicht zum politischen Selbstzweck werden, sondern müsse sich an den Bedingungen in der Praxis orientieren.
Finanzierung für 2027 im Mittelpunkt
Die Pflegebranche brauche Planungssicherheit und Klarheit über die künftige Finanzierung, erklärte Knieling. Andernfalls seien sowohl die pflegerische Versorgung als auch die Pflegeversicherung selbst gefährdet.
Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will das Pflegeneuordnungsgesetz nach eigenen Angaben in der kommenden Woche ins Kabinett einbringen. Mit dem Gesetz soll die Finanzierung der Pflegeversicherung für 2027 stabilisiert werden; dafür müssten nach Linnemanns Angaben rund 8 Milliarden Euro eingespart werden.
Koalition streitet über Leistungskürzungen
Die SPD lehnt Leistungskürzungen ab und fordert unter anderem eine Deckelung der Eigenanteile von Pflegeheimbewohnern. Außerdem verlangt sie einen stärkeren finanziellen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung.
In der Koalition laufen dazu weiterhin Gespräche. Parallel plant Linnemann eine weitergehende Strukturreform mit einer Expertenkommission, deren Vorschläge im kommenden Jahr Grundlage für eine umfassendere Neuordnung der Pflege werden sollen.
Die Pflegeversicherung steht vor einem doppelten Problem: Die Ausgaben steigen, während die Einnahmen der sozialen Pflegeversicherung nicht im gleichen Maß wachsen. Ursache sind unter anderem die Alterung der Bevölkerung, höhere Lohn- und Personalkosten in der Pflege sowie der wachsende Bedarf an stationärer und ambulanter Unterstützung. Das für Oktober erwartete Finanzierungsloch von rund 500 Millionen Euro verschärft den Zeitdruck zusätzlich.
Mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz soll zunächst die Finanzierung für 2027 stabilisiert werden. Die von Gesundheitsminister Carsten Linnemann genannte Einsparsumme von rund 8 Milliarden Euro macht deutlich, dass es nicht nur um technische Änderungen geht. Jede Kürzung oder Begrenzung kann sich auf Pflegebedürftige, Angehörige, Einrichtungen und Beschäftigte auswirken. Besonders umstritten sind mögliche Einschnitte bei Unterstützungsleistungen sowie die Frage, wie stark Pflegebedürftige bei den Eigenanteilen entlastet werden.
Streit über Finanzierung und Struktur
Union und SPD verfolgen bislang unterschiedliche Ansätze. Während die Union auf Einsparungen und eine spätere Strukturreform setzt, verlangt die SPD unter anderem eine Deckelung der Eigenanteile und einen stärkeren finanziellen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung. Für Pflegeeinrichtungen bedeutet die Verzögerung vor allem fehlende Planungssicherheit bei Personal, Investitionen und Leistungsangeboten. Eine nachhaltige Reform müsste daher kurzfristige Haushaltsentlastung mit verlässlichen Finanzierungsregeln und einer tragfähigen Versorgung verbinden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „SPD stoppt vorerst Pflegereform: "Das lassen wir nicht zu"“ (25.09.2026)
Der Beitrag beschreibt den Widerstand der SPD gegen geplante Leistungskürzungen und die Forderung nach einem Deckel für Eigenanteile. Er bestätigt damit den Koalitionsstreit und legt den Schwerpunkt auf die politische Blockadedrohung.
BR24: „Pflegereform verzögert sich offenbar“ (25.09.2026)
BR24 stellt die mögliche Verzögerung des Kabinettsbeschlusses in den Mittelpunkt. Anders als der tagesschau-Beitrag betont der Bericht vor allem den Gegensatz zwischen sofortigen Einsparungen und späteren strukturellen Verbesserungen.
Beide Beiträge stimmen darin überein, dass der Zeitplan für die Pflegereform unter Druck steht. Offen bleibt, ob Union und SPD vor dem geplanten Kabinettstermin einen Kompromiss bei Einsparungen, Eigenanteilen und der Finanzierung erreichen.
