Pflegereform, Pflegeversicherung

Pflegereform: Union und SPD ringen vor Kabinettsbeschluss um Kompromiss

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 14:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Union und SPD ringen weiter um die geplante Pflegereform. Streit gibt es vor allem über Einsparungen, einen Pflegedeckel für Heimbewohner und eine Beteiligung der privaten Pflegeversicherung – der Kabinettsbeschluss am Mittwoch ist deshalb offen.

  • Über die Pflege-Sparpläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann, die auf einer Vorlage seiner Vorgängerin Nina Warken (beide CDU) beruhen, ringt derzeit die Koalition. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
    Über die Pflege-Sparpläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann, die auf einer Vorlage seiner Vorgängerin Nina Warken (beide CDU) beruhen, ringt derzeit die Koalition. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
  • Die Kosten für Pflege im Heim zählen zu den Streitpunkten der Koalition. (Symbolbild) - Bild: Tom Weller/dpa
    Die Kosten für Pflege im Heim zählen zu den Streitpunkten der Koalition. (Symbolbild) - Bild: Tom Weller/dpa
  • SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis fordert eine Beteiligung der Privatversicherten. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis fordert eine Beteiligung der Privatversicherten. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Über die Pflege-Sparpläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann, die auf einer Vorlage seiner Vorgängerin Nina Warken (beide CDU) beruhen, ringt derzeit die Koalition. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa Die Kosten für Pflege im Heim zählen zu den Streitpunkten der Koalition. (Symbolbild) - Bild: Tom Weller/dpa SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis fordert eine Beteiligung der Privatversicherten. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Union und SPD ringen am Dienstag weiter um einen Kompromiss bei der geplanten Pflegereform, deren Kabinettsbeschluss für Mittwoch vorgesehen ist.

Koalition sucht Kompromiss

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will mit seinem Entwurf vor allem die Finanzen der Pflegeversicherung stabilisieren und einen weiteren Anstieg der Beiträge verhindern. Die SPD lehnt ein reines Kürzungspaket ab; auch eine spätere Befassung des Kabinetts wurde nicht ausgeschlossen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis sagte, es gebe noch keine Einigung, er sei aber zuversichtlich, dass sich die Koalition annähern werde. CDU-Vizechef Karl-Josef Laumann wies Forderungen der SPD zurück, weil sie viel Geld kosteten; zugleich müsse die Pflegeversicherung weiter sparen.

Pflegekassen unter Finanzdruck

Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung liegt bei 3,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen, für Kinderlose bei 4,2 Prozent. Die Kassen erwarten in diesem Jahr ein Defizit von 4,4 Milliarden Euro; 2027 könnten zusätzlich zehn Milliarden Euro erforderlich sein.

Nach den Plänen sollen die 2022 eingeführten Zuschläge für Pflegeheimbewohner zeitlich gestreckt werden. Sie sollen die steigenden Eigenanteile abfedern. Die Maßnahme könnte die Pflegekassen im kommenden Jahr um 2,6 Milliarden Euro entlasten. Weitere Vorschläge betreffen strengere Regeln für die Einstufung in Pflegegrade und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern.

SPD fordert Pflegedeckel

Die SPD verlangt eine gerechtere Verteilung der Finanzierungsverantwortung, eine Begrenzung der Eigenanteile im Pflegeheim und eine Beteiligung der Privatversicherten. Als Vorstufe zu einem gemeinsamen solidarischen System soll es zumindest einen finanziellen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung geben.

Der vorgeschlagene Pflegedeckel von 1.500 Euro würde zunächst nur die reinen Pflegekosten begrenzen. Bei einem durchschnittlichen monatlichen Eigenanteil von 3.364 Euro für Betroffene oder Angehörige wäre die Entlastung nach Linnemanns Einschätzung vergleichsweise gering.

Kommunen warnen vor Folgekosten

Unterstützung erhält die Deckelung von den Kommunen. Landkreise springen mit Sozialhilfe ein, wenn Pflegebedürftige und Angehörige die verbleibenden Heimkosten nicht tragen können. Nach Angaben des Landkreistags drohen ihnen angesichts der demografischen Entwicklung langfristig jährliche Kosten von rund zwölf Milliarden Euro.

Linnemann lehnt eine Beteiligung der privaten Pflegeversicherung als Eingriff in fremde Kassen ab. Laumann warnte zudem vor rechtlichen Problemen und einem möglichen Ende des dualen Systems. Offen ist auch die Forderung des Gesundheitsministers, dass das Finanzministerium mehr als fünf Milliarden Euro Corona-Hilfen an die Pflegeversicherung zurückzahlen soll.

Finanzdruck trifft auf wachsende Eigenanteile

Die Reform steht im Spannungsfeld zwischen der akuten Finanznot der Pflegeversicherung und den seit Jahren steigenden Belastungen für Pflegebedürftige. Für 2026 wird ein Defizit von 4,4 Milliarden Euro erwartet; für 2027 steht eine zusätzliche Finanzierungslücke von rund zehn Milliarden Euro im Raum. Damit geht es nicht nur um einzelne Leistungen, sondern um die Zahlungsfähigkeit der sozialen Pflegeversicherung.

Besonders konfliktträchtig ist der Eigenanteil im Pflegeheim. Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten, während Bewohner und Angehörige Unterkunft, Verpflegung und weitere Aufwendungen selbst tragen müssen. Ein Deckel auf den reinen Pflegekosten würde die Belastung deshalb begrenzen, aber nicht sämtliche Heimkosten erfassen. Für Betroffene bleibt entscheidend, wie hoch der gesamte monatliche Eigenanteil ausfällt.

Reform mit Folgen für Versicherte

Der Entwurf verbindet kurzfristige Einsparungen mit strukturellen Änderungen. Höhere Hürden bei der Einstufung, eine mögliche Streckung von Zuschüssen und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung könnten den Zugang zu Leistungen erschweren oder die Finanzierung breiter verteilen. Die SPD verlangt dagegen eine stärkere Beteiligung privat Pflegeversicherter und eine Begrenzung der Eigenanteile.

Für Pflegebedürftige und Angehörige bleibt damit vor allem offen, ob der Kabinettsbeschluss wie geplant zustande kommt und welche Kompromisse Union und SPD bei Finanzierung, Leistungsumfang und Heinkosten finden. Eine Verschiebung würde den Zeitplan für das geplante Inkrafttreten der Reform verlängern, den Finanzdruck der Kassen aber nicht beseitigen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Berlin Diskussion um Pflegereform: Koalition sucht Kompromiss“ (29.09.2026)

Der Bericht bestätige den Streit über Leistungskürzungen, Pflegedeckel und eine stärkere Beteiligung der Privatkassen. Er stelle zusätzlich die Warnungen vor der Finanzlücke sowie Kritik aus dem CDU-Arbeitnehmerflügel und von Verdi heraus; offen bleibe, ob der Entwurf am Mittwoch das Kabinett passiere.

WDR: „Wer profitiert von der Pflegereform. Und wer nicht?“ (28.09.2026)

Der Beitrag bestätige die zentralen Streitpunkte und ordne sie stärker aus Sicht der möglichen Gewinner und Verlierer ein. Er beschreibe neben dem Pflegedeckel auch geplante Änderungen bei Pflegegraden, Beiträgen und Familienversicherung und betone, dass die Zeit für einen Reformstart im Januar 2027 knapp werde.

Beide Berichte stellten den Finanzdruck und den Konflikt über die soziale Verteilung der Lasten heraus; während der Deutschlandfunk zusätzliche Stimmen von Gewerkschaft und CDU-Arbeitnehmerflügel einbeziehe, fokussiere der WDR stärker auf konkrete Auswirkungen für Versicherte und Pflegebedürftige.

Disclaimer...

de | politik | 70198546 |