Pflegebranche fordert Ende der Kartenfahrten in Arztpraxen
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Private Pflegeanbieter kritisieren den hohen Zeitaufwand, der entsteht, wenn Versichertenkarten von Pflegebedürftigen regelmäßig in Arztpraxen eingelesen werden müssen.
Hoher Verwaltungsaufwand
Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, sagte der Deutschen Presse-Agentur, jede verfügbare Minute werde für die Versorgung der wachsenden Zahl Pflegebedürftiger gebraucht. Das Herumfahren von Karten und das Warten in Praxen sei aus seiner Sicht nicht mehr zeitgemäß.
Einlesen einmal pro Quartal
Hintergrund ist, dass viele Pflegebedürftige ihre Versichertenkarte einmal im Quartal in einer Arztpraxis einlesen lassen müssen. Das betrifft etwa Menschen in Heimen, die verschreibungspflichtige Medikamente erhalten, oder Personen, die zu Hause pflegerisch versorgt werden.
Verband fordert digitalen Abruf
Häufig übernehmen Beschäftigte von Pflegediensten oder Pflegeeinrichtungen diese Wege. Der Verband fordert deshalb, dass der Versichertenstatus künftig digital über die Telematikinfrastruktur abgerufen und abrechnungsfähig verarbeitet werden kann.
Mehr Zeit für Pflege
Nach einer Szenariorechnung des Verbands entstehen aus dem quartalsweisen Einlesen bundesweit Millionen Stunden organisatorischer Aufwand. Der Verband verweist darauf, dass diese Zeit stattdessen für Pflege und pflegenahe Aufgaben genutzt werden könnte.
Einordnung der Forderung
Der Verband greift ein alltägliches Problem in Pflege und ambulanter Versorgung auf: Für die Abrechnung müssen Versichertenkarten regelmäßig in Arztpraxen eingelesen werden, obwohl Pflegekräfte ohnehin unter hohem Zeitdruck arbeiten. Der Vorstoß zielt deshalb auf eine Entlastung bei einer administrativen Routine, die aus Sicht der Einrichtungen keine pflegerische Leistung ersetzt, aber Personal bindet.
Digitalisierung als Entlastungsfrage
Die Forderung passt in eine breitere Debatte über den Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Gerade in der Pflege wird technischer Fortschritt häufig daran gemessen, ob er tatsächlich Arbeitszeit freisetzt und Wege reduziert, statt zusätzliche Schnittstellen und Abstimmungen zu erzeugen. Für Heime, ambulante Dienste und Angehörige wäre ein digitaler Abruf vor allem dann relevant, wenn er rechtssicher, schnell und ohne Mehraufwand in den Alltag integrierbar ist.
Praktische Bedeutung für den Alltag
Die Größenordnung der genannten Belastung macht den Ansatz politisch anschlussfähig: Wenn sich organisatorische Abläufe in vielen Einrichtungen parallel vereinfachen ließen, könnte das spürbar Personal entlasten. Für Pflegebedürftige hätte das vor allem organisatorische Folgen, für Träger und Praxen vor allem abrechnungstechnische. Ob daraus eine gesetzliche Änderung wird, hängt davon ab, wie sich Entlastung, Datenschutz, technische Umsetzbarkeit und der Aufwand auf Seiten der Praxen miteinander verbinden lassen.
