Pflegeversicherung, Sozialpolitik

Patientenschützer Brysch fordert Zusammenlegung der Pflegeversicherungen

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Patientenschützer Eugen Brysch fordert angesichts der Finanzprobleme der Pflegekassen eine Zusammenlegung der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung. Er sieht Bund und Länder in der Verantwortung für die Schieflage und verlangt mutige Entscheidungen der schwarz-roten Koalition.

Patientenschützer fordert Zusammenlegung der Pflegeversicherungen
Alte Frau in einem Pflegeheim (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert angesichts der Finanzprobleme der Pflegekassen eine Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung. Die schwarz-rote Koalition müsse aus seiner Sicht jetzt Entscheidungen treffen, um die Pflegeversicherung langfristig zu stabilisieren.

Forderung nach vereintem Pflegesystem

Brysch bezeichnet die Zusammenführung der beiden Pflegesysteme als überfällig und verweist darauf, dass gesetzliche und private Pflegeversicherung nach seiner Darstellung die gleichen Leistungen bieten. Nach diesem Konzept würde niemandem etwas vorenthalten, zugleich entstünde zusätzliche finanzielle Stabilität. Durch die Einbeziehung der privaten Pflegeversicherung mit ihren Rücklagen sollen Spielräume geschaffen werden.

Die soziale Pflegeversicherung hätte nach Bryschs Rechnung für rund 15 Jahre mehr Luft, wenn die Rücklagen aus der privaten Pflegeversicherung einbezogen würden. Er verweist dabei auf ein Volumen von über 40 Milliarden Euro, das derzeit im privaten Bereich gebunden ist. Eine gemeinsame Finanzierung könnte aus seiner Sicht dazu beitragen, Beitragssätze und Leistungen verlässlicher zu planen.

Kritik an Bund und Ländern

Der Patientenschützer macht Bund und Länder für die derzeitige finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung mitverantwortlich. Er kritisiert, dass Berlin die in der Corona-Pandemie aufgenommenen Kredite für die Pflegeversicherung in Höhe von 5,5 Milliarden Euro nicht zurückzahle. Aus seiner Sicht verschärft dies die Lage der Pflegekassen zusätzlich.

Zugleich wirft Brysch der schwarz-roten Bundesregierung vor, die mittlerweile auf jährlich fünf Milliarden Euro angestiegenen Rentenversicherungsleistungen für pflegende Angehörige nicht zu übernehmen. Diese Zahlungen würden damit weiter aus Mitteln der Pflegeversicherung finanziert. Auch die Länder sieht er in der Pflicht: Sie entsolidarisierten sich nach seiner Einschätzung bei der Finanzierung von Pflegeheimplätzen und trügen damit zur Belastung der Pflegekassen bei.

Appell an die schwarz-rote Koalition

Mit Blick auf die geplanten Reformen im Pflegebereich fordert Brysch, dass die schwarz-rote Koalition den Schritt zu einer gemeinsamen Pflegeversicherung wagt. Er spricht von der Notwendigkeit mutiger Entscheidungen, um die Finanzierung der Pflege langfristig zu sichern. Aus seiner Sicht reicht es nicht aus, nur auf Beitragserhöhungen oder einzelne Sparmaßnahmen zu setzen.

Stattdessen plädiert der Patientenschützer für eine strukturelle Reform, bei der gesetzliche und private Pflegeversicherung zusammengeführt werden. Die hohen Rücklagen der privaten Pflegeversicherung sollen dabei helfen, die Defizite in der sozialen Pflege auszugleichen. Die Debatte um die Zukunft der Pflegeversicherung erhält durch den Vorstoß zusätzlichen Druck, weil sie grundlegende Fragen nach der Verteilung von Kosten und Verantwortung zwischen Bund, Ländern und Versicherten berührt.

Die Forderung von Eugen Brysch nach einer Zusammenlegung der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung richtet sich gegen den Hintergrund einer sich zuspitzenden Finanzlage der Pflegekassen. In der sozialen Pflegeversicherung hat sich zuletzt ein deutliches Defizit aufgebaut, während die private Pflegeversicherung hohe Rücklagen angesammelt hat. Brysch argumentiert, dass diese unterschiedlichen Finanzsituationen durch eine gemeinsame Versicherung ausgeglichen werden könnten.

Finanzdruck auf die soziale Pflegeversicherung

Aktuell berichten die Verbände der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen von Millionen-Defiziten und warnen vor Finanzierungslücken bereits im laufenden Jahr. Die Ausgaben für Pflegeleistungen steigen, unter anderem durch höhere Personal- und Sachkosten sowie eine wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen. Gleichzeitig stützen sich die Kassen auf Bundesdarlehen, um kurzfristige Liquiditätsprobleme zu überbrücken, was den strukturellen Reformbedarf zusätzlich verdeutlicht.

Vor diesem Hintergrund bereitet die schwarz-rote Koalition im Bund eine Pflegereform für den Herbst vor. Geplant sind sowohl Mehreinnahmen als auch Ausgabenbegrenzungen, etwa über Beitragserhöhungen für bestimmte Gruppen oder Anpassungen bei Leistungsansprüchen. Bryschs Vorschlag zielt hingegen darauf, die Finanzierungsbasis insgesamt zu verbreitern, indem die bislang getrennten Systeme von privater und gesetzlicher Pflegeversicherung zusammengeführt werden.

Bedeutung für Versicherte und Pflegebedürftige

Für gesetzlich und privat Pflegeversicherte wäre eine Zusammenlegung vor allem dann einschneidend, wenn sich Verteilungsschlüssel, Beitragssätze oder Leistungszugänge verändern. Brysch betont, dass die Leistungsversprechen beider Systeme bereits weitgehend deckungsgleich seien und damit keine Gruppe schlechter gestellt würde. Gleichzeitig verweist er auf politische Verantwortung: Aus seiner Sicht verschärfen nicht zurückgezahlte Corona-Darlehen, nicht übernommene Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige und eine aus seiner Perspektive unzureichende Beteiligung der Länder an Heimkosten die heutigen Probleme. Die Debatte über Strukturreformen der Pflegeversicherung dürfte damit an Schärfe gewinnen, weil sie grundlegende Fragen von Solidarität, Lastenverteilung und staatlicher Mitfinanzierung berührt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Pflegekassen droht ab Oktober Finanzierungslücke" (31.08.2026)

Der Beitrag beschreibt die angespannte Finanzlage der Pflegekassen mit einem erwarteten Defizit von 1,2 Milliarden Euro und warnt vor einer Finanzierungslücke ab Oktober. Im Fokus stehen geplante Maßnahmen der schwarz-roten Koalition und des Gesundheitsministeriums, um die Zahlungsfähigkeit zu sichern. Im Vergleich zur Forderung Bryschs betont der Artikel stärker die kurzfristige Konsolidierung innerhalb des bestehenden Systems, während strukturelle Schritte wie eine Zusammenlegung der Versicherungen dort nicht im Mittelpunkt stehen.

FOCUS online: „Pflegekassen-Alarm: 'In wenigen Monaten ist das Geld alle'" (31.08.2026)

Auch dieser Artikel stellt die drohende Zahlungsunfähigkeit der Pflegekassen heraus und verweist auf das hohe Defizit sowie das Bundesdarlehen von 3,2 Milliarden Euro. Er konzentriert sich auf die geplante Pflegereform und mögliche Beitragserhöhungen als Antwort der schwarz-roten Koalition auf die angespannten Finanzen. Während Brysch eine grundlegende Systemreform mit Zusammenlegung der Pflegeversicherungen verlangt, zeigt der Beitrag vor allem, wie die Regierung zunächst innerhalb des dualen Systems gegensteuern will und welche Belastungen auf Beitragszahler zukommen könnten.

Übergreifend bestätigen die Medienberichte die kritische Finanzlage der Pflegekassen und den Reformdruck, setzen aber unterschiedliche Akzente: Während die Regierungspläne kurzfristige Stabilisierung und begrenzte Beitragseingriffe in den Vordergrund stellen, verweist Brysch auf die strukturelle Entlastung durch eine Zusammenführung der Versicherungszweige und eine stärkere politische Mitfinanzierung.

Disclaimer...

de | politik | 70040291 |