Palästina-Fahne: 22-Jähriger tauscht Flagge am Reichstag aus
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 16:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSErmittlungen nach Fahnenwechsel
- Der 22-Jährige stieg auf den Mast am Platz der Republik und warf die Deutschlandflagge zu Boden.
- Zwei Männer im Alter von 20 und 32 Jahren unterstützten ihn und filmten die Aktion.
- Der Staatsschutz prüft vier mögliche Verstöße, darunter Hausfriedensbruch und gemeinschädliche Sachbeschädigung.
Palästina-Fahne ersetzt Deutschlandflagge am Reichstag
Ein 22-Jähriger ist am Sonntag auf den Fahnenmast vor dem Reichstagsgebäude geklettert und hat die Deutschlandflagge durch eine palästinensische Fahne ersetzt. Die Berliner Feuerwehr nahm die Fahne am Mittag wieder ab, während der Mann und zwei Unterstützer vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen wurden.
Eine Stunde auf dem Fahnenmast
Der Mann hielt sich nach Polizeiangaben rund eine Stunde auf dem Mast auf und war mit einem Klettergeschirr gesichert. Anschließend stieg er selbstständig wieder herunter; die deutsche Flagge hatte er zuvor zu Boden geworfen.
Zwei Männer im Alter von 20 und 32 Jahren unterstützten ihn am Fuß des Mastes und filmten die Aktion. Alle drei Beteiligten haben nach Angaben der Polizei die deutsche Staatsbürgerschaft.
Klöckner fordert mehr Schutz
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) forderte als Reaktion mehr Schutz für den Deutschen Bundestag. Sie erklärte, das Parlament dürfe nicht zur Kulisse für Aktivismus jeder Art werden, und verwies auch auf die Verantwortung Berlins für das unmittelbare Umfeld des Reichstags.
Der 20-jährige Unterstützer wurde später aus dem Polizeigewahrsam entlassen und erhielt einen Platzverweis. Der 32-Jährige bekam ebenfalls einen Platzverweis.
Staatsschutz übernimmt Ermittlungen
Der Kletterer soll dem Staatsschutz überstellt werden. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, gemeinschädlicher Sachbeschädigung, eines Verstoßes gegen das Berliner Versammlungsfreiheitsgesetz und Hausfriedensbruchs.
Die Gruppe „Peacefully Against Genocide“ übernahm am Vormittag die Verantwortung für die Aktion. Sie erklärte, damit zivilgesellschaftliche Solidarität mit den Menschen in Palästina zeigen zu wollen.
Die Aktion verbindet einen symbolischen Eingriff in ein staatliches Hoheitszeichen mit einem politischen Protest für die palästinensische Seite. Der Ort verstärkt die Wirkung: Die Flagge der Einheit erinnert am Platz der Republik dauerhaft an die deutsche Wiedervereinigung und steht damit für einen zentralen Bezugspunkt der Bundesrepublik.
Symbolischer Ort, konkrete Strafvorwürfe
Nach der Polizeiangabe richtet sich der Verdacht unter anderem auf die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, gemeinschädliche Sachbeschädigung, Verstöße gegen das Berliner Versammlungsfreiheitsgesetz und Hausfriedensbruch. Damit geht es neben der politischen Botschaft auch um den Schutz eines öffentlich zugänglichen, aber besonders sensiblen Ortes.
Die Ermittlungen des Staatsschutzes sollen klären, wie die Beteiligten vorgingen und welche Rolle die beiden Unterstützer spielten. Für die Sicherheitsdebatte ist der Vorfall deshalb relevant, weil der Mann trotz der symbolträchtigen Lage etwa eine Stunde auf dem Mast bleiben konnte.
Debatte über Schutz und Protest
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verlangt mehr Schutz für das Parlament und bezieht dabei ausdrücklich das Umfeld des Reichstags ein. Die weitere politische Bedeutung dürfte davon abhängen, ob Sicherheitsmaßnahmen verändert werden und wie Behörden zwischen legitimer Versammlung, zivilem Ungehorsam und strafbaren Eingriffen unterscheiden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Berlin: Flagge der Einheit: Mann hisst Palästina-Flagge vor Reichstag“ (08.11.2026)
Der Beitrag bestätigt den Ablauf und nennt als Zeitpunkt des Aufstiegs etwa 11.30 Uhr sowie den eigenständigen Abstieg gegen 12.30 Uhr. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Einsatzablauf und den Ermittlungen des Staatsschutzes.
taz: „Palästina-Flagge vor dem Bundestag: Aktivist ersetzt Deutschland-Flagge“ (08.11.2026)
Die taz berichte ebenfalls über den Austausch der Flaggen und die Ermittlungen, stelle jedoch stärker die politische Initiative hinter der Aktion und deren angekündigte weiteren Proteste heraus. Offen bleibt in beiden Beiträgen der weitere Verlauf des Verfahrens.
Übereinstimmend werde der Ablauf mit drei Beteiligten und dem anschließenden Abnehmen der Palästina-Fahne beschrieben; Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt zwischen Einsatzgeschehen und politischer Motivation.
