Ost-West-Vermögensgefälle, Sören Pellmann

Ostdeutsche Haushalte besitzen im Schnitt 125.500 Euro

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Einheitsbericht beziffert das durchschnittliche Nettovermögen ostdeutscher Haushalte auf weniger als die Hälfte des westdeutschen Werts. Linke und Grüne verlangen deshalb politische Schritte, die jungen Menschen unabhängig vom Elternhaus mehr Startkapital verschaffen.

Ost-Politiker fordern Vermögensausgleich
Sören Pellmann (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sören Pellmann, fordert anlässlich des Jahresberichts zum Stand der deutschen Einheit einen Vermögensausgleich zwischen Ost- und Westdeutschland. Anlass sind Angaben der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), wonach das durchschnittliche Netto-Vermögen 2023 im Osten 125.500 Euro und im Westen 257.100 Euro betrug.

Pellmann sagte, Ost und West seien von gleichwertigen Lebensverhältnissen weiterhin weit entfernt. Der Ostexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, verwies ebenfalls auf schlechtere Startbedingungen für junge Ostdeutsche und warb für ein Grunderbe.

Pellmann kritisiert Folgen der Wiedervereinigung

Nach Pellmanns Darstellung liegen die Ursachen des Vermögensgefälles nicht allein in der DDR-Vergangenheit. Politische Entscheidungen seit 1990 hätten die Ungleichheit verschärft und verfestigt, weil Betriebe und Immobilien nach der Wende häufig an Investoren außerhalb Ostdeutschlands verkauft worden seien.

Für seine Heimatstadt Leipzig sagte Pellmann, 90 Prozent des Wohneigentums gehörten Westdeutschen. Auch die Mehrheit des Betriebsvermögens befinde sich nicht in ostdeutscher Hand. Die Bundesregierung verstärke die Vermögenslücke nach seiner Einschätzung zusätzlich durch eine Politik, die den Sozialstaat schwäche und Beschäftigte unter Druck setze.

Grüne werben für Grunderbe

Kellner erklärte, Ostdeutsche hätten zwar viele Chancen, aber schlechtere Ausgangsbedingungen. Junge Menschen im Osten hätten deutlich weniger Zugriff auf Kapital für eine Meisterprüfung, ein Studium oder eine Unternehmensgründung.

Die Frühstartrente und andere Maßnahmen könnten daran erst in Jahrzehnten etwas ändern, sagte Kellner. Er setzt deshalb auf ein Grunderbe ab einem bestimmten Alter, das unabhängig vom Elternhaus für Ausbildung, Studium, eine Meisterprüfung oder selbst genutztes Wohneigentum eingesetzt werden könnte.

20.000 Euro als politischer Richtwert

Das Grunderbe sieht staatliches Startkapital für junge Menschen vor. SPD-Politiker nennen dafür einen Betrag von 20.000 Euro.

Das Vermögensgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland gehört zu den dauerhaftesten wirtschaftlichen Folgen der deutschen Einheit. Nach den im Einheitsbericht genannten Zahlen lag das durchschnittliche Netto-Gesamtvermögen je Haushalt 2023 im Osten bei 125.500 Euro und im Westen bei 257.100 Euro. Besonders groß ist der Abstand beim Immobilienvermögen: 97.800 Euro standen 214.500 Euro gegenüber.

Ein zentraler Faktor ist die Weitergabe von Vermögen. 2025 entfielen 95 Prozent des Werts steuerlich erfasster Erbschaften und Schenkungen auf die westdeutschen Länder; auf die ostdeutschen Länder und Berlin entfielen fünf Prozent. Dadurch starten junge Menschen regional unterschiedlich in Ausbildung, Studium, Unternehmensgründung oder den Erwerb von Wohneigentum.

Politische Folgen der Vermögenslücke

Die Debatte verbindet damit zwei Ebenen: private Startchancen und die finanzielle Ausstattung der Länder. Ein Ausgleich bei höheren Einnahmen aus einer reformierten Erbschaftsteuer könnte zusätzliche Mittel für Bildung, Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung bereitstellen. Er würde die privaten Vermögensunterschiede jedoch nicht unmittelbar beseitigen.

Das vorgeschlagene Grunderbe zielt deshalb auf eine andere Stellschraube. Ein staatliches Startkapital für Volljährige soll den Einfluss des Elternhauses begrenzen; in der SPD wird dafür ein Betrag von 20.000 Euro genannt. Offen bleiben die konkrete Finanzierung, die Ausgestaltung und die politische Mehrheit für ein solches Modell. Parallel zeigen die jüngsten Zahlen zu Führungspositionen, dass sich auch die Repräsentation Ostdeutscher in Bundesbehörden nur langsam verändert.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Ostbeauftragte der Bundesregierung Kaiser fordert mehr Ostdeutsche in Führungspositionen“ (30.09.2026)

Der Beitrag stellt neben der Vermögenslücke die weiterhin geringe Repräsentation Ostdeutscher in Spitzenpositionen heraus. Anders als die dts-Meldung konzentriert er sich stärker auf Kaisers Vorschläge eines Ausgleichs bei Erbschaftsteuereinnahmen und eines Grunderbes.

ZDFheute: „Erbschaftsteuer: Ostbeauftragte Kaiser fordert Länder-Ausgleich“ (30.09.2026)

ZDFheute bestätigt die genannten Vermögenswerte und ordnet sie in die ungleiche Verteilung von Erbschaften und Schenkungen ein. Der Schwerpunkt liegt auf dem Länder-Ausgleich bei der Erbschaftsteuer; die Forderung von Pellmann nach einem umfassenderen Vermögensausgleich wird dort nicht vertieft.

Übereinstimmend wird die Vermögens- und Erbschaftslücke als strukturelles Ost-West-Problem beschrieben. Unterschiede bestehen vor allem bei der politischen Lösung: Im Mittelpunkt stehen je nach Beitrag Länderfinanzausgleich, Grunderbe oder bessere Repräsentation.

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