Olympia-Bewerbung: München liegt im DOSB-Ranking knapp vor Köln
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 17:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMünchen hat nach Bewertung der DOSB-Evaluierungskommission die besten Chancen auf den Zuschlag für die deutsche Bewerbung um Olympische Sommerspiele.
München liegt knapp vor Köln-Rhein-Ruhr
Die Pläne der bayerischen Landeshauptstadt für Spiele 2036, 2040 oder 2044 erhielten 87 von 100 möglichen Punkten. Köln-Rhein-Ruhr kam auf 85 Punkte; beide Konzepte wurden mit der Note „sehr gut“ bewertet.
Berlin erreichte 74,6 Punkte und damit die Bewertung „gut“. Die Hauptstadt bleibt nach Einschätzung der Prüfer klarer Außenseiter im Bewerbungsrennen.
Entscheidung fällt am Samstag
Das Votum der DOSB-Evaluierungskommission dient als wichtige Grundlage für die außerordentliche Mitgliederversammlung an diesem Samstag in Baden-Baden. Bindend ist die Empfehlung jedoch nicht. Dort stimmen die 42 olympischen Spitzenverbände sowie weitere Mitglieder und das DOSB-Präsidium über den deutschen Kandidaten ab.
Bewertung nach festgelegter Matrix
Die Bewerber hatten ihre finalen Konzepte bis Anfang Juni eingereicht. Der DOSB und die olympischen Spitzenverbände bewerteten sie anhand einer gemeinsam mit dem Bund entwickelten Matrix.
Zu den Kriterien gehörten unter anderem die internationale Strahlkraft, die Unterstützung in der Bevölkerung und die sportfachliche sowie operative Eignung. Bewertet wurden auch Reisezeiten, Hotelkapazitäten und die Unterbringung der Athletinnen und Athleten.
Berlin ohne Bürgerentscheid
Berlin hatte im Gegensatz zu München und Nordrhein-Westfalen auf einen Bürgerentscheid verzichtet. Das Abgeordnetenhaus hatte zwar mehrheitlich für eine Bewerbung gestimmt, dieser Beschluss stammt jedoch noch aus der Zeit der inzwischen abgewählten schwarz-roten Koalition.
Die Linke als stärkste Partei und auch die Grünen lehnen eine Olympia-Bewerbung ab. Damit gilt das Berliner Konzept als politisch besonders riskant. Hamburgs Olympia-Pläne waren zuvor bei einem Bürgerentscheid gescheitert.
Entscheidung auf nationaler Ebene
Mit der Empfehlung des DOSB ist München der Abstimmung am Samstag einen Schritt näher. Der Vorsprung von zwei Punkten vor Köln-Rhein-Ruhr zeigt zugleich, dass die beiden Konzepte in der Bewertung eng beieinanderliegen. Das Votum schafft deshalb eine wichtige Orientierung, ersetzt aber nicht die Entscheidung der stimmberechtigten Mitglieder.
Für Köln-Rhein-Ruhr spricht nach den veröffentlichten Konzeptangaben vor allem die vorhandene Infrastruktur. Nach Darstellung des WDR sollen 95 Prozent der Sportstätten bereits bestehen oder lediglich vorübergehend ertüchtigt werden. Die Bewerbung verteilt die Austragungsorte allerdings auf Köln und 15 weitere Kommunen; längere Wege zwischen den Standorten gelten dabei als möglicher Nachteil.
Berlin unter politischem Druck
Berlin geht mit einer deutlich schwächeren Bewertung und ohne Bürgerentscheid in die Schlussphase. Die neue politische Konstellation in der Hauptstadt erschwert die Bewerbung zusätzlich, weil die Linke und die Grünen das Olympia-Projekt ablehnen. Ein Beschluss des bisherigen Abgeordnetenhauses bindet eine künftige Landesregierung nicht.
Wie es international weitergeht
Der nationale Sieger wäre noch nicht Austragungsort. Das Internationale Olympische Komitee soll im März 2027 einen strategischen Dialog mit möglichen Bewerbern für 2036 beginnen; über den Gastgeber dieser Spiele wird voraussichtlich Mitte 2029 entschieden. Für die deutschen Bewerber bedeutet der DOSB-Beschluss daher zunächst den Übergang in die internationale Auswahlphase.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht hebe hervor, die Berliner Linke lehne eine Olympia-Bewerbung auch nach ihrem Wahlerfolg ab und halte die bereits ausgegebenen sechs Millionen Euro für eine Verschwendung von Steuergeldern. Er bestätige damit den politischen Gegenwind für Berlin, setze den Schwerpunkt aber auf die Haltung der künftigen Landespolitik und nicht auf die DOSB-Punktwertung.
WDR: „Vor DOSB-Entscheidung: Alle Infos zur Olympia-Bewerbung aus NRW“ (21.09.2026)
Der WDR beschreibe die Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr als dezentral angelegtes Konzept mit weitgehend vorhandenen Sportstätten und nenne die Wege zwischen den Austragungsorten als mögliche Angriffsfläche. Zugleich erläutere der Beitrag den weiteren IOC-Zeitplan und mache deutlich, dass die nationale Entscheidung noch keine Zusage für Olympische Spiele bedeute.
Beide Beiträge gingen davon aus, dass München und Köln-Rhein-Ruhr gegenüber Berlin favorisiert seien. Unterschiede lägen vor allem im Schwerpunkt: Der Deutschlandfunk betone die politische Unterstützung, während der WDR Infrastruktur, regionale Verteilung und das internationale Verfahren in den Mittelpunkt rücke.
