Olympia-Bewerbung, DOSB

Olympia-Bewerbung: München, Berlin oder Rhein-Ruhr – DOSB entscheidet über deutschen Kandidaten

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 18:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet am Samstag in Baden-Baden, welcher von drei Kandidaten Deutschland bei der Bewerbung um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 vertreten soll. München gilt nach der Evaluierung als Favorit, doch auch Rhein-Ruhr rechnet sich Chancen aus.

  • Hat Berlin überhaupt noch eine Chance? - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Hat Berlin überhaupt noch eine Chance? - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • München gilt als Favorit. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
    München gilt als Favorit. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Kernstadt ist einer der drei Kandidaten in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Kernstadt ist einer der drei Kandidaten in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Hat Berlin überhaupt noch eine Chance? - Bild: Jens Kalaene/dpa München gilt als Favorit. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa Die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Kernstadt ist einer der drei Kandidaten in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet am Samstag in Baden-Baden, ob München, Berlin oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Kernstadt Deutschlands Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 anführen soll.

144 Stimmen entscheiden

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung dürfen die 42 olympischen Spitzenverbände jeweils drei Stimmen abgeben. Ihre Verbandsstimmen müssen geschlossen an einen Kandidaten gehen. Hinzu kommen acht persönliche Mitglieder und die Mitglieder des DOSB-Präsidiums mit jeweils einer Stimme.

Insgesamt stehen 144 Stimmen zur Verfügung. Für die Wahl ist die absolute Mehrheit erforderlich, sodass mehrere Wahlgänge möglich sind. Landessportbünde, nicht-olympische Spitzenverbände und der Deutsche Behindertensportverband sind nicht stimmberechtigt.

München liegt in der Bewertung vorn

Die drei Bewerber reichten ihre endgültigen Konzepte Anfang Juni ein. Eine gemeinsam mit dem Bund entwickelte Bewertungsmatrix berücksichtigte unter anderem internationale Erfolgschancen, Rückhalt in der Bevölkerung, Reisezeiten, Hotelkapazitäten sowie die Unterbringung der Athletinnen und Athleten.

München erhielt dabei knapp vor Köln-Rhein-Ruhr die beste Bewertung. Berlin lag deutlich zurück. Die Empfehlung ist für die Delegierten jedoch nicht bindend.

Hamburg scheidet aus

Hamburg hatte sich aus dem ursprünglich aus vier Bewerbern bestehenden Feld verabschiedet. Ende Mai lehnten dort fast 55 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine Olympia-Bewerbung ab.

München profitiert von der Zustimmung von rund zwei Dritteln der Teilnehmer eines Bürgerentscheids im vergangenen Oktober sowie von Erfahrungen mit großen Sportveranstaltungen. In der Region Rhein-Ruhr sprachen sich ebenfalls 66 Prozent für eine Bewerbung aus.

Berlin unter politischem Druck

Das Berliner Abgeordnetenhaus stimmte noch unter der früheren schwarz-roten Koalition mehrheitlich für eine Bewerbung. Nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus ist die politische Unterstützung jedoch unsicher. Die Linke und die Grünen lehnen eine Bewerbung ab, sodass ein Berliner Zuschlag vor der internationalen Vergabe wieder infrage gestellt werden könnte.

Verkündung durch den Bundespräsidenten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll die Entscheidung am Samstag ab 13.45 Uhr gemeinsam mit DOSB-Präsident Thomas Weikert verkünden. Die ARD überträgt die Bekanntgabe. Erwartet werden auch bekannte Sportpersönlichkeiten wie Boris Becker, Moritz Fürste, Michael Groß, Isabell Werth und Matthias Steiner.

Der Weg zum IOC

Der ausgewählte Kandidat muss Deutschland anschließend international positionieren und dem Internationalen Olympischen Komitee Detailpläne sowie finanzielle Garantien vorlegen. Die erste Vorauswahl für die Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Strategische Verhandlungen könnten bis Ende 2028 dauern; die entscheidende IOC-Session ist für Mitte 2029 vorgesehen.

Als mögliche internationale Konkurrenten für 2036 gelten unter anderem Indien und Katar. In Europa prüfen Budapest, Istanbul, Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana Bewerbungen. Der deutsche Kandidat soll unabhängig vom Jahrgang auch für 2040 oder 2044 bereitstehen.

Die Entscheidung ist nur der nationale Auftakt

Das DOSB-Votum am Samstag bestimmt zunächst den deutschen Kandidaten. Danach muss dieser ein international tragfähiges Konzept vorlegen und das IOC von sportlicher Qualität, Finanzierung, Infrastruktur und politischer Verlässlichkeit überzeugen. Die erste Vorauswahl für die Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein; die endgültige IOC-Entscheidung ist für Mitte 2029 vorgesehen.

Für München spricht die vorhandene Olympia-Infrastruktur von 1972, die räumliche Konzentration vieler Sportstätten und die Zustimmung der Bevölkerung. Die Stadt hat zudem Kiel als Segelstandort eingebunden. Rhein-Ruhr setzt stärker auf die Nutzung bestehender Stadien in mehreren Städten und auf ein regionales Modell. Dieses kann viele Menschen einbeziehen, stellt aber höhere Anforderungen an Verkehr, Logistik und ein gemeinsames Erscheinungsbild.

Politische Unterstützung wird zum Schlüsselfaktor

Berlin verfügt über die größte internationale Bekanntheit und zahlreiche bestehende Sportstätten. Nach dem politischen Machtwechsel in der Hauptstadt ist die Unterstützung für die Bewerbung jedoch deutlich unsicherer. Ein DOSB-Zuschlag wäre deshalb nur der erste Schritt; die künftige Landesregierung müsste das Projekt politisch und finanziell weitertragen. Für die Bürgerinnen und Bürger geht es damit nicht nur um Sport, sondern auch um langfristige Investitionen, Wohnungsbau, Verkehr und mögliche öffentliche Garantien.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Vor DOSB-Entscheidung Berliner Wahlsiegerin Eralp (Linke) lehnt Olympia-Bewerbung der Hauptstadt ab“ (22.09.2026)

Der Bericht hebt hervor, die Berliner Linke lehne die Bewerbung auch nach ihrem Wahlsieg ab und halte bereits ausgegebene sechs Millionen Euro für Steuergeldverschwendung. Er bestätige damit den politischen Gegenwind für Berlin, setze den Schwerpunkt aber stärker auf die Haltung der künftigen Landesregierung als auf die sportfachliche Bewertung der drei Konzepte.

NDR: „Olympia: München wählt Kiel als Segelstandort - so geht es weiter“ (22.09.2026)

Der Artikel berichtet, München habe Kiel als Segelstandort ausgewählt, während Rhein-Ruhr seinen Partner noch nicht veröffentlicht habe. Damit bestätige er den nationalen Dreikampf und ergänze ihn um einen konkreten Baustein der Münchner Planung, der in der dpa-Meldung nicht im Mittelpunkt stehe.

Beide Beiträge gingen davon aus, dass München und Rhein-Ruhr gegenüber Berlin besonders aussichtsreich seien beziehungsweise über wichtige konzeptionelle Vorteile verfügten. Unterschiede bestünden beim Schwerpunkt: Während der Deutschlandfunk die politische Tragfähigkeit Berlins betone, stelle der NDR Münchens regionale Zusammenarbeit und die praktische Ausgestaltung der Bewerbung heraus.

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