Olympia-Bewerbung: Berlin zieht sich zurück – München und Köln-Rhein-Ruhr im Duell
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBerlin will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur seine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 zurückziehen, sodass der deutsche Olympia-Entscheid am Samstag auf ein Duell zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr zuläuft.
Berlin verliert den Anschluss
Die Hauptstadt hatte nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus, bei der die Linke als klare Olympia-Gegnerin stärkste Kraft wurde, und nach dem Abschlussbericht der Evaluierungskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nur noch geringe Chancen auf den Zuschlag.
Die Kommission bewertete München mit 87 von 100 Punkten knapp vor Köln-Rhein-Ruhr mit 85 Punkten. Berlin kam auf 74,6 Punkte. Der Berliner Senat äußerte sich zunächst nicht offiziell und kündigte für Donnerstag eine Pressekonferenz an.
Politischer Streit um die Bewerbung
Der Rückzug war nach einer Sitzung von Regierungschef Kai Wegner, Sportsenatorin Iris Spranger und Olympia-Beauftragtem Kaweh Niroomand erwartet worden. Niroomand kritisierte die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, die sich gegen Olympische Spiele ausgesprochen hatte.
„Das viel Tragischere ist, dass Frau Eralp innerhalb von 45 Sekunden die ganze Bewerbung vom Tisch gewischt hat, dadurch eine enorme Verunsicherung unter die Verbände gebracht hat, damit auch absolut unsere Chancen richtig verringert hat“, sagte Niroomand der Deutschen Presse-Agentur.
München punktet mit kurzen Wegen
Die Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt setzt auf eine zentrale Austragung und die Nutzung bestehender Anlagen. München lag bei den Reisezeiten vom Olympischen Dorf zu den Wettkampfstätten sowohl in der DOSB-Bewertung als auch bei den olympischen Verbänden vorn.
Auch bei der sportfachlichen und operativen Eignung erhielt München die stärkste Bewertung. Am Samstag stimmen 42 olympische Verbände mit jeweils drei Stimmen über den deutschen Bewerber ab.
Rhein-Ruhr wirbt mit großen Zuschauerzahlen
Köln-Rhein-Ruhr liegt bei der Zahl der geplanten Tickets mit 17,6 Millionen deutlich vorn. Beim Ticketpotenzial und bei den möglichen Tageszuschauern vergab der DOSB jeweils die Höchstpunktzahl.
Auch bei der internationalen Strahlkraft des Sports erreichte die Bewerbung 100 Punkte. München kam in dieser Kategorie auf 74,5 Punkte, Berlin auf 82. Bei der Stabilität liegen München und Köln-Rhein-Ruhr dagegen nahezu gleichauf – auch wegen der Zustimmung in den Bürgerentscheiden von 66,42 beziehungsweise 65,87 Prozent.
Entscheidung in Baden-Baden
In Baden-Baden fällt am Samstag die Entscheidung bei einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Präsident Thomas Weikert sollen das Ergebnis ab 13.45 Uhr live verkünden.
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause wertete den Kommissionsbericht als Bestätigung für das bayerische Konzept. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst betonte dagegen, die Bewerbung aus Köln-Rhein-Ruhr befinde sich gemeinsam mit München in der bestmöglichen Kategorie und das Rennen sei offen.
Ein Duell mit klaren Profilen
Mit dem Rückzug Berlins konzentriert sich die deutsche Vorauswahl auf zwei sehr unterschiedliche Konzepte. München setzt auf kurze Wege, vorhandene Anlagen und die Einbindung des Olympiaparks von 1972. Rund 90 Prozent der Wettkampfstätten sollen in einem Radius von weniger als 30 Kilometern liegen.
Köln-Rhein-Ruhr wirbt dagegen mit einem weit verzweigten Veranstaltungsraum und einem besonders großen Zuschauerpotenzial. Die Bewerbung kalkuliert mit 17,6 Millionen Tickets und erhielt bei den Tageszuschauern sowie bei der internationalen Strahlkraft im Sport die Höchstbewertung. Der Vorteil muss allerdings organisatorisch mit längeren Wegen zwischen den Spielorten ausgeglichen werden.
Die Abstimmung entscheidet
Die Bewertung des DOSB ist eine wichtige Orientierung, bindet die Delegierten aber nicht. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung verfügen 42 olympische Spitzenverbände jeweils über drei Stimmen; hinzu kommen Stimmen des DOSB-Präsidiums und persönlicher Mitglieder. Für eine Entscheidung im ersten Wahlgang sind 73 von 144 Stimmen erforderlich.
Für die Bevölkerung bedeutet das Votum zunächst keinen Zuschlag für Olympische Spiele, sondern die Auswahl des deutschen Bewerbers. Danach müsste Deutschland dem Internationalen Olympischen Komitee detaillierte Pläne und finanzielle Garantien vorlegen. Die internationale Vorauswahl für die Sommerspiele 2036 soll 2027 beginnen; die endgültige Vergabe ist für 2029 vorgesehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Hoffnung für Olympische Spiele an Rhein und Ruhr: Bewerbung von NRW auf Augenhöhe mit München“ (22.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, München und Köln-Rhein-Ruhr hätten im DOSB-Ranking nahezu gleichauf gelegen und beide erhielten die Bewertung „sehr gut“. Als Gründe für den Aufholprozess der NRW-Bewerbung nenne er die Rolle Kölns als führende Stadt, den dortigen Oberbürgermeister Torsten Burmester und den Bürgerentscheid. Anders als die dpa-Meldung richte der Beitrag den Schwerpunkt stärker auf die Entwicklung der NRW-Kampagne; offen bleibe weiterhin der Ausgang der Verbändeabstimmung.
BR24: „Wer wählt? Was sind die Kriterien? Antworten zu Olympia-Showdown“ (22.09.2026)
Der Artikel bestätige den Zweikampf zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr und erläutere vor allem das Abstimmungsverfahren. Die 42 olympischen Spitzenverbände verfügten jeweils über drei Stimmen, insgesamt seien 144 Stimmen zu vergeben; für die absolute Mehrheit seien 73 Stimmen nötig. Zusätzlich ordne der Bericht die nächsten internationalen Bewerbungsschritte bis zur möglichen IOC-Entscheidung 2029 ein.
Beide Beiträge bestätigten Münchens knappen Bewertungsvorsprung und die starke Position von Köln-Rhein-Ruhr. Unterschiedliche Akzente lägen bei den strukturellen Stärken der NRW-Bewerbung und bei den formalen Regeln sowie dem internationalen Zeitplan; entscheidend bleibe das Votum in Baden-Baden.
