Olympia-Bewerbung Berlin, DOSB Baden-Baden

Olympia-Bewerbung: Berlin zieht sich vor DOSB-Abstimmung zurück

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 11:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Berlin zieht seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 zwei Tage vor der DOSB-Abstimmung zurück. Als Gründe nennt Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand fehlende politische Stabilität und die Sorge vor einer deutlichen Niederlage in Baden-Baden.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (l) und der Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand erklärten den Rückzug bei der Olympia-Bewerbung. - Bild: Christophe Gateau/dpa
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (l) und der Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand erklärten den Rückzug bei der Olympia-Bewerbung. - Bild: Christophe Gateau/dpa

Berlin zieht seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 zwei Tage vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Baden-Baden zurück.

Sorge vor deutlicher Niederlage

Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand begründete den Schritt mit fehlender politischer Stabilität. Die Verbände hätten von Berlin Voraussetzungen verlangt, die die Stadt nicht habe bieten können. Eine Bewerbung mit nur wenigen Stimmen aus der Abstimmung zu nehmen, wäre Berlin nicht gerecht geworden, sagte Niroomand.

Er ergänzte, Berlin habe es nicht verdient, in Baden-Baden „abgewatscht“ zu werden. Die Stadt wolle sich eine solche Blamage ersparen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem traurigen Tag für Berlin.

Nur noch München und Köln-Rhein-Ruhr im Rennen

Mit dem Rückzug verbleiben München und Köln-Rhein-Ruhr als Bewerber für die deutschen Olympia-Pläne. Die nationale Entscheidung soll am Samstag in Baden-Baden fallen.

Berlin hatte sich mit dem Konzept „Berlin+“ gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern beworben. Vor der Entscheidung galt die Hauptstadt jedoch nur noch als krasser Außenseiter.

Wahlsieg der Olympia-Gegnerin

Als Gründe für das Scheitern gelten auch die politischen Veränderungen in Berlin. Bei der Abgeordnetenhauswahl wurde der schwarz-rote Senat abgewählt, der die Bewerbung vorangetrieben hatte. Wahlsiegerin Elif Eralp (Linke), die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, lehnt Olympia ab und hatte den Bewerbungsprozess sowie die Kosten kritisiert.

Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) erklärte, die Gegner müssten nun zeigen, wie sie die Lücke füllen wollten, die das Projekt hinterlasse. Wegner kündigte an, eine Berliner Delegation werde dennoch nach Baden-Baden reisen. Berlin werde sich weiter daran beteiligen, dass die Spiele nach Deutschland kämen.

Politischer Rückhalt als Schlüsselfaktor

Der Rückzug fällt in eine entscheidende Phase der deutschen Olympia-Auswahl. Am Samstag, 26. September, soll der Deutsche Olympische Sportbund in Baden-Baden über den verbleibenden deutschen Bewerber für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 entscheiden. Nach dem Rückzug Berlins treten nur noch München und Köln-Rhein-Ruhr an.

Die Bewerbung „Berlin+“ verband die Hauptstadt mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Damit hätte das Konzept nicht nur Berliner Sportstätten, sondern auch regionale Infrastruktur und eine ostdeutsche Perspektive eingebracht. Mit dem Aus scheidet zugleich das einzige verbliebene Modell aus, das mehrere ostdeutsche Länder ausdrücklich zusammenführte.

Wahl und Bewertung

Für die Entscheidung sind 144 Stimmen maßgeblich; erforderlich ist die absolute Mehrheit von 73 Stimmen. Die Bewertung des DOSB hatte München mit 87,03 Punkten vor Köln-Rhein-Ruhr mit 85,02 Punkten und Berlin mit 74,6 Punkten gesehen. Bewertet wurden unter anderem internationale Wettbewerbsfähigkeit, operative Eignung, Finanzierung, Akzeptanz und langfristiger Nutzen.

Für die Berliner Bewerbung erwies sich damit nicht allein die sportfachliche Bewertung als Problem. Nach dem Regierungswechsel und der angekündigten Ablehnung durch die mögliche neue politische Führung fehlte ein zentraler Bestandteil solcher Großprojekte: ein belastbarer, über Jahre stabiler Konsens. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet der Rückzug vor allem, dass geplante Olympia-bezogene Investitionen und Infrastrukturprojekte nicht mehr an eine Berliner Bewerbung gekoppelt werden können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

MDR: „Berlin verabschiedet sich offiziell von der Olympia-Bewerbung“ (24.09.2026)

Der Bericht bestätige den offiziellen Rückzug der Bewerbung „Berlin+“ und hebe hervor, dass am Samstag nur noch München und Köln-Rhein-Ruhr zur DOSB-Auswahl stünden. Anders als die dpa-Meldung richte er den Blick zusätzlich auf Leipzig: Der Kanupark Markkleeberg bleibe über das Rhein-Ruhr-Konzept im Rennen.

tagesschau: „Berlin zieht Olympia-Bewerbung zurück“ (23.09.2026)

Der Beitrag habe den Rückzug bereits vor der offiziellen Verkündung angekündigt und als wesentliche Belastungen die schwächere DOSB-Bewertung sowie die politische Entwicklung nach der Abgeordnetenhauswahl genannt. Damit bestätige er den Vorgang und setze den Schwerpunkt stärker auf die Vorgeschichte; die konkrete Begründung eines drohenden Wahldebakels stehe dort noch nicht im Mittelpunkt.

Beide Berichte stimmten darin überein, dass Berlin vor der DOSB-Entscheidung aus dem Verfahren ausscheide. Der MDR betone die regionale Folge für Leipzig, während die tagesschau den politischen und evaluativen Druck hervorhebe.

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