Olympia-Bewerbung: Berlin will Rückzug vor DOSB-Entscheidung
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBerlin will seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele wenige Tage vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) offiziell zurückziehen.
Senat kündigt Pressekonferenz an
Das geht aus Informationen der Deutschen Presse-Agentur hervor, nachdem zuvor der rbb berichtet hatte. Der Berliner Senat nahm zunächst keine Stellung, lud aber für Donnerstag um 10.00 Uhr zu einer Pressekonferenz ein.
Vorausgegangen war eine Sitzung mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) und dem Olympia-Beauftragten des Landes, Kaweh Niroomand.
Berlin lag deutlich hinter der Konkurrenz
Der DOSB entscheidet am Samstag über den deutschen Kandidaten für eine Bewerbung um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Berlin galt dabei hinter München und Köln-Rhein-Ruhr nur noch als Außenseiter.
Die Hauptstadt wollte mit dem Konzept „Berlin+“ gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern antreten. Die DOSB-Prüfer bewerteten München mit 87 von 100 Punkten, Köln-Rhein-Ruhr mit 85 und Berlin mit 74,6 Punkten. Damit erhielten München und Köln-Rhein-Ruhr die Bewertung „sehr gut“, Berlin nur „gut“.
Wahlsiegerin lehnt Olympia-Bewerbung ab
Bei der Abgeordnetenhauswahl wurde der schwarz-rote Senat abgewählt. Wahlsiegerin Elif Eralp (Linke), die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, ist Gegnerin einer Olympia-Bewerbung und hatte den Bewerbungsprozess sowie die damit verbundenen Kosten kritisiert.
Eralp sagte einen Tag nach der Wahl, die Entscheidung habe sich erledigt. Sie erklärte, die Berliner hätten bei der Wahl auch gegen Olympia gestimmt. Die Grünen, die voraussichtlich an einer Regierung beteiligt sein werden, lehnen die Pläne ebenfalls ab und verweisen darauf, dass das Geld an anderer Stelle dringender gebraucht werde.
Heftige Kritik aus dem Bewerbungsteam
Olympia-Beauftragter Niroomand warf Eralp vor, sie habe „innerhalb von 45 Sekunden die ganze Bewerbung vom Tisch gewischt“ und dadurch die Chancen Berlins erheblich verringert. Ein Gesprächsangebot habe sie abgelehnt.
Dass die DOSB-Entscheidung kurz nach der Berliner Wahl angesetzt wurde, war bereits zuvor als Nachteil für die Hauptstadt bewertet worden. Niroomand sprach von „einer großen Hypothek“.
Auch Bürgerentscheid fehlte
Anders als München und Nordrhein-Westfalen verzichtete Berlin auf einen Bürgerentscheid. Zwar hatte das Abgeordnetenhaus noch unter der schwarz-roten Koalition mehrheitlich für eine Bewerbung votiert.
Olympia-Gegner wollten in der Hauptstadt zudem ein Volksbegehren gegen die Bewerbung auf den Weg bringen. Diese politischen Unsicherheiten machten einen Zuschlag für Berlin zu einem erheblichen Risiko, auch wenn die Stadt bei der internationalen Strahlkraft Vorteile gegenüber den Konkurrenten gehabt hätte.
Politischer Rückhalt als entscheidender Faktor
Der angekündigte Rückzug folgt auf einen politischen Machtwechsel in Berlin. Die bisherige schwarz-rote Koalition, die das Vorhaben vorangetrieben hatte, wurde bei der Abgeordnetenhauswahl abgewählt. Die designierte Nachfolgerin Elif Eralp und die Grünen lehnen eine Bewerbung ab und verweisen auf andere finanzielle Prioritäten.
Damit wird deutlich, dass eine Olympia-Bewerbung nicht allein an Sportstätten und Logistik hängt. Der DOSB bewertete neben der sportfachlichen und operativen Eignung auch die Unterstützung in Bevölkerung und Region. München erreichte 87 von 100 Punkten, Köln-Rhein-Ruhr 85; Berlin kam auf 74,6 Punkte und erhielt als einzige Bewerbung nur die Bewertung „gut“.
Folgen für die deutsche Kandidatur
Für die DOSB-Entscheidung am Samstag verbleiben damit voraussichtlich München und Köln-Rhein-Ruhr als aussichtsreiche Bewerber. Das Verfahren sieht eine Abstimmung der DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden vor; die zuvor veröffentlichte Bewertung der Prüfungskommission ist dabei eine wichtige, aber nicht bindende Grundlage.
Für Berlin endet der Prozess mit einem politischen und finanziellen Signal: Großprojekte dieser Größenordnung benötigen über mehrere Wahlperioden hinweg verlässliche Unterstützung. Zugleich verliert das Konzept „Berlin+“ die Chance, seine internationale Strahlkraft und die geplante Zusammenarbeit mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern in das nationale Auswahlverfahren einzubringen.
