Hendrik Wüst, Recep Tayyip Erdoğan

Hendrik Wüst trifft Erdo?an in Ankara – Kanzlerfrage reist mit

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 12:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist in Ankara von Recep Tayyip Erdo?an empfangen worden. Bei dem Gespräch ging es um die Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, wirtschaftliche Zusammenarbeit und aktuelle politische Fragen – begleitet von der Debatte über Wüsts mögliche Rolle in Berlin.

  • Drei Tage ist Wüst in der Türkei unterwegs. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Drei Tage ist Wüst in der Türkei unterwegs. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Als Merz vor elf Monaten von Erdogan empfangen wurde, war die Sitzordnung eine andere. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Als Merz vor elf Monaten von Erdogan empfangen wurde, war die Sitzordnung eine andere. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Nur wenige Stunden nach seiner Ankunft in Ankara wird Wüst von Erdogan im Präsidentenpalast empfangen. (Archivbild) - Bild: Marcel Kusch/Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen/dpa
    Nur wenige Stunden nach seiner Ankunft in Ankara wird Wüst von Erdogan im Präsidentenpalast empfangen. (Archivbild) - Bild: Marcel Kusch/Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen/dpa
Drei Tage ist Wüst in der Türkei unterwegs. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Als Merz vor elf Monaten von Erdogan empfangen wurde, war die Sitzordnung eine andere. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa Nur wenige Stunden nach seiner Ankunft in Ankara wird Wüst von Erdogan im Präsidentenpalast empfangen. (Archivbild) - Bild: Marcel Kusch/Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen/dpa

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist in Ankara von Recep Tayyip Erdo?an empfangen worden und hat mit dem türkischen Präsidenten über die Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei gesprochen.

Ungewöhnlicher Empfang im Präsidentenpalast

Wüst wurde nur wenige Stunden nach seiner Ankunft im Präsidentenpalast empfangen. Protokollarisch nahm er dabei neben Erdo?an Platz, während der türkische Präsident zwischen zwei türkischen Flaggen saß.

Der Termin gilt als besondere Würdigung des nordrhein-westfälischen Regierungschefs. Wüst betonte, er sei als Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes in der Türkei und wolle dieses Amt weiter ausüben, soweit es gehe.

Die Kanzlerfrage reist mit

Wüst wird in der Union neben dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Friedrich Merz gehandelt. Er selbst äußert sich öffentlich nicht zu solchen Überlegungen. Die Debatte war nach dem Abschneiden der CDU bei drei Landtagswahlen jedoch offener geführt worden.

Erdo?an interessierte sich demnach besonders für die innenpolitische Lage in Deutschland und die jüngsten Wahlerfolge der AfD. Wüst sagte anschließend, beide hätten sich darüber intensiv ausgetauscht. Ob die Debatte über einen möglichen Kanzlerwechsel bei der Einladung eine Rolle spielte, blieb offen.

65 Jahre Anwerbeabkommen

Anlass der dreitägigen Reise nach Ankara und Istanbul ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Es führte ab 1961 zur Zuwanderung hunderttausender türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland. Heute leben rund drei Millionen Menschen türkischer Abstammung in Deutschland, etwa ein Drittel davon in Nordrhein-Westfalen.

In Istanbul will Wüst am Mittwoch den 91-jährigen Sabri Aydin treffen, der 1961 mit einem der ersten Gastarbeiter-Flüge nach Deutschland kam und in Duisburg unter Tage arbeitete. In den folgenden zwölf Jahren folgten fast 900.000 weitere Menschen aus der Türkei. Wüst würdigte ihren Beitrag zum deutschen Wohlstand und zur gesellschaftlichen Entwicklung.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit im Mittelpunkt

Im Gespräch mit Erdo?an ging es außerdem um die seit den 1990er Jahren nicht reformierte Zollunion zwischen der EU und der Türkei. Auch eine Ausweitung der Rüstungskooperation war Thema. Wüst knüpft damit an die Linie von Merz und Außenminister Johann Wadephul an, die eine strategische Partnerschaft und eine Positivagenda mit Ankara verfolgen.

Den Ukraine-Krieg und Konflikte im Nahen Osten sprach Wüst zunächst nicht an. Menschenrechtsfragen habe er dagegen hinter verschlossenen Türen thematisiert. Seine Delegation umfasst mehr als 60 Personen, darunter Unternehmer, Mitarbeiter und 32 Journalisten.

Wüst bald mit größerem protokollarischem Gewicht

Bislang reiste Wüst mit einem Linienflugzeug in die Türkei. Vom 1. November an ist er Bundesratspräsident und bekleidet damit das vierthöchste Amt im Staat. Dann kann er für offizielle Reisen auch Flugzeuge der Bundeswehr-Luftwaffe nutzen.

Premiere mit politischem Gewicht

Der Empfang im Präsidentenpalast hebt Wüsts Reise über eine gewöhnliche Länderreise hinaus. Als erster amtierender Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens besucht er die Türkei offiziell; zugleich steht das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland für besonders enge gesellschaftliche und wirtschaftliche Verbindungen zu Ankara.

Die Beziehungen haben eine konkrete Größenordnung: Rund eine Million Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Nordrhein-Westfalen. Die Türkei gehört nach Angaben der NRW-Staatskanzlei mit einem Handelsvolumen von etwa elf Milliarden Euro zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes außerhalb Europas. Für Unternehmen sind deshalb Zollregeln, Visa-Verfahren und verlässliche wirtschaftliche Kontakte unmittelbar relevant.

Wirtschaft und schwierige Themen

Das 65. Jubiläum des Anwerbeabkommens von 1961 lenkt den Blick zugleich auf die Entwicklung von der Arbeitsmigration zur dauerhaft gewachsenen Gesellschaft. Wüst verbindet die Würdigung der ersten Generation mit dem Ziel, die wirtschaftlichen und persönlichen Netzwerke stärker zu nutzen.

Politisch bleibt die Reise in einem Spannungsfeld. Eine engere Zusammenarbeit bei Handel und Rüstung kann Nordrhein-Westfalen und der Türkei Vorteile bringen; Menschenrechte und rechtsstaatliche Fragen bleiben dabei Gesprächsthemen. Für Wüst kommt hinzu, dass jeder internationale Auftritt vor dem Hintergrund der Debatte über seine mögliche Rolle in der Bundespolitik bewertet wird. Seine erklärte Konzentration auf das Amt in Düsseldorf wird dadurch nicht beendet, aber öffentlich weiter beobachtet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „Ministerpräsident Wüst trifft Erdogan in der Türkei“ (29.09.2026)

Der Bericht bestätige das 50-minütige Gespräch und hebe neben den Wirtschaftsbeziehungen auch Wüsts Hinweis auf Menschenrechtsfragen hervor. Anders als die dpa-Meldung lege er stärker den möglichen innenpolitischen Nutzen der Reise im NRW-Wahlkampf und die Frage nach Erdo?ans Motiven offen; offen bleibe, welche konkreten Fälle bei den Menschenrechten angesprochen worden seien.

n-tv: „Ungewöhnlicher Termin in Ankara: Erdogan empfängt Wüst überraschend in seinem Palast“ (28.09.2026)

Der Artikel bestätige den ungewöhnlichen Empfang und setze einen Schwerpunkt auf die geplante Reform der EU-Türkei-Zollunion sowie die Bedeutung türkischstämmiger Menschen für Nordrhein-Westfalen. Im Unterschied zur dpa-Meldung beschreibe er ausführlicher die wirtschaftlichen Forderungen und die Rolle von Visa-Erleichterungen; die politische Einordnung des Termins bleibe auf die protokollarische Besonderheit und Wüsts mögliche Bundesrolle konzentriert.

Medienübergreifend bestehe Einigkeit über die außergewöhnliche Begegnung, die wirtschaftliche Agenda und den historischen Anlass der Reise. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung von Menschenrechten, NRW-Wahlkampf und Kanzlerfrage; die Beweggründe für Erdo?ans Einladung blieben offen.

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