Nobelpreis für Medizin: Deisseroth mit Hegemann und Nagel ausgezeichnet
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 14:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer US-Forscher Karl Deisseroth ist gemeinsam mit den Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel für Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und der Optogenetik mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet worden.
Überraschung kurz vor Mitternacht
Deisseroth erhielt den Anruf nach eigenen Angaben kurz nach Mitternacht Ortszeit an der US-Westküste, als er gerade schlafen gehen wollte. Er habe früh aufstehen müssen, um seinen Kindern Pausenbrote zu machen und sie zur Schule zu bringen.
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte der 54-Jährige, mit der Auszeichnung habe er nicht gerechnet. Er freue sich besonders darüber, die Forschung nun einem breiteren Publikum näherbringen zu können.
Licht als Werkzeug für die Hirnforschung
Die Optogenetik ermöglicht es, Zellen – meist Nervenzellen – mithilfe von Licht präzise an- oder abzuschalten. Dabei werden lichtempfindliche Proteine eingesetzt, um die Aktivität bestimmter Zellen gezielt zu beeinflussen.
Deisseroth verwies auf Versuche mit Mäusen, bei denen sich unter anderem aggressives Verhalten auslösen ließ. Je besser die Herkunft von Gefühlen verstanden werde, desto größer sei die Hoffnung, Probleme zu überwinden und Chancen zu fördern, sagte er.
Feier mit dem Forschungsteam
Die Ehrung bezeichnete Deisseroth als „unglaublich überraschend und beglückend“. Er wolle später mit den Menschen in seinem Labor zusammenkommen und den Moment mit ihnen teilen.
Außerdem gibt Deisseroth derzeit einen Kurs über Optogenetik. Für die Studierenden könne die Auszeichnung den Unterricht zu etwas Besonderem machen, sagte der Wissenschaftler der Stanford-Universität.
Grundlagenforschung mit großer Reichweite
Die Optogenetik verbindet genetische Verfahren mit Licht, um die Aktivität bestimmter Zellen gezielt zu steuern. Damit können Forschende einzelne Nervenzelltypen in lebendem Gewebe oder in Tiermodellen an- und abschalten und anschließend beobachten, wie sich das auf Bewegungen, Gefühle oder Verhalten auswirkt.
Hegemann und Nagel legten mit der Erforschung lichtempfindlicher Proteine die molekulare Grundlage. Deisseroth übertrug diese Werkzeuge auf Nervenzellen und entwickelte die Methode zu einer Plattform für die Neurowissenschaften weiter. Der entscheidende wissenschaftliche Wert liegt darin, dass nicht nur Zusammenhänge beobachtet, sondern Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen Zellaktivität und Verhalten untersucht werden können.
Chancen und Grenzen für die Medizin
Die Methode hilft, neuronale Netzwerke und Krankheitsmechanismen etwa bei neuropsychiatrischen Erkrankungen präziser zu untersuchen. Daraus können langfristig neue Therapieansätze entstehen, doch die Auszeichnung würdigt zunächst vor allem Grundlagenforschung; ein unmittelbarer Durchbruch für die Behandlung von Patientinnen und Patienten folgt daraus nicht.
Für die Öffentlichkeit ist der Preis auch deshalb relevant, weil die Forschung Fragen berührt, die weit über einzelne Krankheiten hinausreichen: Wie entstehen Erinnerungen, Gefühle und Verhalten? Die Antworten können das Verständnis des Gehirns vertiefen, ersetzen aber keine einfachen Erklärungen für menschliches Verhalten. Die Preisvergabe lenkt zugleich Aufmerksamkeit auf die Bedeutung internationaler und institutionenübergreifender Forschungsarbeit.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Nobelpreis für Medizin geht an zwei Deutsche und einen US-Amerikaner“ (05.10.2026)
Der Bericht bestätige die Auszeichnung für Hegemann, Nagel und Deisseroth und stelle die Entdeckung von Channelrhodopsin sowie dessen Einsatz zur gezielten Aktivierung von Nervenzellen heraus. Anders als die dpa-Meldung richte der Artikel den Schwerpunkt auf die wissenschaftliche Entwicklung der Optogenetik und nenne das Preisgeld; offen bleibe, wann daraus konkrete Therapien entstehen könnten.
Merkur: „Medizin-Nobelpreis geht nach Deutschland: Methode könnte Hirnerkrankungen heilen“ (05.10.2026)
Der Artikel bestätige den Nobelpreis und ordne die Methode als Werkzeug zur Kartierung neuronaler Netzwerke und zur Erforschung von Krankheitsmechanismen ein. Er setze einen stärkeren Schwerpunkt auf mögliche langfristige Anwendungen bei neurologischen Erkrankungen sowie auf die Beiträge der beiden deutschen Forscher; zugleich beschreibe er die klinischen Folgen als Perspektive.
Beide Berichte stellten die Auszeichnung und die Bedeutung der lichtgesteuerten Steuerung von Nervenzellen übereinstimmend heraus. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Während der eine Beitrag die wissenschaftliche Entwicklung und das Preisgeld betone, rücke der andere mögliche medizinische Anwendungen und die deutsche Beteiligung stärker in den Mittelpunkt.
