BND-Skandal: Krings fordert Aufklärung nach Hanning-Festnahme
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 17:15 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSHanning-Festnahme wirft Personalfragen auf
- Günter Krings fordert nach der Festnahme des ehemaligen BND-Chefs Hanning eine lückenlose Aufklärung.
- Der stellvertretende Unionsfraktionschef will prüfen lassen, ob frühere hochrangige Mitarbeiter ihr Wissen nutzen.
- Krings nennt mindestens einen Zuträger aus dem BND und verlangt eine kritischere Prüfung von Nebentätigkeitsgenehmigungen.
- Die geplante Reform der Nachrichtendienste soll trotz des Falls weder aufgegeben noch verschoben werden.
Der stellvertretende Unionsfraktionschef und frühere Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings, fordert nach der Festnahme des ehemaligen BND-Chefs Hanning eine lückenlose Aufklärung. In einem Interview mit dem ARD-Magazin „Bericht aus Berlin“ verlangte er am Sonntag zudem weitere Konsequenzen innerhalb des Bundesnachrichtendienstes.
Krings verlangt Prüfung früherer Führungskräfte
Krings sagte, es müsse geprüft werden, wie frühere hochrangige Mitarbeiter ihr Wissen nutzten. Nach seiner Einschätzung verfügte Hanning zwar nach rund 20 Jahren außerhalb des Dienstes möglicherweise nicht mehr über das frühere Wissen, offenbar habe er jedoch Zuträger gehabt, darunter mindestens einen aus dem BND.
Besonders kritisch sieht Krings Nebentätigkeiten von Beschäftigten des Dienstes, wenn diese in einem ähnlichen Sachgebiet ausgeübt werden. Er könne nicht nachvollziehen, dass dies genehmigt worden sei, und nannte mehrere Ansatzpunkte für Konsequenzen.
Reform soll nicht verschoben werden
Die geplante Reform der Nachrichtendienste stellt Krings trotz des Skandals nicht infrage. Eine Aufgabe oder auch nur eine Verschiebung wäre aus seiner Sicht ein Fehler.
Zur Begründung verwies Krings auf die Zusammenarbeit mit ausländischen Nachrichtendiensten. Diese fragten, über welche Befugnisse Deutschland verfüge und ob der Bundesnachrichtendienst noch Informationen liefern könne, wenn ihm notwendige Mittel fehlten.
Befugnisse und Fähigkeiten im Mittelpunkt
Nach Krings’ Darstellung erwarten Partnerdienste nicht nur Informationen, sondern auch verlässliche Fähigkeiten des deutschen Dienstes. Wenn Deutschland selbst nichts liefern könne, erhalte es langfristig möglicherweise auch von anderen Diensten keine Erkenntnisse.
Die Reform müsse daher fortgesetzt werden. Zugleich gehe es darum, die Ausstattung und die Fähigkeiten der Nachrichtendienste zu verbessern.
Die Forderung nach einer lückenlosen Aufklärung richtet den Blick auf eine zentrale Schwachstelle der Nachrichtendienste: den Umgang mit ehemaligen Führungskräften und ihrem Wissen. Besonders sensibel sind Tätigkeiten nach dem Ausscheiden, wenn frühere Kontakte, interne Abläufe oder fachliche Kenntnisse in Beratungs- und Lobbyaufträgen nutzbar werden können.
Kontrolle und Nebentätigkeiten
Krings verbindet den Fall mit der Frage, wie Nebentätigkeiten von Beschäftigten und ehemaligen Spitzenkräften genehmigt und kontrolliert werden. Dabei geht es nicht nur um mögliche individuelle Pflichtverletzungen, sondern auch um institutionelle Verfahren: Zuständigkeiten, Karenzzeiten, Genehmigungspflichten und die unabhängige Prüfung von Interessenkonflikten.
Die politische Bedeutung reicht über den Einzelfall hinaus. Nachrichtendienste sind auf geschützte Informationen und den Austausch mit Partnerdiensten angewiesen. Zweifel an der Vertraulichkeit können die Zusammenarbeit belasten und damit die Fähigkeit mindern, Erkenntnisse zu gewinnen und weiterzugeben.
Reform unter zusätzlichem Druck
Krings lehnt deshalb eine Verschiebung der geplanten Nachrichtendienstreform ab. Seine Argumentation verbindet zwei Ebenen: Der Fall soll Konsequenzen für Kontrolle und Personalregeln haben, zugleich sollen die Befugnisse und technischen Fähigkeiten der Dienste verbessert werden.
Für die weitere politische Debatte dürfte entscheidend sein, ob die Reform konkrete Schutzmechanismen für Nebentätigkeiten, Informationszugriffe und den Umgang mit ehemaligen Führungskräften vorsieht. Ebenso wichtig ist die parlamentarische Kontrolle, damit zusätzliche Befugnisse mit klaren Zuständigkeiten und überprüfbaren Grenzen verbunden werden.
Frankfurter Rundschau: „Roderich Kiesewetter: Spitzenbeamte versilbern Telefonbücher“ (09.10.2026)
Der Beitrag bestätigt den Zusammenhang zwischen der Festnahme von August Hanning und der Debatte über strengere Regeln für ehemalige Spitzenbeamte. Im Mittelpunkt stehen dort mögliche Nutzung von Kontakten und eine Genehmigungspflicht für Beratungstätigkeiten; Krings legt den Schwerpunkt stärker auf die lückenlose Aufklärung und die Nachrichtendienstreform.

