Wegwerfagenten, hybride Bedrohung

Sicherheitsexperte warnt vor Tausenden Wegwerfagenten in Europa

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Nach dem Leipziger Drohnenvorfall warnt ein Sicherheitsexperte vor einer großen Zahl an Wegwerfagenten in Europa. Die Einschätzung reiht sich in die Debatte um hybride Angriffe und die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur ein.

Sicherheitsexperte warnt vor Tausenden Wegwerfagenten
Polizeiabsperrung (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Sicherheitsexperte Konstantinos Tsetsos von der Universität der Bundeswehr München warnt vor einer wachsenden Zahl sogenannter Wegwerfagenten in Europa. Anlass sind die jüngsten mutmaßlichen Attacken russischer Geheimdienste in Deutschland.

Was mit Wegwerfagenten gemeint ist

Wegwerfagenten sind Amateurspione ohne reguläre Ausbildung. Nach der Einschätzung von Tsetsos lassen sie sich oft mit wenig Geld im Internet anwerben und für unterschiedliche Aufgaben einsetzen.

Zu diesen Aufgaben zählen demnach das Ausspähen von Personen oder Orten, Sabotageakte wie Brandstiftungen und Desinformation. Ziel sei es, die deutsche Politik und die Bundesregierung zu diskreditieren.

Leipzig/Halle als politischer Auslöser

Erst am Dienstag hatten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul Russland für den Drohnen-Vorfall am 4. August am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht. Dobrindt sprach dabei auch von einer Ausführung durch Täter aus dem Bereich von Low-Level-Agenten.

Auch den mutmaßlichen Mordkomplott gegen den deutschen Rüstungsmanager Stefan Thumann, CEO von Donaustahl, sehen Ermittler im Umfeld solcher Agentenstrukturen vorbereitet. Tsetsos ist Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr München, forscht zu Sicherheitspolitik und berät das Bundesverteidigungsministerium.

Die Warnung vor einer wachsenden Zahl von Wegwerfagenten ordnet sich in eine Phase ein, in der Sicherheitsbehörden und Politik in Deutschland hybride Angriffe nicht mehr nur als theoretische Bedrohung behandeln. Der jüngste Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle und die daraus gezogenen politischen Konsequenzen haben den Blick darauf geschärft, wie niedrig die Einstiegshürde für Sabotage, Ausspähung und gezielte Destabilisierung sein kann.

Wegwerfagenten sind für Nachrichtendienste attraktiv, weil sie billig, austauschbar und schwerer zuzuordnen sind als klassische Agenten. Das macht sie besonders geeignet für Operationen unterhalb der Schwelle eines offenen staatlichen Angriffs. Für Deutschland bedeutet das: Die Bedrohung reicht weit über einzelne spektakuläre Vorfälle hinaus und betrifft Infrastruktur, Verkehrsknoten, Rüstungsunternehmen und die öffentliche Debatte zugleich.

Hybride Bedrohung und politische Reaktion

Die politische Reaktion auf den Leipziger Vorfall zeigt, dass sich die Bundesregierung stärker auf Abschreckung, diplomatischen Druck und Sicherheitsmaßnahmen einstellt. Zugleich verschiebt sich die öffentliche Wahrnehmung von Spionage und Sabotage: Nicht nur professionelle Agentennetze, sondern auch lose angeworbene Helfer geraten in den Fokus.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Für die Sicherheitslage in Deutschland ist entscheidend, dass solche Akteure oft aus dem Inland oder dem europäischen Umfeld heraus agieren können. Damit steigt die Bedeutung von Prävention, digitaler Aufklärung und dem Schutz kritischer Infrastruktur. Auf europäischer Ebene fügt sich die Entwicklung in eine breitere Debatte über russische hybride Kriegsführung ein, die von Desinformation bis zu physischen Angriffen reicht.

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