Berlin Linke Wahlparty: Bezirksverband grenzt sich nach Besuch von Clan-Mitglied ab
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem Besuch eines führenden Clan-Mitglieds auf einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln grenzt sich der Bezirksverband deutlich von der Person ab.
Linke Neukölln stellt Distanz klar
Die Linke in Berlin-Neukölln hat nach dem Auftauchen von Issa Remmo auf ihrer Wahlparty erklärt, es gebe weder politische noch persönliche Beziehungen zu ihm. Es habe sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, zu der auch nicht eingeladene Gäste Zugang gehabt hätten, teilte Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand auf Anfrage mit.
Keine Beziehungen, keine Einladung
Nach Angaben der Bezirkslinken war Remmo den Verantwortlichen und seine Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, zudem stehe er nicht auf der Anmeldeliste. Der Besuch der Wahlparty habe an der fehlenden Verbindung zu ihm "selbstverständlich nichts geändert". Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp bekräftigte im Fernsehen, die Partei habe mit organisierter Kriminalität nichts zu tun und das Clan-Mitglied sei nicht eingeladen gewesen.
Kritik von CDU und Grünen
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bezeichnete das Auftauchen von Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken als verstörendes Signal. Eine Partei, die Verantwortung für die Stadt übernehmen wolle, müsse unmissverständlich deutlich machen, dass es keine Nähe zu Strukturen der organisierten Kriminalität geben dürfe.
Forderung nach Klarheit vor Regierungsbildung
Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr zeigte sich extrem irritiert und erklärte, die Linke müsse klären, was bei der Wahlparty passiert sei und warum. Sie erwarte Gespräche des Landesverbands mit den Akteuren in Neukölln, auch vor dem Hintergrund der Antisemitismus-Debatte der vergangenen Wochen. Nach ihren Worten müsse es Klarheit geben, bevor eine mögliche Regierungsbildung in Berlin erfolgt.
Politische Brisanz des Vorfalls
Der Besuch von Issa Remmo auf einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln fällt in eine Phase sensibler Koalitionsgespräche nach der Wahl in der Hauptstadt. Der Vorfall berührt zentrale Fragen der Glaubwürdigkeit jener Partei, die sich als sozial orientierte Kraft mit klarer Abgrenzung zur organisierten Kriminalität positioniert. Wenn ein öffentlich prominentes Mitglied eines bekannten Berliner Clans bei einer parteipolitischen Feier auftaucht, wird dies von politischen Gegnern schnell als Signal möglicher Nähe zu kriminellen Strukturen gelesen, auch wenn die Linke jede Beziehung ausdrücklich verneint.
Koalitionsdynamik und Antisemitismus-Debatte
In Berlin steht die Linke als potenzieller Koalitionspartner unter genauer Beobachtung: Die Äußerungen der Grünen-Landesvorsitzenden Nina Stahr zeigen, dass Fragen zur Haltung gegenüber organisierter Kriminalität und zur jüngsten Antisemitismus-Debatte in der Partei unmittelbar mit der Frage einer Regierungsbeteiligung verknüpft werden. Koalitionsverhandlungen in der Hauptstadt hängen damit nicht nur von programmatischen Schnittmengen ab, sondern auch von der Wahrnehmung politischer und gesellschaftlicher Verlässlichkeit. Forderungen nach „Klarheit vor Regierungsbildung“ markieren eine rote Linie: Erst wenn die Linke interne Vorgänge aufarbeitet und ihre Abgrenzung klar definiert, werden weitere Gespräche erleichtert.
Bedeutung für Sicherheitsdebatte und Öffentlichkeit
Der Fall illustriert zudem, wie stark das Thema Clankriminalität die öffentliche Debatte in Berlin prägt. Die Kritik des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner zielt auf die Erwartung, dass demokratische Parteien sichtbare Distanz zu Personen aus dem Umfeld organisierter Kriminalität halten. Zugleich macht die Linke deutlich, dass offene Veranstaltungen rechtlich und praktisch nicht vollständig kontrollierbar sind. Für Bürgerinnen und Bürger ist entscheidend, dass Parteien transparent mit solchen Vorfällen umgehen und ihre Haltung zu Sicherheitsfragen klar formulieren. Der Vorgang dürfte die Diskussion über Umgangsformen mit bekannten Clan-Mitgliedern und über Sicherheitskonzepte bei politischen Veranstaltungen weiter verstärken.
