München Leichtathletik-WM 2031 und Champions-League-Finale 2028: Rückenwind im Olympia-Dreikampf
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 15:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMünchen hat den Zuschlag für zwei internationale Sport-Großereignisse erhalten: 2031 findet die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Olympiastadion statt, bereits 2028 steigt das Finale der Fußball-Champions-League in der Allianz Arena.
Zwei Prestige-Events kurz vor Olympia-Entscheidung
Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics und die Europäische Fußball-Union UEFA gaben die Vergaben fast zeitgleich bekannt. Sie erfolgen nur wenige Tage, bevor der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in Baden-Baden den deutschen Kandidaten für mögliche Olympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 festlegt. Neben München bewerben sich Berlin und die Region Rhein-Ruhr um das nationale Olympia-Votum.
Söder setzt auf Rückenwind für den Sportstandort
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete Bayern und Sportevents als „perfektes Match“ und sieht in der WM-Vergabe zusätzlichen Schwung für den Standort. Die Leichtathletik-WM 2031 wird erstmals im Olympiastadion ausgetragen, das hierfür modernisiert werden soll. Für neun Veranstaltungstage rechnen die Organisatoren mit rund 2200 Athletinnen und Athleten aus etwa 195 Nationen.
München sticht London und Rom aus
Bei der Leichtathletik setzte sich München gegen starke Konkurrenz aus London und Rom durch. 2027 ist Peking WM-Gastgeber, 2029 Nairobi – erstmals richtet damit eine afrikanische Stadt die Titelkämpfe aus. Weltverbandspräsident Sebastian Coe verwies auf die lange Erfahrung Deutschlands mit großen Leichtathletik-Veranstaltungen und äußerte die Überzeugung, München bringe alle Voraussetzungen für spektakuläre Weltmeisterschaften mit.
Dritte Leichtathletik-WM in Deutschland
Nach Stuttgart 1993 und Berlin 2009 ist die WM 2031 die dritte Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Deutschland. Eine besondere Rolle spielte bisher die blaue Bahn im Berliner Olympiastadion, auf der Jamaikas Sprintstar Usain Bolt 2009 Weltrekorde über 100 und 200 Meter aufstellte, die bis heute Bestand haben. München hatte zuletzt 2022 mit den European Championships im Olympiastadion für große Resonanz in der europäischen Leichtathletik gesorgt.
Begeisterung bei deutschen Top-Athleten
Sprinterin Gina Lückenkemper sprach mit Blick auf eine Weltmeisterschaft im eigenen Land von dem Größten für Athletinnen und Athleten und einer großen Chance für den gesamten Sport in Deutschland. Zehnkampf-Welt- und Europameister Leo Neugebauer hatte eine WM in München schon vor der Entscheidung als „Traum“ bezeichnet, der „richtig cool“ wäre.
Bewusste Terminwahl mit Blick auf andere Großereignisse
München hatte das Jahr 2031 von Beginn an bevorzugt, da 2029 bereits das Deutsche Turnfest sowie die Fußball-Europameisterschaft der Frauen in der Stadt geplant sind. Diese Veranstaltungen sollen im Mai sowie im Juli und August stattfinden und damit nicht mit einer WM kollidieren.
Champions-League-Finale 2028 erneut in München
Schon 2028 rückt München international in den Fokus, wenn die Allianz Arena erneut Schauplatz des wichtigsten Spiels im europäischen Vereinsfußball wird. Die UEFA traf die Entscheidung im Anschluss an eine Sitzung ihres Exekutivkomitees im griechischen Thessaloniki. Es ist bereits das fünfte Champions-League-Endspiel in der bayerischen Landeshauptstadt und das dritte in der Allianz Arena.
Erinnerungen an das „Finale dahoam“
In der Arena fanden bislang das „Finale dahoam“ 2012 mit der Niederlage des FC Bayern im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea sowie das Endspiel 2025 mit einem 5:0-Sieg von Paris Saint-Germain gegen Inter Mailand statt. Das Champions-League-Finale 2029 ist von der UEFA an Barcelona und das Camp Nou vergeben, das Endspiel der laufenden Königsklassen-Saison wird im Estadio Metropolitano in Madrid ausgetragen.
Signalwirkung für Münchens Olympia-Ambitionen
Die Vergabe der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2031 und des Champions-League-Finales 2028 an München stärkt die Position der Stadt im innerdeutschen Wettstreit um eine Olympia-Bewerbung deutlich. Der Deutsche Olympische Sportbund will Ende September festlegen, ob München, Berlin oder die Region Rhein-Ruhr als deutscher Kandidat für Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen geht. Die beiden neuen Zuschläge unterstreichen die internationale Anerkennung Münchens als verlässlichen Austragungsort großer Sportereignisse und können als Vertrauensbeweis von Weltverband und UEFA gelesen werden.
Infrastruktur und Erfahrung als strategischer Vorteil
München verweist schon seit Jahren auf seine vorhandene Infrastruktur mit Olympiastadion und Allianz Arena sowie auf Großereignisse wie die European Championships 2022. Die nun zugesprochene Leichtathletik-WM nutzt direkt das modernisierte Olympiastadion und wird mit Athletinnen und Athleten aus nahezu 200 Nationen ein globales Schaufenster. Das Champions-League-Finale greift die lange Fußballtradition der Stadt und die große Strahlkraft des FC Bayern auf. Beide Events liegen zeitlich so, dass sie planbar in eine langfristige Strategie für eine Olympia-Bewerbung eingepasst werden können, ohne andere Großveranstaltungen wie das Deutsche Turnfest oder die Frauen-EM zu verdrängen.
Wettbewerb mit Berlin und Rhein-Ruhr bleibt offen
Gleichzeitig bleibt der Dreikampf um die olympische Kandidatur offen. Berlin kann auf die Leichtathletik-WM 2009 und zahlreiche andere internationale Sportereignisse verweisen, die Region Rhein-Ruhr auf eine dichte Stadienlandschaft und Erfahrungen mit EM- und WM-Spielen im Fußball. Für den DOSB spielen neben vorhandenen Arenen auch gesellschaftliche Akzeptanz, Nachhaltigkeitskonzepte und finanzielle Tragfähigkeit eine Rolle. Die jüngsten Vergaben an München erhöhen zwar die Sichtbarkeit der Stadt, sie ersetzen aber nicht die notwendige politische und gesellschaftliche Debatte darüber, ob und wie Deutschland sich für Olympische Spiele bewerben will.
