Bayern, Deutschland

«Jetzt ziehen wir an»: Münchens Bürger sagen ja zu Olympia

26.10.2025 - 20:08:18 | dpa.de

München hat abgestimmt - für eine Bewerbung um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Die erste Hürde ist genommen. Es gibt aber noch drei nationale Konkurrenten. Und am Ende entscheidet das IOC.

  • Oberbürgermeister Dieter Reiter freut sich über das Münchner Ja zu Olympia. - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Oberbürgermeister Dieter Reiter freut sich über das Münchner Ja zu Olympia. - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Kanute Sideris Tasiadis und Ex-Skirennfahrerin Hilde Gerg setzen auf Olympia in München. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Kanute Sideris Tasiadis und Ex-Skirennfahrerin Hilde Gerg setzen auf Olympia in München. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Der Münchner Olympiapark von den Sommerspielen 1972. - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Der Münchner Olympiapark von den Sommerspielen 1972. - Foto: Sven Hoppe/dpa
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Als Oberbürgermeister Dieter Reiter das deutliche «Ja» der Münchner für eine Olympia-Bewerbung verkündete, hallten bei der Party der Befürworter laute Jubelrufe durch das «Haus des Sports». 66,4 Prozent stimmten laut vorläufigem Endergebnis bei der Bürgerbefragung für eine Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt um Sommerspiele und Paralympische Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044. «Das ist ein guter Tag für München», sagte Reiter.

Auch für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war das klare Resultat des Votums ein «ganz starkes Signal». «Jetzt starten wir durch. Jetzt ziehen wir an», versicherte Söder und befand: «Eine geile Geschichte heute.» Der Chef des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV), Jörg Ammon, sprach von einem «Traumergebnis».

Ob es tatsächlich zu zweiten Olympischen Spielen in München nach 1972 kommt, bleibt offen. Die Befürworter wollten mit einem möglichst guten Ergebnis ein Zeichen auch an die anderen deutschen Interessenten Berlin, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr senden. Die Rechnung lautete: je höher die Zustimmung, desto größer Münchens Chancen im internen Wettstreit. «Das wird ein sehr großer Denkanstoß für die Mitbewerberinnen und Mitbewerber in Deutschland sein», sagte Reiter.

Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein sendete umgehend Glückwünsche nach München. «Die Menschen stehen hinter der Idee, Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen. Und: Es ist das erste erfolgreiche Olympiareferendum in Deutschland. Ich freue mich, wenn es nicht das letzte ist», sagte die CDU-Politikerin.

Vier nationale Kandidaten

Die Kritiker der Münchner Bewerbung reagierten enttäuscht. «Das ist eine demokratische Entscheidung, die wir respektieren», sagte der wohl prominenteste Gegner, der Grünen-Politiker und Landtagsvizepräsident Ludwig Hartmann, der Deutschen Presse-Agentur in München. Die letzten Wochen seien ein David-gegen-Goliath-Kampf gegen die finanziell starke Pro-Kampagne der Stadt gewesen, betonte Hartmann. «Gleichzeitig bleibt die Kritik an den Kosten, der Nachhaltigkeit und der Transparenz weiterhin relevant», sagte Hartmann.

Insgesamt stimmten mehr als 460.000 der insgesamt 1,097 Millionen Wahlberechtigten beim Münchner Bürgerentscheid ab. Das sei «wahnsinnig toll», sagte Reiter. Viele nutzten die Chance zur Briefwahl und sorgten so für eine Rekordbeteiligung. 305.201 Stimmberechtigte votierten mit Ja, 154.207 mit Nein.

«Es gab keinen einzigen Ausreißer, alle Bezirke sind pro Olympia-Bewerbung», sagte Oberbürgermeister Reiter und meinte: «Ich glaube, dass wir jetzt mit neuem, frischen Elan an die Bewerbung gehen können.»

Während in Berlin kein Referendum vorgesehen ist, planen Hamburg und die Region Rhein-Ruhr sowie Kiel als potenzieller Austragungsort für Segelwettbewerbe ebenfalls Bürgerentscheide. «Das Ergebnis bestätigt die Begeisterung für die olympische Idee in ganz Deutschland», sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in seiner Grußbotschaft an München. Er freue sich auf einen fairen Wettbewerb um die beste Bewerbung. 

Am Ende vergibt das IOC die Spiele

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will sich im Herbst 2026 auf den Kandidaten festlegen, mit dem er sich um den Zuschlag des Internationalen Olympisches Komitees (IOC) bewirbt, das die Spiele letztendlich vergibt. 

«Ich bin überzeugt, dass dieses Ergebnis auch positive Impulse für die noch anstehenden Abstimmungen in den weiteren Bewerberregionen setzen wird», sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. «Für den DOSB ist es auf jeden Fall ein großer Ansporn, den Weg zu einer deutschen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele entschlossen fortzusetzen und gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen die kommenden Aufgaben motiviert anzugehen.»

Auf der Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Frankfurt am Main entscheidet der nationale Dachverband über den finalen Weg zur Auswahl des deutschen Kandidaten. Erwartet wird, dass Deutschland international von Ländern wie Indien, Katar oder Saudi-Arabien große Konkurrenz bekommen könnte. 

Davon wollten sich die Münchner Olympia-Planer aber die Freude über das Bürgervotum nicht trüben lassen. «Es ist ein großartiger Tag für Athleten von Olympischen und Paralympischen Spielen», sagte BLSV-Präsident Ammon. Die Befürworter glauben, dass Olympia die Stadt ähnlich voranbringen könnte wie bei den Sommerspielen vor über 50 Jahren. 

Es war auch das letzte Mal, dass Deutschland Olympia-Gastgeber war. Die Münchner wollen auch damit punkten, dass viele Sportstätten wie das Olympiastadion schon bestehen und wieder genutzt werden könnten. Vor zwölf Jahren war eine Bewerbung um die Winterspiele 2022 bei den Münchner Bürgern noch durchgefallen.

Auch der deutsche Sport hat es aus Sicht von Fachverbänden, Athletenvertretern und Bundesregierung dringend nötig, ein Fernziel mit großer Strahlkraft zu bekommen, um sich finanziell und strukturell besser aufzustellen. Die Kritiker argumentierten, so ein Großevent koste viel zu viel. Zumal das Geld etwa für die Stadtentwicklung oder Wohnungsbau besser eingesetzt würde.

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